https://www.faz.net/-gtl-6ww38

Handball-EM : Schlag auf Schlag

  • Aktualisiert am

Kampfsport Handball - dargestellt von dem Franzosen Fernandez (links) und dem Spanier Entrerrios Bild: dpa

Frankreich beklagt bei der EM Verletzungsprobleme. Das ist keine Seltenheit im Kampfsport Handball. Das ist nicht nur eine schmerzliche, sondern auch eine teure Angelegenheit.

          2 Min.

          Auch die Franzosen waren schlichtweg bedient, in ihrem Fall aber handelte es sich um eine Überraschung. Sie waren ja in den vergangenen Jahren - anders als Deutschland - das Maß der Dinge im Handball, unersättlich und auch kaum zu bezwingen. Nun jedoch musste Frankreich das Ende einer bemerkenswerten Serie hinnehmen. Das 26:29 gegen Spanien zum Auftakt der Europameisterschaft in Serbien am Montag bedeutete die erste Niederlage bei einem großen Turnier seit 2009.

          Noch ist damit natürlich nichts verloren für den Titelverteidiger, an diesem Mittwoch wollen die Spanier Russland besiegen (18.15 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker). Dennoch war Trainer Claude Onesta nach der misslungenen Ouvertüre enttäuscht. Er glaubte jedoch zu wissen, woran es haperte: Onesta klagte über Sorgen in der Vorbereitung auf die EM. Das konnte als Hinweis auf einige Verletzungsprobleme verstanden werden. So war William Accambray wegen eines ausgerenkten Fingers einige Zeit außer Gefecht gesetzt worden, Michael Guigou hatte einen doppelten Leistenbruch erlitten.

          Solche Vorkommnisse sind gang und gäbe im Handball, in dem es in der Regel Schlag auf Schlag geht: ein dichter Terminkalender, kaum Pausen, gestresste und häufig auch angeschlagene Stars. Laut einer Studie der Ruhr-Universität Bochum werden in Europa jährlich rund 320.000 Verletzungen verschiedener Art durch Handball hervorgerufen.

          Eine schmerzliche, aber auch teure Angelegenheit: „Die Gesamtkosten der medizinischen Behandlungen für handballbedingte Verletzungen werden auf bis zu 400 Millionen Euro geschätzt, die Hälfte davon wird für Knieverletzungen eingesetzt“, heißt es in der Studie. Immer wieder musste auch der deutsche Handball Ausfälle von gestandenen Kräften zu kompensieren versuchen.

          Chronische Schäden durch den Handball

          So verzichtete Bundestrainer Martin Heuberger nun auf die Nominierung des Hamburger Spielgestalters Michael Kraus, der nach mehreren Verletzungen, darunter ein Muskelfaserriss, noch nicht wieder ganz auf der Höhe ist. Sein Hamburger Teamkollege Pascal Hens hatte 2008 wegen eines Bruchs des Schienbeinkopfes bei den Olympischen Spielen gefehlt.

          Durch den Kampfsport Handball, so das Urteil des deutschen Mannschaftsarztes Berthold Hallmaier, gebe es oft chronische Schäden an der Schulter und an der Lendenwirbelsäule. Die Bochumer Studie, die anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Europäischen Handball-Föderation (EHF) im vorigen November in Wien vorgestellt wurde, nennt konkrete Zahlen.

          Auch der Bundestrainer kennt die Folgen des Handballs: Martin Heuberger leidet unter einer Hüftarthrose
          Auch der Bundestrainer kennt die Folgen des Handballs: Martin Heuberger leidet unter einer Hüftarthrose : Bild: REUTERS

          Danach sind bei Männern Knieverletzungen mit 23 Prozent die „Nummer eins“ unter den Blessuren, danach folgen die Hände (19,8 Prozent), die Sprunggelenke (18,6) und der Kopf (17,4). Bei den Frauen gibt es weniger Kopf- (13,2) und Handverletzungen (19,6), dafür sind die Sprung- (22,1) und vor allem Kniegelenke (31,7) weitaus häufiger betroffen. Zwei Drittel aller Verletzungen ziehen sich Handballer im Spiel zu.

          Die Wissenschaftler haben ermittelt, dass auf 1000 Stunden Training und Wettkampf zwei Verletzungen kommen. Die Folgerung: Vorbeugung. „Ganz wichtig ist, körperliche Stresssituationen immer wieder zu üben“, betont Hallmaier. Der neue Bundestrainer und ehemalige Bundesligaspieler Heuberger, der selbst unter einer Hüftarthrose leidet, hat nicht zuletzt deswegen Langhantelübungen eingeführt: Sie sollen helfen, körperliche Schäden einzudämmen oder gar zu verhindern.

          Ein Spiel (fast) ohne Grenzen

          In Serbien gibt es nun immerhin zusätzliche Schonung für die Teams: Auf jedes Spiel folgt, anders als früher, ein Ruhetag. Die EHF zahlt inzwischen überdies Abstellgebühren, die freilich alles andere als üppig sind: Die Vereine erhalten pro Einsatz eines Spielers 266 Euro.

          „Wenn der Handball sich weiter so entwickelt, wird sich die Summe erhöhen müssen“, fordert Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. Schließlich ist das Risiko für Aktive und Klubs groß im Spiel (fast) ohne Grenzen.

          Weitere Themen

          Timo Werner lässt Chelsea jubeln

          Premier League : Timo Werner lässt Chelsea jubeln

          Während der FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp Mühe hat, stürmt der FC Chelsea mit Nationalspieler Timo Werner eindrucksvoll zum nächsten Sieg. Auch DFB-Spieler Ilkay Gündogan kann sich freuen.

          Die nächste Pleite für Nagelsmann

          Nach 0:5-Klatsche : Die nächste Pleite für Nagelsmann

          In der Champions League verliert RB Leipzig deutlich bei Manchester United. In der Bundesliga folgt nun ein weiterer Rückschlag bei Borussia Mönchengladbach, der die Tabellenführung kostet. Trainer Julian Nagelsmann ist bedient.

          Topmeldungen

          Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

          Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

          In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
          Der amerikanische Präsident Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung

          Donald Trump : „Deutschland will mich abgewählt sehen“

          Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat sich unter Donald Trump erheblich verschlechtert. Der amerikanische Präsident ist sich sicher, dass seine Niederlage nicht nur von China und Iran, sondern auch von Deutschland begrüßt werden würde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.