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Handball-Nationalmannschaft : Martin Heuberger - der Mann nach Brand

Einst Assistent, nun Nachfolger: Martin Heuberger (rechts) übernimmt von Heiner Brand Bild: dpa

Er soll den deutschen Handball zurück in die Weltspitze führen, als Nachfolger der Handball-Ikone Heiner Brand. Martin Heuberger tritt somit als neuer Bundestrainer ein schweres Erbe an. Seine erste Bewährungsprobe ist im November.

          2 Min.

          Er hatte nicht lange gezögert, als das Angebot kam. „So eine Chance“, sagt Martin Heuberger, „erhält man nur einmal im Leben“. Am Dienstag wurde er als der Mann vorgestellt, der den deutschen Handball zurück in die Weltspitze führen soll, als Nachfolger der Handball-Ikone Heiner Brand. Heuberger tritt somit als neuer Bundestrainer ein schweres Erbe an, vermutlich wird der Gummersbacher Brand noch eine ganze Weile einen langen Schatten werfen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Doch der 47 Jahre alte Südbadener, der mit dem Deutschen Handball-Bund (DHB) einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014 vereinbarte, sagt selbstbewusst, dass er zwar Brands Weg grundsätzlich weitergehen wolle, mit eigenen Ideen allerdings, mit persönlicher Note. Dabei will Heuberger, der sieben Jahre lang Assistent von Brand war, sich jedoch keineswegs scheuen, notfalls Rat einzuholen bei seinem Vorgänger. „Ich kann ihn jederzeit anrufen“, sagt Heuberger, „und ich wäre schlecht beraten, wenn ich es nicht tun würde.“

          Der DHB hat also, ganz nach Brands Geschmack, mit einer deutschen Lösung auf die Demission des Mannes reagiert, der die Nationalmannschaft fast eineinhalb Jahrzehnte betreut hatte. Brand war mit Deutschland Europameister und Weltmeister geworden, er hatte in diesem Jahr jedoch einen Tiefpunkt erlebt mit Platz elf bei der WM in Schweden.

          „Der DHB weiß, was er an mir hat“

          Brand, ohnehin zermürbt von den Auseinandersetzungen mit der Bundesliga, hatte die Freude an seinem Amt verloren, nicht aber am Handball generell; er wird Heuberger nun als Manager in Diensten des DHB begleiten. Neben Heuberger galt zuletzt noch der in Berlin tätige Isländer Dagur Sigurdsson als Kandidat für den Posten als Chefcoach im DHB; Verbandspräsident Ulrich Strombach mochte das aber am Dienstag bei der Präsentation Heubergers in Dortmund nicht bestätigen.

          Heuberger gilt als ruhiger, besonnener, bodenständiger Mann. Er macht jedoch klar, seine Standpunkte deutlich zu vertreten: „Man muss überzeugen können“, sagt er, „mit lauten Tönen erreicht man nichts.“ Heuberger zeigte in den vergangenen Jahren eine sehr geschickte Hand im Umgang mit den deutschen Junioren, er führte sie mehrmals auf den Gipfel, in Europa und bei globalen Titelkämpfen. „Der DHB weiß, was er an mir hat.“ Heuberger wird im Juli mit dem deutschen Junioren-Team auch noch zur WM nach Griechenland reisen; seine erste Bewährungsprobe in neuer Funktion wird der Supercup im November sein.

          Anfang kommenden Jahres, bei der Europameisterschaft in Serbien, winkt dann noch die (kleine) Chance, sich für die Olympia 2012 zu qualifizieren. Eine heikle Aufgabe, Heuberger macht sich da keine Illusionen. „Ich bin nicht blauäugig.“ So oder so aber plant er, mit dem Nationalteam 2015 oder 2016 wieder in den Kreis der Besten vorzudringen. Von seinen Spielern wird Heuberger dabei verlangen, sich dieser Herausforderung mit aller Kraft zu widmen und wieder „eine Siegermentalität“ zu entwickeln. Zuletzt sah er da manche Defizite. Er wird das bestimmt noch ansprechen, nicht polternd, aber sehr eindringlich.

          Handball-Auswahltrainer der Männer:

          01.01.1925 bis 31.12.1933 Carl Schelenz
          01.01.1934 bis 31.12.1939 Otto-Günther Kaundinya
          01.01.1940 bis 31.12.1945 Carl Schelenz
          01.01.1946 bis 30.06.1955 Fritz Fromm
          01.07.1955 bis 30.09.1972 Werner Vick
          01.10.1972 bis 30.06.1974 Horst Käsler
          01.07.1974 bis 20.04.1982 Vlado Stenzel
          21.04.1982 bis 06.03.1987 Simon Schobel
          07.03.1987 bis 28.02.1989 Petre Ivanescu
          01.03.1989 bis 07.08.1992 Horst Bredemeier
          08.08.1992 bis 31.05.1993 Armin Emrich
          01.06.1993 bis 31.12.1996 Arno Ehret
          01.01.1997 bis 30.06.2011 Heiner Brand
          01.07.2011 bis Martin Heuberger

          * Auswahltrainer der DDR wurden in der Liste nicht aufgeführt.

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