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Handball : Härtetest für Pommes

  • -Aktualisiert am

Ein Mann, ein Wurf - Pascal Hens Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Viel Kritiker hatten ihn längst abgeschrieben. Doch der Hamburger Pascal Hens soll das neue Gesicht des deutschen Handballs werden - endlich.

          3 Min.

          Fast zehn Kilogramm hat Pascal Hens zugenommen, seit er 2003 als "Dürrknüppel" nach Hamburg kam, wie er in bestem Mainzer Dialekt sagt. "Ich bin am ganzen Körper stabiler geworden", sagt er, "das mußte sein. Ich bin ja früher nur geflogen." Auf dem Parkett, meint Hens, wenn der Gegner beherzt zugriff.

          Pascal Hens hat schwere Zeiten hinter sich. Auf dem Weg, den Platz als bekanntester deutscher Handballer nach Stefan Kretzschmar einzunehmen, ist er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden. "Ich habe mich nie anfällig gefühlt", sagt Hens, Spitzname Pommes, "es waren ja Unfälle. Ich habe auch nie an mir gezweifelt." Er verweist darauf, in seiner ganzen Jugendlaufbahn nicht versehrt gewesen zu sein.

          Die Seuchenzeit ist vorbei

          Doch die vergangenen 20 Monate sind für Hens eine Seuchenzeit gewesen: Im Februar 2004 brach er sich im Bundesligaspiel bei Wallau die rechte Mittelhand. Pause bis Ende April. Im August 2004 bei den Olympischen Spielen sprang das Kreuzbein heraus, drei Monate Pause. Im Januar 2005 dann folgte bei der WM in Tunesien ein Muskelfaserriß in der Wade, fünf Wochen Pause. Gerade wieder fit, rissen Ende März 2005 die Bänder im linken Knöchel, als der Franzose Narcisse in einem Testspiel auf seinen linken Fuß fiel. Eine Knochenabsplitterung kam hinzu.

          Schon jetzt zittert der ohnehin gebeutelte Bundestrainer Heiner Brand, Hens möge die Testspiele gegen Slowenien heil überstehen. Das erste verlor Deutschland am Freitag 30:31, das zweite steht an diesem Sonntag an. Hens ist eine der wenigen Trumpfkarten, die Brand für die Europameisterschaft im Januar in der Schweiz geblieben sind, nachdem am Dienstag auch noch der Kapitän Daniel Stephan seinen Rücktritt erklärte.

          Ständig Unruhe im Verein

          Viele Kritiker hatten Pascal Hens in der jüngeren Vergangenheit schon abgeschrieben - zu zerbrechlich. Er selbst hat das nie getan. Ohne Therapeuten oder Mentaltrainer kämpfte er sich immer wieder heran, mit Hilfe seiner Freundin und der Familie. Die laufende Spielzeit 2005/2006 ist nun der Härtetest für Pascal Hens. Die Fragen lauten: Kann dieser Spieler mit seiner aufregenden Spielweise (endlich) das Gesicht des deutschen Handballs werden? Kann er bei der EM die entscheidenden Tore für die Nationalmannschaft schießen? Und sie dann, 2007, womöglich zum Titel im eigenen Land führen? Hens sagt dazu: "Die Last sollte man nicht allein auf meine Schultern legen. Mein Weg ist durch die Unruhe im Verein und durch Verletzungen ins Stocken geraten. Ich will jetzt erst einmal eine Saison durchspielen."

          Die Erwartungen des HSV an den Publikumsliebling bleiben groß. Er ist der Sympathieträger des Skandalvereins, der seriös werden will - Hens hängt groß in allen Hamburger Sparkassen (die Haspa sponsert den HSV). "Daß ich die Hauptfigur des Projekts sein soll, schmeichelt mir natürlich. Ich bereue meine Entscheidung für Hamburg überhaupt nicht", sagt Hens. Er wirkt nicht, als wachse ihm hier irgend etwas über den Kopf. Er hat einen Vertrag bis 2008 und verdient kolportierte knapp 30 000 Euro im Monat. Allzuviel hat er dem Klub dafür bisher nicht geben können. Das ändert sich gerade: Hens ist auf dem besten Weg, die "170 bis 180 Feldtore" zu schießen, die sein Sportchef Christian Fitzek fordert. "Das fehlt ihm am Durchbruch zum Führungsspieler", sagt Fitzek, und weiter: "Der Verein möchte von Pascal etwas zurückbekommen. Irgendwann müssen alle einmal rundherum zufrieden mit seiner Leistung sein."

          Druck von allen Seiten

          Hens glaubt, mit dem Druck von allen Seiten umgehen zu können. Er hat seinen Körper für die anstehenden Aufgaben präpariert. "Früher war Krafttraining ein leidvoller Zusatz für mich", sagt Hens, "jetzt ist es Alltag. Bei mir sind in der Muskulatur fast überall Defizite." Es gibt immer etwas zu verbessern, auch und gerade, wenn man erst 25 Jahre alt ist und solch eine Krankenakte mit sich herumschleppt.

          Erstaunlich oft benutzt Hens im Gespräch das Wort "lustig". Man mag gar nicht glauben, daß es jemals spaßig gewesen ist als Angestellter dieses HSV mit all seinen Negativschlagzeilen. Hens aber schwärmt vom Zusammenhalt in schweren Zeiten, wenn wieder ein Emissär in die Kabine kam, um verspätete Gehaltszahlungen anzukündigen. Hens sagt: "Wir haben immer weitergemacht, das war die Stärke der Mannschaft." Jetzt soll der HSV mit Martin Schwalb als Trainer endlich in geordnete Bahnen kommen. Schwalb war Hens' Entdecker und Förderer in Wallau. Schwalb verlangt viel - auch und vor allem von Hens.

          Pascal Hens weiß, daß er hier das Zugpferd ist. Längst kopieren die Kinder und Jugendlichen seine Frisur, seine Würfe. Sie lieben seine gut gemachte Homepage, kaufen Bälle, Tassen, Mützen mit seinem Gesicht drauf. Hens war und ist in Hamburg das umschwärmte Vorbild der Kleinen. "Ich sehe das wirklich gern. Das macht mich auch stark. Vor ein paar Jahren habe ich doch selbst noch Autogramme gesammelt", sagt Pascal Hens.

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