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Vorwürfe bei Handball-Frauen : Kapitäninnen treten zurück und kritisieren Bundestrainer

  • -Aktualisiert am

Kann sich mit der „Philosophie“ des Bundestrainers nicht identifizieren: Kim Naidzinavicius Bild: Picture-Alliance

Durch die Rücktritte von zwei wichtigen Spielerinnen steht plötzlich der Führungsstil von Henk Groener im Mittelpunkt der Debatte. Durch Vorwürfe und schwache Ergebnisse entstand eine schwierige Lage.

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          Nach der verpatzten Heim-WM 2017 regte dieser Name zu gedanklichen Höhenflügen an: Henk Groener. Der neue Bundestrainer sollte aus den deutschen Handballspielerinnen Siegertypen machen. Das war ihm schließlich auch mit der niederländischen Auswahl gelungen. Für deren wundersamen Aufstieg zum Weltklasseteam steht Groener – wobei er die vielen Medaillen der Frauen in Orange niemals mit einem „Wunder“ in Verbindung brächte. Sondern mit Arbeit und Geduld. Der große Erfolg mit dem 60 Jahre alten Niederländer ist beim Deutschen Handballbund (DHB) bisher ausgeblieben. Die Europameisterschaft in Dänemark beendete das DHB-Team im Dezember auf Platz sieben.

          Durch den Rücktritt der Führungsspielerinnen Kim Naidzinavicius und Julia Behnke vor einer Woche steht nun plötzlich Groeners Führungsstil im Mittelpunkt der Debatte. Die beiden Kapitäninnen hatten sich vom DHB gelöst, weil ihnen „der Fahrplan“ zur Weiterentwicklung des Teams gefehlt habe, so Behnke, 27 Jahre alt, via Instagram. Naidzinavicius, zwei Jahre älter, schrieb ebenda, sie könne sich mit der „eingeschlagenen Philosophie“ nicht mehr identifizieren.

          Fehlende Stringenz

          In einem Gespräch mit DHB-Sportvorstand Axel Kromer hatten die beiden ihren Rücktrittswunsch schon kurz vor Weihnachten offenbart. Sie warfen Groener vor, nicht stringent genug zu führen. Ein Gespräch der beiden mit dem Bundestrainer kam erst auf Kromers Vermittlung zustande. Groener soll überrascht gewesen sein. Er will nicht alles vorgeben, seine Spielerinnen sollen eigenverantwortlich handeln.

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          In Videokonferenzen mit den Nationalspielerinnen arbeiten Kromer und Groener in dieser Woche nun das jüngste Turnier auf. Mitte März in Bensheim beginnt der nächste Lehrgang, im April folgen die entscheidenden Berechtigungsspiele für die WM Ende des Jahres in Spanien. Durch den Vorwurf der schwachen Führung und das schlechte Abschneiden der deutschen Frauen ist indes eine schwierige Gemengelage für den erfahrenen Coach entstanden.

          Kaum Argumente für Groener

          Bei den drei Turnieren unter seiner Leitung schrammte die Mannschaft jeweils knapp am Halbfinale vorbei. Argumente für sich und seine Arbeit konnte Groener also kaum sammeln. Trotzdem erscheint es richtig, dass der DHB seinen Vertrag 2019 bis Ende 2021 verlängerte. Die Stimmung im Team ist gut, was früher nicht immer der Fall war, und zumindest teilweise haben Groeners Frauen gezeigt, dass sie mit der Weltspitze mithalten können. Kromer und DHB-Präsident Andreas Michelmann beurteilen Groeners Arbeit grundsätzlich positiv.

          Kreisläuferin Behnke und Spielmacherin Naidzinavicius wollten zu ihren Rücktritten nichts sagen; bei Behnke scheint zudem das letzte Wort nicht gesprochen, was eine mögliche Rückkehr angeht. Naidzinavicius hatte ihr Ticket für Dänemark nach schwankenden Leistungen im Verein auch deswegen bekommen, weil sich andere Spielerinnen auf ihrer Position verletzt hatten. Beide waren während der EM unzufrieden mit dem Erreichten und angefasst von der Diskussion um fehlende Führungsstärke im deutschen Team. Zum wiederholten Male mangelte es an Charakteren, die in den entscheidenden Minuten kühlen Kopf bewahren. Das ging auch an Behnkes und Naidzinavicius’ Adresse.

          Wie zu hören ist, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik aus dem Spielerinnenkreis am jeweiligen Bundestrainer. Dazu sagt Kromer: „Wir lassen uns in unserer Meinung zum Trainer nicht davon beeinflussen, was eine Spielerin sagt. Wir hören uns das an und beurteilen es dann intern.“ Kromer war zudem irritiert, als er von Naidzinavicius und Behnke im Dezember hörte, sie seien vom ersten Tag an nicht überzeugt gewesen von Groeners Führungsstil. Das wäre doch besser Inhalt eines sehr frühen Gesprächs der beiden mit Groener gewesen, statt es nach drei Jahren vorzubringen, findet er.

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