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Handball-Nationalmannschaft : Mit Adlerschwingen

  • -Aktualisiert am

Rückkehrer und Hoffnungsträger: Michael Haaß Bild: dpa

Handball-Bundestrainer Martin Heuberger bewegt sich zwischen Reformideen und der Sehnsucht nach einem Spieler wie Mikkel Hansen. Am Donnerstag (19 Uhr) startet sein Team aber erst einmal ganz pragmatisch gegen Montenegro in die EM-Qualifikation.

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          Nicht, dass Martin Heuberger und Heiner Brand aufeinander losgegangen wären, es war vielmehr ein freundschaftliches Treffen am Mittwoch in Mannheim. Obwohl Brand sich doch gerade wieder mal angriffslustig gegeben hatte, die Struktur einer Mannschaft betreffend. „Ich bin der Meinung, dass flache Hierarchien Blödsinn sind“, sagte Brand, der Sportmanager des Deutschen Handball-Bundes (DHB).

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Als Affront fasste Bundestrainer Heuberger die Bemerkung seines Vorgängers aber nicht auf. Auch wenn Brand das deutsche Nationalteam gemeint haben sollte. Er habe ja Führungsspieler, sagte Heuberger, er nannte in diesem Zusammenhang Oliver Roggisch, den Abwehrchef von den Rhein-Neckar Löwen. Trotzdem wies Heuberger auch auf einen Mangel hin: „Wir brauchten auch einen Häuptling im Angriff.“ Daran hapert es bei den Deutschen seit längerem schon. Wenigstens gibt nun ein Mann sein Comeback, der über gewisse Fähigkeiten als Stratege verfügt: Michael Haaß kehrt an diesem Donnerstag (19 Uhr) in Mannheim im ersten Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2014 gegen Montenegro in Heubergers Team zurück. Der Göppinger hatte sich bei der vergangenen EM in Serbien das rechte Sprunggelenk gebrochen.

          Neuer Schwung durch neues Trikot

          Nach neunmonatiger Pause will Haaß wieder Fuß fassen in der deutschen Auswahl, die am Mittwoch frischen Schwung zu dokumentieren versuchte - nicht zuletzt durch ein neues Trikot. Das Design auf der Vorderseite scheint - in Gestalt von Adlerschwingen - Aufbruch zu symbolisieren. Darum ging es in Mannheim sowohl bei Heuberger als auch bei Brand, der die Eliteförderung des DHB präsentierte. Mit dieser Einrichtung soll der Nachwuchs stärker als bisher vorangebracht werden. Brand sagte, dass man „Spielerpersönlichkeiten mit Siegermentalität“ schaffen wolle. Als Vorbilder nannte er internationale Stars wie den Dänen Mikkel Hansen oder den Franzosen Daniel Narcisse. Den Kandidaten soll nicht nur sportlich, sondern auch schulisch und beruflich geholfen werden. „Die duale Karriere ist ein absolutes Muss“, betonte Brand.

          Heuberger weiß dieses Projekt zu schätzen, es sei eine „gute Sache“. Allerdings behauptete er auch, das es „den Kern unserer Probleme nicht trifft“. An Talenten hat es im deutschen Handball schließlich selten gefehlt. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, die Bundesliga von der Übernahme solcher Spieler zu überzeugen. Heuberger spricht dabei von der Anschlussförderung. „Da müssen wir besser werden.“ Immerhin ist in dieser Angelegenheit inzwischen mehr Bewegung zu erkennen, bedingt auch durch die finanziellen Nöte mancher Klubs. Da kommen junge Deutsche zwangsläufig stärker ins Spiel, zum Beispiel beim TBV Lemgo. „Es sind Ansätze da“, sagte Heuberger.

          Neues Design: Die beiden Handball-Nationalspieler Dominik Klein und Helena Hertlein präsentieren das neue Trikot
          Neues Design: Die beiden Handball-Nationalspieler Dominik Klein und Helena Hertlein präsentieren das neue Trikot : Bild: dpa

          Als Kämpfer für den Handball sieht der Bundestrainer sich an mehreren Fronten gefordert. Auch Heuberger kritisiert die hohen Belastungen im Handball. Kürzlich regte er deswegen sogar an, die Bundesliga von 18 auf 16 Vereine zu reduzieren. „Die Liga sollte sich in dieser Hinsicht mal Gedanken machen“, sagte er. Dazu empfindet Heuberger die Champions League im Handball als aufgebläht: „Wenn ich manches Ergebnis sehe, frage ich mich, ob in der Königsklasse wirklich so viele Mannschaften etwas verloren haben.“ Außerdem fordert er, dass in einem Olympiajahr nicht mehr zusätzlich eine WM oder EM stattfinden solle.

          Der „Reformer“ Heuberger ist sich gleichwohl darüber im Klaren, dass für ihn nun im Vordergrund steht, eine Trendwende mit dem eigenen Team herbeizuführen und dessen Ansehen wieder aufzupolieren. Im Moment, behauptete der Bundestrainer am Mittwoch, sei im deutschen Handball eine „gewisse Stagnation“ festzustellen. Erfolge des Nationalteams, davon ist er überzeugt, könnten wieder für einen Schub sorgen. Dafür scheinen derzeit aber weniger Duelle wie gegen Montenegro oder gegen Israel im Kampf um die Teilnahme an der EM 2014 in Dänemark geeignet, auf dem Prüfstand wird Deutschland vielmehr im kommenden Januar bei der Weltmeisterschaft in Spanien stehen.

          Das Turnier gilt zumindest als Möglichkeit zur Imageverbesserung - internationale Meriten, so Heuberger, werde man vermutlich erst „in ein paar Jahren“ wieder erringen können. „Seit ich Bundestrainer bin, sind wir in einer Umbruchphase“, sagt er. Und er betont, „dass uns vieles leichter fallen würde, wenn wir einen Hansen oder einen Filip Jicha hätten“. Das Handball-Nationalteam von heute kann seiner Ansicht nach ausschließlich durch gemeinschaftliche Anstrengungen bestehen. „Es geht nur über das Kollektiv“, sagt Heuberger.

          Mann mit Sorgen: Bundestrainer Heuberger
          Mann mit Sorgen: Bundestrainer Heuberger : Bild: REUTERS

          Er hat zwar vernommen, dass es jetzt auch Michael Kraus, den einstigen Aufsteiger, wieder in den Kreis der Besten drängt. Doch große Hoffnungen kann sich der Hamburger offensichtlich nicht machen. „Er soll mal hinterfragen“, sagt Heuberger, „warum er zuletzt nicht mehr dabei war.“ Er habe jedenfalls „nicht unbedingt Zeit, um mich um ihn zu kümmern“. Ein deutscher Hansen ist Kraus ohnehin nicht. Aber vielleicht findet ja tatsächlich eines Tages Heubergers Mitstreiter Brand einen solchen Mann.

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