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Handball-EM : Verblasste Hoffnung

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Im niedersächsischen Barsinghausen hat Heuberger seine Spieler in diesen Tagen versammelt. Dreimal am Tag wird trainiert. Zwei Tests gegen Ungarn bilden den Abschluss der Vorbereitung, der erste am Samstag in Bremen wurde beim 36:33-Sieg souverän absolviert. Das Ganze wirkt weniger gehetzt als sonst: Die Liga hat auf den letzten Vorrundenspieltag im alten Jahr verzichtet, um den Spielern etwas mehr Ruhe und dem Bundestrainer etwas mehr Zeit zu geben. In der Liga weiß man, welche Zugkraft eine starke Nationalmannschaft hat. Fernsehzeiten bei den Öffentlich-Rechtlichen bekommt der Handball nur, wenn die Nationalmannschaft spielt. Deswegen ruhen trotz aller Sorgen viele Hoffnungen auf einem Team, das mit den Weltmeistern von 2007 nichts mehr gemein hat: Nur Pascal Hens, Holger Glandorf und Oliver Roggisch sind vom Stamm der WM-Helden noch dabei.

Zum Haareraufen? Pascal Hens und die deutschen Handballer starten in die EM
Zum Haareraufen? Pascal Hens und die deutschen Handballer starten in die EM : Bild: REUTERS

Spielmacher Markus Baur und Kreisläufer Christian Schwarzer arbeiten als Trainer, Rechtsaußen Florian Kehrmann und Linksaußen Thorsten Jansen wurden von Heubergers Vorgänger Heiner Brand nicht mehr eingeladen, der Kieler Christian Zeitz hat keine Lust mehr auf die Nationalmannschaft. Torwart Henning Fritz spielte nie mehr auf dem Niveau von 2007, und sein Vertreter Johannes Bitter pausiert, weil er mehr bei der Familie sein will. Michael Kraus ist nach seiner langen Verletzung nicht rechtzeitig fit geworden. Von den Spitzenteams Kiel und Hamburg sind nur drei Profis dabei: Dominik Klein, Christian Sprenger und Hens. Die größte Not herrscht auf den zentralen Positionen: Als Spielmacher sollen es der Göppinger Michael Haaß und der Lemgoer Martin Strobel richten, am Kreis stehen Christoph Theuerkauf und Patrick Wiencek bereit - vor keinem der vier müssen sich die großen Handballnationen fürchten.

Vor allem in der Abwehr zupacken

Eine große Wahl hat Heuberger nicht. Obwohl der deutsche Nachwuchs regelmäßig Titel gewinnt, gelingt keinem Talent der Durchbruch bei einem großen Bundesligaklub, weil dort fertige, ausländische Spieler vorgezogen werden. Alle Sorgen seines Vorgängers nimmt Heuberger mit in sein erstes großes Turnier: Wer soll diese Mannschaft in der Art eines Christian Schwarzer führen? Hierarchie und Teamgeist müssen sich noch herausbilden. Äußerst fraglich, ob dieses Team auf der Suche nach einer inneren Ordnung die Stressfestigkeit für eine EM mitbringt.

Die Deutschen sind keine Träumer. Auch 2007 gewannen sie nicht, weil sie brillierten. In den Tagen von Barsinghausen hat der formstarke Flensburger Glandorf gefordert: „Wir müssen uns auf unsere alten Tugenden besinnen: Wille, Kampf, Leidenschaft. Dann werden wir Erfolg haben.“ Dass den deutschen Ballwerfern einmal die richtige Einstellung zum Beruf fehlen würde, hätte man nie erwartet - doch Brand trat letztlich wegen der fehlenden Bereitschaft seiner Spieler zurück, sich zu quälen.

Zusammenstehen, nicht aufgeben, vor allem in der Abwehr zupacken und vorn die Spielzüge spielen, die der Trainer angesagt hat: Sollte die DHB-Auswahl zum Kleingedruckten des Handballs zurückkehren, könnten in Serbien die düstersten Wolken vertrieben werden. Auch wenn keiner auf die Idee käme, dann von einem neuen Wintermärchen zu sprechen.

Der komplizierte Weg nach London

Um eines der drei Qualifikationsturniere im April zu erreichen, müsste Deutschland in Serbien zu den zwei besten Teams gehören, die sich bisher weder direkt für die Olympischen Spiele in London noch für eines der Turniere qualifiziert haben. Neben Weltmeister Frankreich gehören sechs Teams bei der EM zu denjenigen, die schon qualifiziert sind oder an einer der Ausscheidungsrunden teilnehmen: Dänemark, Ungarn, Spanien, Island, Schweden, Kroatien. Sollten alle sieben Teams vor Deutschland landen, reichte der neunte Platz, um bei einem der Qualifikationsturniere dabei zu sein. In Dänemark, Spanien und Schweden spielen im April jeweils vier Länder um die letzten sechs Tickets für London. Doch es ginge auch ohne Umwege: Würde Heubergers Mannschaft das Finale der EM am 29. Januar gewinnen, wäre sie als Europameister direkt für die Olympischen Spiele qualifiziert.

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