https://www.faz.net/-gtl-6kzdy

Handball : Familientreffen in Kiel

  • -Aktualisiert am

Freut sich auf den Bruder: Dominik Klein. Bild: dpa

Aus Liebe zum Handball wechselt Marcel Klein von einem Weltkonzern zum THW Kiel, der an diesem Mittwoch in Flensburg antritt. Als Verantwortlicher für Marketing und Vertrieb arbeitet er nun mit seinem Bruder Dominik zusammen.

          2 Min.

          Die begehrteste Dauerkarte Deutschlands gibt es für Marcel Klein bald gratis. Natürlich werde er die Heimspiele des THW Kiel besuchen, sagt Klein, das gehöre zur Sponsorenpflege dazu. „Und bei den wichtigen Auswärtsspielen möchte ich auch dabei sein.“ Die Spiele des THW sind dem Handballfreund eine Herzensangelegenheit, keine Pflichtnummer.

          In Kiel wird es zum 1. Januar 2011 eine ungewöhnliche Familienzusammenführung geben. Marcel Klein übernimmt dann die Verantwortung für das Feld Marketing/Vertrieb beim THW; ein Haus für ihn, seine Frau und die beiden Kinder wird gerade gesucht. Da sollte doch in Melsdorf etwas zu finden sein: In dem Örtchen nahe Kiel wohnen einige THW-Profis und auch der jüngere, aber längere Klein namens Dominik, Nationalspieler und Weltmeister 2007.

          Keine Zeit zum Handballspielen

          „Wir haben einen engen Kontakt und telefonieren etwa einmal die Woche“, sagt Marcel Klein. Demnächst wird er seinem 26 Jahre alten Bruder dann also genauer auf die Finger schauen können - obwohl das gar nicht nötig ist, findet Marcel Klein: „Der größte Kritiker meines Bruders ist er selbst.“ Heimspiele und auch Auswärtsspiele besuchen, hinzu die normalen Bürozeiten: Das klingt nach einem ziemlich familienfeindlichen Beruf. Um die Fehlzeiten daheim in Grenzen zu halten, hat Marcel Klein den ersten Werbungen der zweiten Kieler Mannschaft bislang widerstanden. Er werde dem jungen Team des THW in der neuen Dritten Liga Nord im Kampf um den Klassenverbleib nicht helfen können, sagt Klein.

          Sein Unterton verrät allerdings, dass das wohl nur vorläufig gilt. Den Trainer der zweiten Mannschaft, Raul Alonso, kennt Klein gut. Alonso hat die Hand nach ihm schon ausgestreckt und gesagt, einen erfahrenen Mittelmann wie Klein könne er in seiner jungen Mannschaft gut gebrauchen. Mal sehen, wie lange der 32 Jahre alte Familienvater widerstehen kann. Vielleicht fehle es ihm aber auch an der Form nach einer längeren Handballpause, sagt Klein lachend.

          Warum wechselt einer vom Weltkonzern zum Sportverein?

          Man merkt ihm an, dass er sich auf die neue Aufgabe freut. Bisher hat der Diplom-Betriebswirt im Vertrieb von American Express in Frankfurt gearbeitet. Nicht jeder seiner Vorgesetzten hat verstanden, warum er nun von einem Weltkonzern zu einem Sportverein wechselt. Doch Klein liebt den Handball, er war Kapitän der Jugendnationalmannschaft und spielte bis vor drei Jahren in der Zweiten Bundesliga bei TuSpo Obernburg nahe Aschaffenburg. Ohne Handball geht es nur schwer. Nun sagt Klein: „Ich habe meinen Traumjob gefunden.“

          Beim THW will er sich um bestehende Sponsoren kümmern und neue hinzugewinnen. Die Pflege der Marke THW gehört zu seinen neuen Arbeitsfeldern, ebenso das Geschäftsfeld Fanartikel. Mit dem sportlichen Tagesgeschäft hat er hingegen nichts zu tun. Das bleibt die Aufgabe seines Vorgesetzten, Geschäftsführer Uli Derad. Dass es ohne den großen Handball-Skandal und die Trennung von Zvonimir Serdarusic und Uwe Schwenker vor anderthalb Jahren den „Traumjob“ beim THW kaum gegeben hätte, weiß Marcel Klein.

          Glückswochen für die Kleins

          Die Kieler meinen es ernst mit ihren Aufräumarbeiten. In Sachen Glaubwürdigkeit und Professionalisierung sind sie ein gutes Stück vorangekommen: Neue Personen lenken den Verein, ein Aufsichtsrat ist längst installiert, und die Geschäftsstelle ist aufgestockt. Klein sagt: „Der THW hat die richtigen Schlüsse aus der Affäre gezogen und sich neu aufgestellt.“

          Es sind wahre Glückswochen für die Kleins: Während Marcel Klein seinen Traumjob gefunden hat, darf Bruder Dominik drei weitere Jahre bei seinem Traumklub bleiben - gerade verlängerte Manager Derad den 2011 auslaufenden Vertrag mit seinem Linksaußen bis 2014. Bei Dominik Klein lief sportlich zuletzt nicht alles rund; seine Leistung stagnierte. Vielleicht hilft ihm ja die Familienzusammenführung, um zurück zu alter Stärke zu finden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Antje Buschschulte, ehemalige Weltklasseschwimmerin und Kandidatin für die Grünen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, im Elbauenpark in Magdeburg.

          Frühere Weltklasseschwimmerin : Wahlkampf statt Wettkampf

          Antje Buschschulte, früher Weltklasseschwimmerin, kandidiert für den Landtag in Sachsen-Anhalt. Die Lehren aus dem Leistungssport helfen ihr auch in der Politik weiter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.