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Handball : Flüchtige Wahrheit im Kieler Prozess

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Hauptangeklagter: Der ehemalige Kieler Manager Uwe Schwenker wird der Bestechung verdächtigt Bild: dapd

Nikola Karabatic freut sich, dass die Schiedsrichter-Leistungen besser geworden sind. Damit hat der Kieler Prozess immerhin schon was in Gang gebracht. Ob Klarheit in die Bestechungsaffäre kommt, bleibt weiter fraglich.

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          Zur Aufklärung der Sache möchte Nikola Karabatic erst einmal nichts beitragen. „Über Dinge, die passiert sind, spreche ich nicht“, sagt der ehemalige Kieler Handballprofi, der seit 2009 für den französischen Spitzenklub Montpellier HB spielt. Sehr wohl hat Karabatic aber eine angenehme Folge des Skandals um vermeintlich verschobene THW-Spiele festgestellt: „Früher hatte ich manchmal das Gefühl, bestimmte Spiele, vor allem auswärts, gar nicht gewinnen zu können. Das ist inzwischen nicht mehr so.“

          Ob das Aufsehen, das der seit 21. September laufende Prozess gegen die einstigen THW-Macher Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic samt Vorgeschichte erregt, eine ganze Sportart zur Läuterung gebracht hat, mag man bezweifeln. Dass bei den Schiedsrichtern aber genauer hingeschaut wird, gerade in der Champions League, damit hat Karabatic wohl recht. Man hört seltener von rätselhaften Pfiffen bei Spielen auf dem Balkan oder in Russland.

          Schwierig könnte es für ihn hingegen werden, seine Haltung zum Prozess vor der 5. Großen Strafkammer des Kieler Landgerichts aufrecht zu halten. Es könnte gut sein, dass Karabatic dort noch als Zeuge vorgeladen wird.

          Wussten die Spieler von der Bestechung?

          Gleiches gilt für Vid Kavticnik, der früher ebenfalls für den THW spielte und heute sein Geld ebenfalls in Montpellier verdient. Die mögliche Ladung vor das Gericht hätten die beiden Jesper Nielsen zu verdanken - der ehemalige Gesellschafter des Kieler Ligakonkurrenten Rhein-Neckar Löwen hatte bei seiner Aussage als Zeuge der Staatsanwaltschaft Ende September gesagt, die beiden Profis hätten von der angeblichen Schiedsrichter-Bestechung im Champions-League-Finale 2007 gegen die SG Flensburg gewusst.

          Doch es wird viel gesagt und behauptet in diesem langwierigen Prozess, und es ist auch einiges vergessen worden, was Anfang 2009 geschehen ist, als Schwenker und Serdarusic die Bestechung zugegeben haben sollen. Beide bestreiten das. Es ist ein komplizierter Fall, und nach nun vier Verhandlungstagen ist kaum abzusehen, in welche Richtung sich der Prozess bewegt.

          Einer von beiden lügt

          Als wichtigster Zeuge der Verteidigung hatte der ehemalige THW-Gesellschafter Hubertus Grote dem Dänen Nielsen Anfang Oktober in allen Punkten widersprochen. „Mit Sicherheit“ habe Schwenker gegenüber Nielsen nie von irgendwelchen Bestechungen durch den THW gesprochen, damals, am Rande der Handball-WM in Kroatien am 1. Februar 2009. Vielmehr sei es Nielsen darum gegangen, mit der Streuung des Gerüchts der vermeintlichen Bestechung die Ablösesummen für die Spieler Karabatic und Kavticnik zu drücken.

          Beide hatten damals schon Vorverträge bei den Löwen unterschrieben, standen aber noch bis Sommer 2009 in Kiel unter Vertrag. Nielsen hingegen blieb dabei, dass Schwenker an jenem Abend die Bestechung zugegeben habe. Klar scheint: Einer von beiden lügt.

          32 Verhandlungstage bis Anfang April

          Um der Wahrheit näher zu kommen, hat die Kammer unter Vorsitz des Richters Matthias Wardeck weitere Verhandlungstage anberaumt. Ursprünglich sollte der Prozess nach 21 Verhandlungstagen Anfang Februar beendet sein. Nun sind 32 Verhandlungstage bis Anfang April angesetzt. An diesem Freitag trat einer der beiden polnischen Schiedsrichter des Finalrückspiels 2007 in den Zeugenstand, Miroslaw Baum. Er hatte schon diverse Male behauptet, „nie im Leben“ Geld bekommen zu haben. Er habe eine gute Erinnerung an das Spiel Kiel gegen Flensburg, alles sei damals mit rechten Dingen zugegangen. Von dieser Darstellung ist er am Freitag nicht abgewichen.

          In der Anklageschrift steht hingegen, Baum habe über den kroatischen Mittelsmann Nenad Volarevic in Warschau 45.000 Euro Bestechungsgeld erhalten, um die Partie in die gewünschte Richtung zu lenken, sollte es im Spiel „eng“ für den THW werden. Die Version von Schwenkers Anwalt lautet ganz anders - Volarevic habe das Geld nur abgehoben, um es auf ein besser verzinstes Konto einzuzahlen, ehe er es ein paar Monate später wieder zurückzahlte. Ein anderer, ebenfalls dem THW-Konto entnommener Betrag, sei an Volarevic geflossen, weil der beim Kauf des Spielers Igor Anic beratend beteiligt gewesen sei.

          Ein anderer Zeuge, der Licht ins Dunkel bringen könnte, hat seine Vorladung für den 8. November schon per Fax abgesagt: „Ich habe zur Zeit keine Absicht, nach Kiel zu kommen.“ Nenad Volarevic möchte zur Wahrheitsfindung nichts beitragen.

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