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Handball-Bundesliga : Die Not wird größer

  • -Aktualisiert am

So wird es erst mal nicht mehr: Handball in vollem Haus. Bild: dpa

Die Handball-Bundesliga hofft auf einen Start im Oktober – mit Fans. Ohne Zuschauer können die Vereine kaum überleben. Doch noch ist keine einzige Halle tauglich im Sinne des neuen Hygienekonzepts.

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          Vom Saisonstart noch im September hat sich die Handball-Bundesliga (HBL) verabschiedet; nun geht es darum, wann und vor wie vielen Zuschauern die Saison 2020/21 beginnen kann. Dabei sind mutige Vorschläge gefragt. „Wir werden mit einem Konzept an den Start gehen, das eine Kapazität von 50 Prozent Auslastung in den Hallen beinhaltet“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Freitag.

          Maximal zwei bis drei Spiele ohne Zuschauer könnten sich die 38 Profi-Vereine leisten, sagte er: „Wir brauchen Zuschauer, sonst können wir Profihandball in der jetzigen Form nicht bezahlen.“ Deswegen setzt er genau wie alle Vereinsvertreter auf einen Saisonbeginn mit Fans. Im Gespräch für den Start ist Anfang Oktober. Bohmann sagte: „Wie in jeder anderen Branche auch müssen wir auf der Basis eines ausgeklügelten Hygienekonzepts einen Versuch machen dürfen. Diese Chance brauchen wir. Sollte dann etwas nicht passen, können wir nachsteuern und die Zuschauerzahl gegebenenfalls entsprechend reduzieren.“

          Zuletzt waren die Ansprüche der Vereine an die HBL gestiegen, was zeitnahe Entscheidungen betraf. Klubs wie der SC Magdeburg oder die SG Flensburg-Handewitt hatten sich schnelle und couragierte Beschlüsse vom Ligaverband gewünscht beziehungsweise gefordert. „Wir müssen unseren Job wieder machen dürfen“, hatte der Flensburger Trainer Maik Machulla gesagt. Das bestätigte Bohmann: „Der Druck wird größer, weil die Not größer wird. Die Vereine sehen jetzt genauer, wo es ihnen an Einnahmen fehlt.“

          Der Handball ruht: wann er wieder aufgenommen kann, ist unklar.

          Mit den Hilfsmitteln Registrierung und Nachverfolgung hofft man im Handball auf einen Neubeginn mit Publikum. Zuletzt gab es ermutigende Hinweise aus der Politik, dass es Ausnahmen vom Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober geben könne. Hier scheint es in den einzelnen Bundesländern jedoch unterschiedliche Herangehensweisen zu geben. Das derzeit von diversen Arbeitsgruppen aus Frauen- und Männerhandball ausgearbeitete Hygiene- und Betriebskonzept soll den Vereinen demnächst an die Hand gegeben werden. HBL und der Deutsche Handballbund (DHB) haben eng zusammengearbeitet. Wann die nächste Spielzeit genau beginnen wird, soll am Dienstag vom Präsidium der HBL beschlossen werden.

          Dass es eine Spielzeit mit Härten und Ungerechtigkeiten gerade für die Europapokalteilnehmer geben wird, scheint allen Beteiligten klar. Reise- und belastungstechnisch sinnvolle Doppel-Spieltage mit zwei Auswärtsauftritten der Nordklubs im Süden und anders herum werde es nicht geben können, sagte Bohmann. Das ließen schon allein die Hallenbuchungen nicht zu.

          „Extreme Termindichte“ zu erwarten

          Da die Champions League schon im September beginnen will und es sehr wahrscheinlich Länderspiele im November und Januar sowie dann die Weltmeisterschaft in Ägypten geben werde, entstünde eine „extreme Termindichte“, sagte Bohmann. Auch will die HBL ihr Hamburger Pokal-Final-Four nachholen, wie auch die EHF ihre Champions-League-Endrunde in Köln. Und da sind mögliche Corona-Ansteckungsfälle in den Teams noch gar nicht eingepreist.

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          Moderne Belüftungssysteme, andere Zuwege, herausgelöste Platzreihen, die Tracing-App: auf die Vereine kommt auch bezüglich ihrer Heimspielorte einiges zu. Da muss genau ausgerechnet werden, was die coronataugliche Umrüstung der Hallen kostet und wie viele Zuschauer möglich und sinnvoll seien. Klar ist, dass keine einzige Halle – Stand heute – schon so weit wäre, im Rahmen des neuen Hygienekonzepts eine taugliche Arena zu sein.

          Wenn klar ist, wann wieder begonnen werden darf, werden besonders die Trainer im Mittelpunkt stehen. Nach monatelanger Pause, was das Mannschaftstraining betrifft, werden sie ihre Spieler sehr langsam an den Handball als Wettkampfsport heranführen müssen. „Das wird einen Touch von Kinderhandball haben“, sagte Machulla dem „Flensburger Tageblatt“. Bislang fühlten sich auch einige Klubs ungerecht behandelt, weil in den Bundesländern unterschiedlich große Trainingsgruppen zugelassen waren. Das dürfte bald angepasst werden.

          Es gibt zahlreiche lose Enden im Projekt Neustart der Handball-Bundesliga. Und bei aller Zuversicht ist längst klar, dass es den perfekten Wiederbeginn nicht geben kann. Höchstens einen Kompromiss.

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