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Handball-Nationalmannschaft : Auch der Präsident bringt Brand in Bedrängnis

  • -Aktualisiert am

Brand: „Die Leistung war etwas schockierend” Bild: AP

Für Heiner Brand gibt es bis zur Handball-WM im eigenen Land noch viel zu tun. Der Bundestrainer muß weiter testen und hoffen, daß die Verletzten bald zurückkommen. Brand: „Wir brauchen bedingungslosen Einsatz, wenn wir mithalten wollen.“

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          Zu Beginn der zweiten Halbzeit spielte plötzlich eine deutsche Handball-Nationalmannschaft, die man in dieser Besetzung wahrscheinlich nie mehr sehen wird - und das wäre auch gut so.

          Aus der Stammsieben war niemand mehr dabei, der Gegner aus Dänemark führte bald mit sechs Toren Vorsprung. Vor allem die rechte deutsche Seite mit dem Magdeburger Christian Sprenger und dem Nettelstedter Rolf Hermann war vorn wie hinten überfordert. Die Dänen, ein Team der Weltklasse, hatten ihren Spaß. Bundestrainer Heiner Brand reagierte aber nicht. Er probierte ja gerade den „zweiten Anzug“ aus. Später sagte Brand: „Ich weiß doch nicht, was im Dezember noch alles passiert.“

          „Die Leistung war etwas schockierend“

          Er muß es versuchen mit Profis wie Springer, Hermann und dem Ersatzspielmacher Michael Haaß, weil das Verletzungspech ein treuer Begleiter der Deutschen ist und Brand folglich nicht wissen kann, wer auf dem Parkett steht, wenn es wirklich zählt bei der Weltmeisterschaft in Deutschland in drei Monaten - auch wenn dann Spiele wie am Donnerstag herauskommen: 25:29 verlor Deutschland gegen Dänemark (Siehe auch: Handball: Deutschland unterliegt auch Dänemark).

          Hegemann und Kollegen kommen derzeit nicht voran

          Etwas besser wurde es erst von der 40. Minute an, als Brand die arrivierten Kräfte Pascal Hens, Markus Baur und Torsten Jansen brachte. Die hatten aber vorher auch nicht überzeugt, und so war Brand zum ersten Mal in diesen Tagen sehr unzufrieden mit seiner Mannschaft. „Die Leistung heute war etwas schockierend“, sagte er, „ich weiß nicht, warum wir so aufgetreten sind. Wir brauchen bedingungslosen Einsatz, wenn wir mit den Spitzenteams mithalten wollen.“ Nach der zweiten Niederlage beim dritten Spiel des Acht-Nationen-Turniers namens „Worldcup“ muß Deutschland in die Trostrunde. Am Samstag um elf Uhr ist Griechenland der Gegner im schwedischen Helsingborg; am Sonntag dann könnte es ein Abschlußspiel gegen Spanien geben.

          Zeitz wieder mit an Bord

          In beiden Partien könnte der Kieler Linkshänder Christian Zeitz wieder dabeisein. Zeitz wollte wegen einer Verletzung an der Hüfte eigentlich nicht spielen, doch auf Wunsch des Bundestrainers und der Mannschaft reist er nun doch nach Schweden. „Er soll nicht zehn Tore werfen“, sagte Brand, „aber er soll bei der Mannschaft sein. Zu lange Abwesenheit ist nicht gut.“ Die Personalie Zeitz zeigt, daß trotz aller zur Schau gestellten Leichtigkeit und Sorglosigkeit rund um das Nationalteam die Zeit drängt und sich das Team rasch finden muß.

          Schon nach der Niederlage gegen Kroatien am Mittwoch in Hannover hatte Brand gesagt, daß die Konkurrenz über die größere individuelle Klasse verfüge. Da hatte Deutschland als Einheit überzeugt und den Olympiasieger am Rande einer Niederlage. Gegen Dänemark wurde überdeutlich, daß das große Ziel nur erreicht werden kann, wenn alle Spieler an ihre Grenzen gehen. In der Mannschaft überwog trotz der Niederlagen die Zuversicht - wenn man auch überall heraushören konnte, daß sich diese deutsche Auswahl noch ein gutes Stück von den führenden Nationen entfernt sieht (das ist ja auch die Realität seit der Silbermedaille von Athen 2004). „Es ist doch nur ein Vorbereitungsturnier“, sagte Torwart Johannes Bitter, „wir haben uns einigermaßen teuer verkauft und nicht blamiert. Ich mache mir keine Sorgen.“

          „Noch genug Zeit, uns einzuspielen“

          Kapitän Markus Baur sagte: „Wichtig war, daß wir auch bei hohen Rückständen nicht aufgeben. Es hätte gegen Dänemark auch eine Klatsche geben können.“ Gegen die Skandinavier hatte Brand ohne den verletzten Abwehrchef Oliver Roggisch eine offensive Deckung ausprobiert. Das funktionierte nicht. Kapitän Baur sagte: „Es war immer so, daß wir vor großen Turnieren Abstimmungsprobleme in der Abwehr hatten. Aber wir haben noch genug Zeit, uns einzuspielen.“

          Mitte der Woche hatte Ulrich Strombach, der Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), noch vollmundig behauptet, die WM könne morgen beginnen und damit den Bundestrainer in Bedrängnis gebracht. Denn Brand braucht die 84 Tage bis zum Start gegen Brasilien in Berlin dringend. Er muß weiter trainieren, testen und hoffen, daß die Verletzten bald zurückkommen. Nicht einmal das deutsche Tor macht ihn froh: weder Henning Fritz noch Johannes Bitter ragten heraus. Sie bekommen in den Klubs nicht genug Spielanteile. „Ich bin unglücklich mit ihrer Situation“, sagt Brand, „sie müssen sich durchkämpfen in den Vereinen.“

          Es ist immer wieder beeindruckend, wie der Bundestrainer sich vor seine Spieler stellt. Obwohl das, was am Donnerstag zeitweise für Deutschland auflief, ohne Respektlosigkeit als zusammengewürfelter Haufen bezeichnet werden kann, sagte Brand nur milde: „Es war zu erwarten, daß es nach den vielen Absagen Unterschiede in der Leistungsstärke der nominierten Spieler geben würde.“ Brand muß ja vorsichtig sein, niemand weiß, was bis zum 19. Januar noch so alles passiert.

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