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Kritik nach Prokop-Entlassung : „Ich schäme mich für unseren Verband“

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Nicht länger deutscher Handball-Nationaltrainer: Christian Prokop, hier bei der EM Anfang Januar Bild: dpa

Die überraschende Trennung von Handball-Bundestrainer Prokop bringt dem deutschen Verband teilweise heftige Kritik ein. Auch der Rücktritt eines Spitzenfunktionärs wird gefordert.

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          Manager Karsten Günther von Christian Prokops früherem Verein DHfK Leipzig hat den Deutschen Handballbund nach der Trennung vom früheren Bundestrainer scharf kritisiert. „Ich bin geschockt und habe keine Veranlassung dafür gesehen“, sagte Günther der „Leipziger Volkszeitung“ (Freitag). „Ich schäme mich für unseren Verband, er gibt gerade ein erbärmliches Bild ab.“

          Noch während der vergangenen Europameisterschaft hatte DHB-Sportvorstand Axel Kromer dem früheren Leipziger Coach Prokop das Vertrauen ausgesprochen. „Scheinbar dominiert beim DHB das ehrenamtliche Präsidium viel zu sehr und die Hauptamtlichen haben nichts mehr zu sagen“, sagte Günther. „Ich wünsche Christian viel Kraft, das hat er nicht verdient.“

          Vor seiner Berufung zum Bundestrainer war Prokop vier Jahre lang als Trainer beim heutigen Bundesligateam Leipzig tätig. „Als Freund und Gast ist er bei uns immer willkommen“, sagte Manager Günther über seinen früheren Weggefährten Prokop. „Aber der Trainerposten ist bei uns mit André Haber hervorragend besetzt und das wird auch definitiv so bleiben.“

          Der ehemalige Weltmeister Christian Schwarzer hat derweil nach dem Aus von Prokop den Rücktritt von Vizepräsident Bob Hanning gefordert. „Vielleicht müsste nicht nur der Trainer gehen, sondern auch derjenige, der ihn installiert hat“, schrieb der 50-Jährige in seiner Kolumne bei „sport1.de“. „Ein Scheitern von Prokop ist nach meiner persönlichen Meinung einhergehend mit dem Scheitern von Hanning. Für mich hängt das eine mit dem anderen ganz eng zusammen.“

          Hanning hatte 2017 Prokop gegen eine Ablösesumme vom SC DHfK Leipzig als Nachfolger von Dagur Sigurdssson zur Nationalmannschaft geholt.  „War es damals die richtige Entscheidung, so einen jungen Trainer mit den ganzen Begleitumständen wie der Ablösesumme zu verpflichten – oder hätte man einen international erfahrenen Trainer, wie es sein Vorgänger Dagur Sigurdsson war, nehmen sollen?“, fragte Schwarzer.

          Elf Tage nach dem fünften Platz bei der Europameisterschaft hatte der DHB am Donnerstag überraschend die Trennung von Prokop verkündet. Der ehemalige Kieler Erfolgscoach Alfred Gislason (60) wird an diesem Freitagvormittag in Hannover als Nachfolger vorgestellt.

          Noch bei der EM hatte die DHB-Führung dem 41-jährigen Prokop das Vertrauen ausgesprochen. „In anderthalb Wochen hat der DHB seine Meinung also um 180 Grad geändert – und macht sich damit lächerlich“, sagte Schwarzer. Für Prokop sei das schade. So gehe man nicht mit Menschen um. „Aber eigentlich passt es auch ziemlich genau in das Persönlichkeitsbild des DHB-Vizepräsidenten“, sagte der ehemalige Kreisläufer mit Blick auf Hanning. „Es sollten sich andere Personen überlegen, ob sie an der jeweiligen Stelle noch so richtig sind.“

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