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Handball : Magdeburg packt den Stier bei den Hörnern

  • Aktualisiert am

Holten den Pokal: Torwart Heinevetter (l) und Mitspieler Theuerkauf Bild: dpa

Mit 31:28 hat der SC Magdeburg das Final-Rückspiel im EHF-Pokal gegen den spanischen Vertreter BM Aragon gewonnen und sicherte sich nach dem 30:30 im Hinspiel seinen neunten internationalen Handball-Titel. „Wir werden zwei Tage durchtrinken“ kündigte Oliver Roggisch an.

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          Die Handballer des SC Magdeburg haben zum dritten Mal nach 1999 und 2001 den EHF-Cup gewonnen. Stürmisch gefeiert von den 8000 Fans in der ausverkauften Bördelandhalle genossen die Spieler von Erfolgscoach Bogdan Wenta noch Minuten nach dem erst in der Schlussphase sichergestellten 31:28 (11:10)-Rückspielsieg gegen den spanischen Vertreter BM Aragon den Triumph.

          „Wir können stolz auf uns sein und werden jetzt erstmal ein paar Tage feiern. Dann werden wir uns wieder auf die Meisterschaft konzentrieren“, sagte Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar: „Wir haben lange gewartet die letzten Jahren. Das war so ziemlich der einzige Titel, der möglich war für uns. Ich muss mich jetzt richtig freuen und es auskosten, denn in absehbarer Zeit wird dies wohl nicht mehr möglich sein“. Weltmeister Oliver Roggisch meinte: „Wir werden zwei Tage durchtrinken, danach wollen wir noch den Champions- League-Platz holen. Alle haben sich für diesen Titel den Arsch aufgerissen.“

          Ersatztorwart Heinevetter als Matchwinner

          Eine Woche nach dem Remis (30:30) im Hinspiel in Saragossa besiegelten Grzegorz Tkaczyk (6), Karol Bielecki, Bartosz Jurecki (beide 5) und Joel Abati (5/1) als beste Werfer den Coup der Magdeburger, die sich in der ersten Hälfte etliche Aussetzer geleistet hatten. Nach einem geglückten Start (3:1/8.) offenbarte der derzeitige Bundesliga-Dritte vor allen Dingen Schwächen im Abschluss. Allein 14 Fehlwürfe, darunter ein vergebener Siebenmeter von Abati, schlugen bis zum Pausenpfiff zu Buche. Besonders Fabian van Olphen zeigte zunächst Nerven und wenig Zielgenauigkeit.

          Umschwärmt von allen Magdeburger Männern: der EHF-Pokal
          Umschwärmt von allen Magdeburger Männern: der EHF-Pokal : Bild: dpa

          Nur Torhüter Silvio Heinevetter war es zu verdanken, dass Aragón nach einer 8:5-Führung (20.) nicht noch weiter davon zog. Heinevetter, der den Vorzug gegenüber Nationalkeeper Johannes Bitter bekommen hatte, zeichnete sich in der ersten Halbzeit mit zehn Paraden (darunter ein Siebenmeter) aus und war dadurch einer der Matchwinner.

          „Davon habe ich mein ganzes Leben geträumt“

          Beim 21:17 (44.) konnten sich die Magdeburger erstmals mit vier Toren absetzen, verpassten es anschließend durch eigene Unzulänglichkeiten aber, frühzeitig sich abzusetzen (22:21/50.). Die Entscheidung fiel erst in der Schlussphase, als die Gastgeber in zwei Minuten von 27:26 (57.) auf 30:26 (59.) davonzogen. Yves Grafenhorst und Christian Sprenger zeigten sich in dieser Phase besonders bei Tempogegenstößen nervenstark.

          „Davon habe ich mein ganzes Leben geträumt. Ich war früher Fan und habe selbst auf dem Balkon zugejubelt. Jetzt kann ich das alles selber mitmachen“, sagte Christoph Theuerkauf. Der überragende Heinevetter stellte fest: „Wir haben als Mannschaft gewonnen.“

          Neunter europäischer Titel der Vereinsgeschichte

          Die Magdeburger holten den EHF-Pokal zum insgesamt 13. Mal seit 1982 nach Deutschland und traten die Nachfolge des TBV Lemgo an, der den Wettbewerb im vergangenen Jahr gewonnen hatte. Mit dem Sieg gegen die Spanier hat sich für die Magdeburger das Desaster vom 7. Mai 2005 - damals verlor der SCM gegen TuSEM Essen nach einem 30:22-Hinspielsieg in letzter Sekunde noch den Titel (22:31) - nicht wiederholt. Der Champions-League-Sieger von 2002 feierte den neunten internationalen Titel seiner Vereinsgeschichte. Auf europäischer Bühne ist nur noch der deutsche Rekordmeister VfL Gummersbach mit zehn Siegen erfolgreicher.

          Unterdessen plant Magdeburg personell bereits für die kommende Saison. Als Ersatz für den abwandernden Nationalkeeper Bitter (HSV Hamburg) verpflichtete Magdeburg den norwegischen Auswahltorhüter Ole Erevik. Der 26 Jahre alte Skandinavier, der vom spanischen Klub Deportivo Bidasoa Irun wechselt, unterschrieb einen Zweijahresvertrag bis 2009. Erevik ist nach dem griechischen Nationalspieler Alexandros Vasilakis und Damien Kabengele der dritte Zugang für die neue Saison.

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