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Handball-Nationalmannschaft : Der schnelle Bob

Bob Hanning ist der neue starke Mann im deutschen Handball Bild: dpa

Vizepräsident Bob Hanning gilt als wesentlicher Faktor beim Umbau des Handball-Bundes - was nicht jedem gefällt. Sein Rezept für das Duell mit Polen (16.45 Uhr): Beruhigung. Dabei geht es um die WM-Qualifikation.

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          Nicht selten redet Bob Hanning ohne Punkt und Komma, wie ein gewiefter Vertreter. Das ist er im Prinzip auch: Hanning geriert sich als Chefverkäufer des deutschen Handballs, ungemein umtriebig, extrovertiert, allzeit präsent. „Ich habe“, sagt er, „mein Leben dieser Sportart verschrieben.“ Hanning machte sich als Manager der Füchse Berlin einen Namen, seit dem vergangenen Herbst baut auch der Deutsche Handball-Bund (DHB) auf seine Dienste: Hanning, 46 Jahre alt, gilt als wesentlicher Faktor beim Umbau des größten Handball-Verbandes der Welt. Es gibt eine Menge zu tun, vor allem soll das Image des DHB aufpoliert werden, dessen Nationalmannschaft zuletzt zwei große Turniere verpasst hat. Das Energiebündel Hanning müht sich nach Kräften, allerdings liegt nicht alles in seinen Händen. In diesen Tagen ist in erster Linie das Nationalteam gefordert, es geht an den kommenden beiden Wochenenden um alles oder nichts: zwei Duelle mit Polen, an diesem Samstag (16.45 Uhr/ ARD) in Danzig, eine Woche später in Magdeburg, dabei steht die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2015 in Qatar auf dem Spiel.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Hanning betont deswegen als DHB-Vizepräsident die Verantwortung der Nationalspieler „für unseren Sport“. Er nimmt sie in die Pflicht. Und ist aber auch, nachdem Deutschland weder an Olympia in London noch an der Europameisterschaft in Dänemark teilgenommen hat, Realist genug, einen weiteren Rückschlag nicht auszuschließen. „Das Scheitern ist eingepreist“, sagt Hanning, und seine Worte klingen keineswegs dramatisch. Wohl auch deshalb, weil der Berliner der Überzeugung ist, dass die Deutschen nicht entscheidend zurückgeworfen werden würden durch einen abermaligen Misserfolg. „Wir müssten eine Stufe zurück“, sagt er, und trotzdem: „Die Aktie fällt nicht mehr.“

          Das soll heißen, dass schon einiges getan wurde, um den DHB für die Zukunft zu rüsten, dass das neue Fundament einigermaßen stabil ist. „Wir haben eine Grundstruktur reingekriegt“, behauptet Hanning. Der Haushalt sei konsolidiert worden, und mit Hilfe des neuen Trikotsponsors AOK - Hanning spricht dabei von einer „Traumverbindung“ - soll weitere wirtschaftliche Sicherheit gewonnen werden. „Wir machen es anders“, sagt Hanning als neue Frontfigur des DHB. „Das Geld fließt jetzt da hin, wo es hingehört, in den Verband.“ Das kann ohne weiteres als eine Spitze gegen die frühere Führung des DHB um Präsident Ulrich Strombach verstanden werden. Hanning nennt den neuen DHB-Chef Bernhard Bauer einen „überragenden Präsidenten“, einen Funktionär mit Weitblick - und einen wirkungsvollen Gegenpol zu seiner Person.

          Hanning blickt nicht zurück

          Bauer neigt dazu, die Dinge eher abzuwägen. „Ich bin ein bisschen schneller“, sagt Hanning, „manchmal zu schnell.“ Auf alle Fälle aber, findet er, ein Mann mit klarer Haltung, einer, der strikte Vorgaben erteilt. So sind unter Bauer und Hanning die Tagegelder für Nationalspieler eingefroren worden; sie werden erst wieder verfügbar sein, wenn der Weg nach Qatar frei ist. Das von Hanning entworfene „Deutschland-Buch“ für Nationalspieler, eine Art Knigge, ist fast fertiggestellt; es handelt von Idealen, von Werten, von der Erziehung der Elite. Mit Bundestrainer Martin Heuberger verbinde ihn, wie Hanning sagt, ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. „Er fühlt sich jetzt auch aufgehoben.“ Allerdings muss Heuberger damit rechnen, dass ihn ein Fehlschlag gegen Polen wohl den Job kosten würde.

          Verpatzte Generalprobe: Der Test gegen Norwegen (30:32) ging verloren
          Verpatzte Generalprobe: Der Test gegen Norwegen (30:32) ging verloren : Bild: dpa

          Hanning möchte nicht zurückschauen, nicht mehr die Strombach-Ägide bewerten. Der Berliner, der nach eigener Aussage am liebsten am frühen Morgen mit Jugendlichen trainiert, sagt: „Wenn ich zehn Prozent nach hinten gucke, verliere ich 20 Prozent nach vorne.“ Der Darstellungskünstler plant lieber, werkelt, allem Anschein nach ohne Unterlass, demnächst mit Unterstützung eines Generalsekretärs, den der DHB am 14. Juni in Magdeburg vorstellen will.

          DHB hofft auf Wildcard für Rio

          Muss ja auch weiter kräftig angepackt werden im deutschen Handball, nicht zuletzt bei der Nachwuchsförderung, bei der Ausbildung von Trainern, die Hanning als teilweise „drittklassig“ bezeichnet. Aber: „Vor Arbeit bin ich noch nie weggelaufen.“ Und: „An einer großen Sache mitarbeiten zu dürfen macht mich stolz.“ Dass der deutsche Handball, trotz allem, immer noch eine gewisse Größe besitzt, soll die Tatsache belegen, dass der Internationale Handballverband die Zulassung zu Olympia 2016 in Rio vielleicht durch eine Wildcard ermöglichen wird. Für Hanning läge dies auch am globalen Ansehen der Handball-Bundesliga. „Sie ist die einzige Liga, die richtig funktioniert.“ Füchse, DHB, Hanning überall: Das erzeugt nicht nur Aufbruchstimmung, sondern auch Kritik. Die einflussreiche Doppelfunktion des Berliners missfällt manchem Bundesligaklub. „Das ist nicht fair“, klagt Hanning, „das enttäuscht mich, das verletzt mich.“ Das sollte einer wie er, der auszuteilen versteht, aber aushalten können.

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