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Handball-Frauen : Übernimmt jetzt Stefan Kretzschmar?

  • -Aktualisiert am

Marketingaktion oder ernsthafte, sportliche Option: Stefan Kretzschmar. Bild: dpa

Ein überraschender Erfolg wie bei den Männern scheint bei den Handball-Frauen in weiter Ferne. Nun wird Bundestrainer Jakov Vestergaard freigestellt – folgt ihm ein bekannter Name?

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          Fernab einer größeren Öffentlichkeit hatten die deutschen Handballfrauen am Wochenende vor Ostern bei einem Vierländerturnier in Norwegen getestet. Man habe Selbstvertrauen getankt, befand Bundestrainer Jakob Vestergaard danach – was etwas übertrieben klang, denn seine Mannschaft hatte nach einem Sieg über Brasilien erst knapp gegen Spanien und dann deutlich gegen Norwegen verloren.

          Das waren einerseits die Niederlagen Nummer drei und vier der jungen und neuformierten Mannschaft in diesem Jahr, andererseits waren die Leistungen aber auch nicht so schlecht, dass man von Verbandsseite die Notbremse hätte ziehen müssen. Zumal die Qualifikation für die Europameisterschaft im Dezember in Schweden ziemlich sicher scheint – was vor allem daran liegt, dass die kommenden Gegner Anfang Juni Schweiz und Island heißen und selbst für die international zweitklassigen Deutschen beherrschbar erscheinen.

          Doch es war wohl so, dass die am Ostermontag verkündete Freistellung Vestergaards schon länger feststand. Anfang März hatte sein Team nach alarmierend fahrigen Auftritten 21:24 und 19:25 gegen den dritten Qualifikations-Gruppengegner Frankreich verloren. Dass Vestergaard noch bis zum Vierländerturnier weitermachen durfte, lag eher an der zeitlichen Abfolge als an der Überzeugung des Deutschen Handballbundes (DHB) um den Vizepräsidenten Leistungssport Bob Hanning.

          Irgendeiner musste die Mannschaft ja in Norwegen betreuen. So kam die Entlassung vor allem auch für Vestergaard überraschend. Seinen Worten nach den Testspielen war noch zu entnehmen, dass er sich und sein Team auf einem guten Pfad wähnte.

          Jakob Vestergaard (vorne) ist nicht mehr länger Nationaltrainer der deutschen Handball-Frauen.
          Jakob Vestergaard (vorne) ist nicht mehr länger Nationaltrainer der deutschen Handball-Frauen. : Bild: dpa

          „Wir mussten erkennen, dass unsere Wege für den Erfolg des deutschen Frauenhandballs nicht mehr zusammenfinden“, sagte Hanning am Ostermontag. Er hatte den 41 Jahre alten Dänen erst vor einem Jahr als Nachfolger Heine Jensens vorgestellt. „Es gibt keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit“, sagte Vestergaard.

          Der Handballfachmann aus Viborg hatte schon öfter im kleinen Kreis über fehlenden Rückhalt aus dem Verband geklagt. Auch die Ziele waren komplett unterschiedlich. Während der Trainer eher auf die vorhandene – oder fehlende – Qualität im deutschen Frauenhandball allgemein hinwies und Zeit forderte, ging Hanning der Fortschritt nicht schnell genug. Der DHB will bei Männern und Frauen eine führende Kraft sein. Und was bei den Herren durch den überraschenden EM-Titel von Polen tatsächlich fürs Erste erreicht wurde, erscheint bei den Frauen in weiter Ferne.

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          Der letzte große Erfolg war der dritte Platz bei der WM 2007; zuletzt schied die Mannschaft mit Vestergaard als Coach bei der WM in Dänemark und Norwegen im Achtelfinale aus. Da allerdings hatte die Mannschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten gespielt. Das war dem ungeduldigen Hanning jedoch zu wenig. Er will den Frauenhandball aus seinem Schattendasein befreien. Ob das realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt.

          Im Dezember 2017 richtet der DHB die WM aus. Dann soll das deutsche Frauenteam um die Medaillen mitspielen. Wer dann auf der Bank sitzt, bleibt zunächst offen. Bevor er Vestergaard holte, hatte Hanning vor 15 Monaten Stefan Kretzschmar gefragt, ob der die Frauen trainieren wolle. Das wäre sicher ein PR-Coup gewesen, doch erhielt der für seine Alleingänge bekannte Hanning im Verband keine Mehrheit für diesen Vorstoß. Vielleicht wird Kretzschmar jetzt wieder ein Thema. Auch, wenn es mehr wie eine Marketingaktion klingt als eine ernsthafte, sportliche Lösung.

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