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Volle Halle trotz Pandemie : Zurück in der Hölle Nord

  • -Aktualisiert am

Dichte Flensburger Corona-Handball-Atmosphäre: Benjamin Buric streckt sich. Bild: Imago

Die Flensburger Handballhalle ist beim Spiel gegen die Füchse Berlin erstmals wieder ausverkauft. Bei diesem Bundesliga-Spitzenspiel geht es allerdings um mehr als den Sieg.

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          Mit der dänischen Nationalmannschaft ist Mads Mensah Olympiasieger und Weltmeister geworden. Deutscher Meister im Trikot der Rhein-Neckar Löwen war er auch schon. Am Mittwochabend erfüllte sich sein nächster Wunsch: „Jetzt bin ich endlich ein Spieler der SG Flensburg-Handewitt mit allem Drum und Dran“, sagte Mensah strahlend. „Wir haben so lange gewartet auf das hier. Das hat uns getragen. Ich möchte das jetzt immer haben!“

          Mensah war im Sommer 2020 aus Mannheim zur SG gewechselt. Seitdem kennt er Spiele für die Norddeutschen nur vor sehr wenigen Zuschauern – oder vor leeren Rängen. Diese Dürre endete nun. 5500 Fans besetzten die Ränge der „Flens“-Arena. Sogar die berüchtigte Stehtribüne war gut gefüllt. Eingelassen waren Geimpfte, Genesene und Getestete (3 G). Nach sehr verhaltenem Kartenverkauf in dieser Saison – in der Champions League hatten sich einmal kaum mehr als 1500 Personen in die Halle verirrt – meldete die Flensburger Arena diesmal: ausverkauft nach den aktuell geltenden Regeln. „Die Hölle Nord ist wieder da“, sagte Trainer Maik Machulla.

          Beeindruckt von der Kulisse

          Das Tosen und Toben von den Rängen trug die so enttäuschend in die Saison gestartete SG zu einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg gegen die Füchse Berlin. Bislang ungeschlagen, wirkten die Berliner beeindruckt von der Kulisse. Dass es für sie beim 23:28 glimpflich ausging, lag daran, dass die Flensburger von der 50. Minute an einen Gang zurückschalteten. Zwischendurch hatten sie mit neun Toren Vorsprung geführt – und auch dank vieler Paraden von Torwart Benjamin Burić die Halle zum Kochen gebracht. Während die Füchse am Samstag beim Tabellenführer SC Magdeburg gleich die nächste schwierige Aufgabe serviert bekommen, will Flensburg gegen die Rhein-Neckar Löwen das nächste Heimspielfest feiern und im Titelkampf dranbleiben.

          Wissen war nie wertvoller

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          Es war in diesem Spitzenspiel um mehr gegangen als zwei Punkte. Es gab seitens der Handball-Bundesliga (HBL) ernsthafte Zweifel, ob die Zuschauerinnen und Zuschauer überhaupt in ähnlicher Stärke wie zu Vor-Pandemie-Zeiten zurück unters Dach kehren würden. Über die Gründe für das Wegbleiben gab es nur Spekulationen. Mehr Aufwand beim Kartenkauf, Unbehagen, in einer Halle zu sitzen, Schlange stehen beim Einlass – der unbeschwerte Spaß von einst ist dahin

          Der Saisonstart hat jedenfalls gezeigt, dass sich die Hoffnung der Manager auf hungrige Fans nicht erfüllt hat: Der Zuspruch war lau, was eine Sportart wie Handball trifft, weil der Anteil der Ticketeinnahmen am Jahresbudget bis zu 40 Prozent beträgt. „Wir müssen um jeden Zuschauer kämpfen“, sagte der Flensburger Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

          Mit den Bildern aus der „Flens“-Arena vor Augen hofft man an allen Standorten, dass in Anbetracht steigender Infektionszahlen und zahlreicher Impfdurchbrüche keine neuen, alten Restriktionen auf die Vereine zukommen. In Flensburg liegt die Inzidenz bei 82,3, und mit den Auflagen von 3 G fühlten sich am Mittwochabend 5500 Fans sicher genug, um in der Halle zu sitzen – ohne Maskenpflicht übrigens.

          Die hat der THW Kiel für seine 9000 zugelassenen Zuschauerinnen und Zuschauer wieder eingeführt. Präventiv, wie es heißt. Auch beim THW gilt die 3-G-Regel. Tendenziell dürfte sich aber auch im Profihandball die 2-G-Variante durchsetzen, wie HBL-Präsident Uwe Schwenker sagte.

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