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Handball : Iker Romeros Gewinner-Gen

Iker Romero: Weltstar in Berlin Bild: dapd

Ein Weltstar in der Berliner Handball-Diaspora: Der Spanier Iker Romero soll die Berliner Füchse weiter nach oben führen - auch am Dienstag im Pokalderby in Potsdam.

          3 Min.

          Den Start der Berliner Füchse in die Handball-Bundesliga kann man einen Traumstart nennen. Nach drei Spieltagen steht die Mannschaft an der Spitze der Tabelle, sie hat alle Partien gewonnen und dabei auch den deutschen Meister HSV Hamburg besiegt. Für die Berliner ist eine solch herausragende Stellung ein bisschen ungewohnt. Aber Iker Romero, der neue spanische Star in der deutschen Hauptstadt, muss schon sehr lange zurückdenken, wann das für ihn einmal anders war. Der 31 Jahre alte Rückraumspieler hat in den vergangenen Jahren in Spanien mit drei verschiedenen Klubs zehn Titel gewonnen, dreimal die Meisterschaft, zweimal den Copa del Rey, zweimal den spanischen Supercup, den europäischen Supercup und zweimal die Champions League. In jedem Jahr holte Romero, der Handball-Weltmeister von 2005, mindestens eine Trophäe.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Er weiß, wie man gewinnt und wie Erfolg funktioniert“, sagt Füchse-Manager Bob Hanning, „das ist das Thema, das wir ihm an die Hand gegeben haben.“ Am vergangenen Sonntag, beim packenden 26:25-Sieg gegen den deutschen Meister Hamburg, hatten auch die Füchse verstanden, wie man gewinnt. Kapitän Torsten Laen sagte nach dem Erfolg: „Wir wissen jetzt, dass wir alle schlagen können.“ Das Gewinner-Gen, das Romero ganz neu mit nach Berlin zum Vorjahresdritten gebracht hat, ist auch der Konkurrenz nicht entgangen. „Ein Iker Romero will immer oben mitspielen, das ist die Philosophie, die er mitbringt von seinen bisherigen Vereinen“, sagte HSV-Meistertrainer Martin Schwalb nach der Niederlage. Den Abstand zu Kiel und Hamburg, fand Bundestrainer Martin Heuberger, hätten die Berliner in diesem Jahr durch ihre Transfers nochmals verkürzt.

          Iker Romero spürte bei seinem Heimdebüt, dass sein Wechsel vom FC Barcelona nach Berlin keine schlechte Entscheidung war. Mehr als 8000 Zuschauer waren in die Max-Schmeling-Halle gekommen und bereiteten Romero einen stürmischen Empfang. „Da habe ich richtig Gänsehaut bekommen, weil das Publikum so laut geklatscht hat. Das war klasse“, sagte er. In Spanien hatte er zuletzt mit Barcelona zwar alle Titel gewonnen, aber in der Meisterschaft spielten sie selten vor mehr als ein paar hundert Zuschauern, und als die Katalanen seinen Vertrag im Frühjahr nicht mehr verlängern wollten, war für Romero klar, dass er in die Bundesliga wechseln würde, in die beste Liga der Welt mit Stimmung in den Hallen. „Wahnsinn, wie begeistert die Leute hier sind. Aber um das zu erleben, bin ich ja nach Deutschland gekommen“, sagte er nach seiner Berliner Premiere.

          Romero gilt bei den Füchsen „als Mann für die besonderen Momente“, wie Manager Hanning sagt. Oft bleibt er auf der Bank, aber dann soll er die Partie in eine erfolgreiche Richtung lenken. Der Spanier hat in den ersten drei Begegnungen nur sechs Treffer erzielt, aber seine Fähigkeit, die Zeichen auf Sieg zu stellen, erhofft sich Hanning „am Dienstag im Pokal gegen Potsdam genauso wie danach in der Bundesliga gegen Wetzlar oder in der Champions League gegen Atlético Madrid“.

          Iker Romero ist der Mann für besondere Momente
          Iker Romero ist der Mann für besondere Momente : Bild: dpa

          Der Mann für die besonderen Momente indes gibt sich bescheiden. Er sei nicht zu den Füchsen gekommen, um irgendjemandem den Platz streitig zu machen, sondern vor allem, um der Mannschaft in der Champions League mit seiner Erfahrung zu helfen. „Und da ist es ganz egal, ob der Trainer mich für die ersten zwanzig oder die letzten fünfzehn Minuten braucht - oder ob ich von der Bank helfe.“ Beim FC Barcelona sei er auch in den vergangenen zwei, drei Jahren wie ein Mentor für die jüngeren, unerfahrenen Spieler gewesen. In Berlin trainiert Romero auch die A-Jugend des Klubs, zweimal hat er das schon gemacht.

          Die enge Verzahnung der Profis mit der Nachwuchsarbeit ist Teil des Berliner Konzepts, und das hat Hanning („die Champions League ist für uns nicht so wichtig wie die Jugendarbeit, die ist existentiell“) auch Romero bei den Verhandlungen gesagt. Er sagte ihm auch, dass sie in Berlin nicht so viel zahlen könnten wie in Barcelona und auch nicht wie in Kiel, Hamburg oder bei den Rhein-Neckar-Löwen. Aber all das machte Romero nichts aus. Ihm gefiel der Klub, da hatte er sich bei ehemaligen Kollegen informiert, und er mochte die Stadt. Romero unterschrieb für drei Jahre. Als er zur Mannschaft kam, fragte er, wo er sich beim Mittagessen hinsetzen dürfe, und als er den Fans vorgestellt wurde, nahm er sich das Mikrofon und sagte auf Deutsch: „Hallo, ich bin Iker. Ich komme aus Barcelona, Spanien.“ Die Zuschauer haben ihn ins Herz geschlossen.

          Als Romero mit der A-Jugend Rückraumtraining machte, waren die Jungs begeistert. Das war nicht überraschend, aber auch Romero fand das toll. Er hat Kindermannschaften trainiert, seit er siebzehn ist. In all seinen vier bisherigen Klubs hat er mit Kindern gearbeitet, auch in Barcelona, bis ihm sein Trainer das vor zwei Jahren untersagte. Romero hat das nicht verstanden. „Es ist etwas völlig anderes, mit Kindern zu arbeiten als mit Erwachsenen“, sagt er, „Profis sind oft so egozentrisch. Kinder dagegen gehen total in der Sache auf.“

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