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SG Flensburg-Handewitt : Beim Meister stimmt es vorne und hinten nicht

  • -Aktualisiert am

„Wir ziehen das Pech an“, sagt der Flensburger Trainer Maik Machulla. Bild: dpa

Zweimal wurde die SG Flensburg-Handewitt deutscher Handball-Meister. Doch derzeit steht der Klub schlecht da. Die Misere hat gleich mehrere Gründe. Nun richtet sich der Blick auf den Trainer.

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          Knapp anderthalb traumhafte Jahre liegen hinter ihm. Von Februar 2018 bis Juni 2019 wurde vieles zu Gold, was Maik Machulla anfasste. Zweimal deutscher Meister mit der SG Flensburg-Handewitt: einmal glücklich, nach beinahe aussichtsloser Lage. Einmal als Start-Ziel-Sieg, wie ein echter Champion. Wer den ersten Titel 2018 noch der späten Schwäche der Rhein-Neckar Löwen zuschrieb, musste im Juni anerkennen, dass eine Mannschaft die Konkurrenz im Zenit ihres Könnens düpiert hatte. Trainer Machulla nahm das Lob für seine Arbeit gern an, aber ein Satz gehörte immer dazu: „Wir dürfen hier in Flensburg nicht so naiv sein zu glauben, es gehe immer so weiter.“

          Eine realistische Einschätzung. Derzeit steht die SG tatsächlich schlecht da. Schon das 27:34 in der Champions League gegen den FC Barcelona am vergangenen Samstagabend folgte ein 23:23 beim Abstiegskandidaten TVB Stuttgart. Solch einen Ausrutscher hatte sich Machullas Team lange nicht mehr geleistet. Rechnet man die unerwartete Niederlage in Aalborg und das Pokal-Aus gegen Hannover hinzu, kommt mehr zusammen als eine bloße Schwächephase: Es stimmt vorne und hinten nicht beim deutschen Meister, der derzeit in der Bundesliga auf Platz drei steht.

          „Wir ziehen das Pech an“, sagt Machulla. Das bezieht er auf Verletzungen, von denen Flensburg zuletzt über lange Zeit verschont geblieben war. Erst die schmerzende Schulter Holger Glandorfs. Dann die Achillessehne von Linksaußen Hampus Wanne. In Aalborg verletzte sich Abwehrchef Simon Hald schwer am Knie. Und am Samstag fiel Spielmacher Göran Johannessen aus. So misslich ist die Lage, dass Flensburg zwei Spieler aus laufenden Verträgen anderswo herholte: Jacob Heinl und Marvin Lier. Die Vorfreude auf das Duell mit Paris Saint-Germain an diesem Mittwoch (19.00 Uhr bei Sky) ist gedämpft. Die Flensburger spielen weder vorne noch hinten auf ihrem gewohnten Niveau. Das hat nicht nur mit Verletzungen zu tun. Sondern auch mit Abgängen. „Tobias Karlsson und Rasmus Lauge werden uns die ganze Saison fehlen, in kritischen Situationen, in denen du Verantwortung und Erfahrung brauchst“, hatte Machulla gesagt.

          Genauso ist es. Karlsson hielt die Abwehr zusammen. Lauge lenkte die Angriffe. Ohne diese beiden Säulen wirkt das Gebilde wacklig, und auch die Leblosigkeit der Mannschaft ist durch Karlssons und Lauges Fehlen zu erklären. Beide tobten und brüllten auch mal, animierten die Zuschauer. Derzeit wirkt jeder Profi, als habe er vor allem mit sich selbst zu tun. Zudem haben sich die Gegner auf die gepflegte Flensburger Art der Ballverteilung eingestellt: Die Halbverteidiger rücken weit heraus und nehmen die Rückraumwerfer aus dem Spiel. Dem jeweiligen Regisseur, Jim Gottfridsson oder Johannesen, bleiben dann nur Kreisanspiel oder Einzelaktion.

          In Flensburg schätzen sie die Lage realistisch ein. Dass der THW Kiel nach Jahren des Misserfolges wieder eine Meistermannschaft zu haben scheint, war zu erwarten. Trotzdem schmerzen Niederlagen wie in Aalborg oder gegen Hannover, weil Grundtugenden verschüttet waren. Zu allem Unglück hat Machullas Mannschaft eine schwache Quote vom Siebenmeter-Punkt, seit Stammwerfer Wanne verletzt ist. „Wir sind in einer schwierigen Situation, „dürfen aber nicht in Panik geraten“, sagt SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Natürlich hatten sie in Flensburg insgeheim gedacht, es ginge so weiter. Sie hofften, dass Hald und Gottfridsson einfach die Chefrollen von Karlssons und Lauges übernehmen würden. Doch so einfach ist das nicht. Nun richtet sich der Blick auf den Trainer: Kann er das Potential von Simon Jeppson ausschöpfen? Welche Rolle ist dem erfahrenen Zugang Michal Jurecki zugedacht? Kriegt er das Team wieder in den Kampf-Modus? Doch Machulla bleibt ruhig: „Mein Vertrauen in die Jungs ist riesengroß. Wir kriegen das auch in dieser Konstellation hin.“

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