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Handball : Millionenschwerer Fehlstarter

  • -Aktualisiert am

Keine Chance: HSV-Spieler Blazenko Lackovic (l.) schaut Koldings Muhamed Toromanovic bei der Niederlage zu Bild: dapd

Krise beim finanzstarken HSV Hamburg: Der Klub steht nach der Niederlage in Kolding früh unter Druck. Das 30:32 war die zweite Niederlage in der im Champions League nacheinander.

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          Schon früh in der Saison ist es ziemlich ungemütlich geworden beim HSV Handball. Eigentlich sind Partien wie die am Samstag in Kolding ja bessere Ausflugsfahrten für die Hamburger: eine vergleichsweise kurze Reise, ein nettes Städtchen, ein interessanter Gegner mit sachkundigen Zuschauern – ideale Voraussetzungen, um das zweite Auswärtsspiel der diesjährigen Champions-League-Kampagne mit überschaubarem Aufwand zu gewinnen. Doch irgendwie schien die Ausfahrt nach Jütland die Profis des HSV eingeschläfert zu haben: Nach gutem Beginn verlor die Mannschaft von Trainer Martin Schwalb am Samstag 30:32 in Kolding und steht nach der zweiten Auswärtsniederlage nun plötzlich schlecht da in der Gruppe B.

          Kolding IF hat einige namhafte Spieler im Kader, so ist der ehemalige Flensburger Lars Christiansen über die Grenze zu KIF gewechselt. Doch mit nur einem Sieg aus sechs Spielen ist die überalterte Mannschaft ganz schwach in die dänische Liga gestartet. Auch deswegen feierte man den Sieg gegen den HSV in den dänischen Zeitungen als eine „Sensation“.

          Der Geldgeber will unbedingt einen Titel

          Von einer Krise wollte beim HSV nach der dritten Saisonniederlage noch niemand sprechen. Doch nach den Misserfolgen in der Bundesliga bei FA Göppingen (siehe: Handball: Ergebnisse und Tabellen) und in der kontinentalen Meisterklasse vor einer Woche in Veszprem und nun in Kolding ist der Druck auf Trainer und Mannschaft schon sechs Wochen nach Saisonstart wieder enorm. Plötzlich bekommt das Spitzenspiel gegen Tabellenführer Füchse Berlin am Mittwoch eine neue Dimension – bei einer Niederlage dürfte es die ersten offenen Diskussionen um Martin Schwalb geben.

          Der Trainer wechselt ja im nächsten Sommer ins Management. Auch deswegen darf er sich auf seinem Posten sicher fühlen. Doch beim HSV stellt sich jederzeit die Frage, wie der unberechenbare Präsident und Geldgeber Andreas Rudolph reagiert. Er will in seinem letzten Jahr als Verantwortlicher unbedingt einen Titel gewinnen mit dieser Mannschaft, die die teuerste und am besten besetzte der jungen Vereinsgeschichte ist.

          Noch ist nichts verloren

          Mit solchen Abwehrschwächen wie am Samstag wird das nicht gelingen. Und da war auch wieder etwas, was Schwalb dem HSV doch ausgetrieben zu haben schien: eine gewisse Lässigkeit vermeintlich Schwächeren gegenüber, eine Spur Herablassung. 15:12 führten die Hamburger kurz vor der Pause, danach verloren sie Linie und Leichtigkeit und scheiterten immer wieder am norwegischen Torwart der Dänen, Ole Erevik. Ohne noch einmal zu zittern, kam Kolding zum dritten Erfolg in der Champions League. Schwalb sagte: „Wir haben den Sieg leichtfertig aus der Hand gegeben.“ Sicher, der HSV hat Verletzungssorgen, spielte die zweite Halbzeit ohne Linkshänder im rechten Rückraum, und Kolding erwischte einen „Sahnetag“ – doch bei der Ausgeglichenheit des HSV-Kaders müssen auch solche Spiele gewonnen werden.

          Noch ist nichts verloren für den HSV; vier der sechs Gruppenstarter kommen ins Achtelfinale. Dort könnte dann allerdings ein schwererer Gegner warten als eingeplant. Erst einmal werden Schwalb und seine Mannschaft nur auf den Mittwoch schauen. Genügend Brisanz hat das Spitzenspiel: Vor ein paar Tagen hat der ehemalige HSV- und jetzige Füchse-Manager Bob Hanning gesagt, mit diesem Kader müsse der HSV endlich mal einen großen Titel holen. Das hat Schwalb gar nicht gern gehört und verweigerte daraufhin einen positiven Kommentar zum Überraschungs-Tabellenführer aus der Hauptstadt. Vielleicht ist eine hitzige Partie gegen einen Emporkömmling genau das Richtige, was der millionenschwere Fehlstarter jetzt braucht.

          Flensburg siegt

          Mag das vielbeachtete Spiel auch am Mittwoch in Hamburg stattfinden (siehe: FAZ.NET-Handball-Bundesliga-Liveticker), der erste Saisonhöhepunkt aus Flensburger Sicht wird am selben Abend in der Campushalle ausgetragen – gegen Kiel. Die Pflichtübung vor der erhofften Gala bestanden die Flensburger am Samstagabend souverän: das 35:23 in der Champions-League-Gruppe D bei Bosna Sarajevo fiel höher aus als erwartet. Vor allem die dänischen Außenspieler Anders Eggert und Lasse Svan Hansen überzeugten mit ihren zusammen 17 Toren – den Vertrag mit dem unscheinbaren Hansen hat die SG gerade um fünf Jahre verlängert; seitdem trifft der Rechtsaußen nach Belieben.

          In der ausgeglichenen Staffel mit dem turmhohen Favoriten Ciudad Real haben die Flensburger mit nun zwei Siegen und einer Niederlage beste Chancen, hinter den Spaniern ins Achtelfinale zu kommen. Mal sehen, ob der Rückenwind aus Bosnien ausreicht, um es dem THW am Mittwoch etwas schwerer zu machen als in den letzten Schleswig-Holstein-Derbys.

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