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Handball-EM in Dänemark : Das Unbehagen spielt mit

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Auch der Chef fehlt infolge einer Infektion – auf Kapitänin Kim Naidzinavicius kommt mehr Führungsarbeit zu. Bild: dpa

Zum Auftakt der Handball-EM befinden sich die deutschen Frauen in einer „Blase“ im dänischen Kolding. Doch die Sorgen wachsen. Denn trotz aller Vorkehrungen gibt es bereits zwei Corona-Fälle beim ersten Gegner.

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          Die deutschen Frauen stecken seit Dienstag in der „Blase“ ihres dänischen Spielorts Kolding. Hotel, Training, Spiel – viel mehr ist da nicht. Sightseeing verboten. Volle Konzentration auf die Handball-Europameisterschaft in Dänemark. Nun aber haben sich Sorgen und Ängste in die Vorfreude gemischt: Zwei Spielerinnen des ersten Gegners Rumänien wurden positiv auf das Coronavirus getestet; sie sollen sich zu Hause bei den Physiotherapeutinnen angesteckt haben und sind inzwischen vom Team isoliert. Gespielt werden soll an diesem Donnerstag um 18.00 Uhr trotzdem (live im Stream bei Sportdeutschland.tv). „Die letzten Tests der Rumäninnen waren am Dienstagmittag negativ. Alle Spielerinnen werden weiter getestet; das Spiel wird stattfinden“, sagte Axel Kromer, Vorstand Sport des Deutschen Handballbundes, am Mittwochnachmittag.

          Bei den deutschen Spielerinnen wurden die Nachrichten besorgt aufgenommen. So sagte Rechtsaußen Amelie Berger aus Bietigheim: „Es fühlt sich natürlich ein bisschen ungewiss an. Das Bubble-System, wie es versprochen wurde, ist kaputt. Es kann immer etwas passieren.“ Den deutschen Spielerinnen wird freigestellt, wie sie mit der Situation beim ersten Gegner umgehen. „Natürlich war das ein Thema innerhalb der Mannschaft“, sagte Assistenztrainer Alexander Koke. Er ersetzt in Dänemark vorerst Cheftrainer Henk Groener, weil Groener nach seiner Corona-Infektion noch nicht einreisen darf. Im Laufe des Mittwochs wollte die deutsche Delegation die Diskussion mit dem Team intensivieren – und versachlichen. Wer sich um seine Gesundheit sorge, ob mit Vorerkrankung oder ohne, solle am Donnerstag nicht spielen, sagte Kromer.

          Spielen zu Pandemiezeiten

          Kaum im grenznahen Kolding angekommen, sind die Deutschen also mit dem vorherrschenden Thema dieser Wochen und Monate konfrontiert: Das Unbehagen spielt mit. Bei einigen zumindest. Der gesamte Blick auf dieses erste große Turnier in Pandemiezeiten ist davon beherrscht, wie der Umgang mit dem Virus sein wird, ob es dem dänischen Ausrichter gelingt, im Alleingang eine „normale“ EM zu veranstalten – Norwegen ist abgesprungen.

          Der dänische Handballverband schultert diese Aufgabe mit Mut und dem Selbstbewusstsein vieler Großveranstaltungen vergangener Jahre. Spielorte sind Herning und Kolding. Der Europäische Handballverband (EHF) versucht, das Beste aus dem geschrumpften Turnier zu machen. Einige Fragen bleiben. Wie, zum Beispiel, sollte innerhalb einer Meisterschaft ein ausgefallenes Spiel nachgeholt werden?

          Sich der Situation anpassen

          Die deutsche Kapitänin Kim Naidzinavicius ist vom Naturell her jemand, dessen Glas halbvoll ist. Sie beharrt darauf, sich auf diese EM zu freuen. Viele Bücher sind im Gepäck, so viel hat sie verraten. Nicht nur die Hoffnung auf einen möglichst langen Verbleib im Turnier hat sie dazu gebracht, auf Vorrat einzupacken. Nein, es wird eine Europameisterschaft, bei der sich alle Spielerinnen an Abende im Einzelzimmer werden gewöhnen müssen. Da können Krimis die Langeweile verkürzen. Darüber hinaus sind Kartenspiele im Gepäck, Brettspiele, und der Teamraum im Hotel ist vorweihnachtlich geschmückt.

          Vorbei die traute Zweisamkeit früherer Turniere im Doppelzimmer. Das Hygienekonzept des DHB sieht strikte Trennung vor. „Wir müssen uns wechselnden Gegebenheiten stellen“, sagt Naidzinavicius, 29 Jahre alt, „die Voraussetzungen sind nicht optimal, aber wir sind nicht die Einzigen, die das trifft.“

          Ohne Vorbereitungsspiele, ohne Bundestrainer machen sich die Deutschen also auf, in der schweren Vorrundengruppe mit Rumänien, Norwegen und Polen zu bestehen. Dabei besteht weiterhin Hoffnung, dass Groener nachreist. Ihm geht es nach seiner Erkrankung gut. Noch sei sein Test positiv, sagte Kromer: „Wir brauchen einen sehr aktuellen negativen Test, bevor er nach Dänemark einreisen darf. Wir rechnen mit seiner baldigen Rückkehr, können aber keine Garantie abgeben.“

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          Groener ist seit knapp drei Jahren Chef; mit ihm verbindet sich ein Aufwärtstrend im deutschen Frauenhandball, der bei dieser EM auch sichtbar werden sollte: Ziel ist das Halbfinale. Doch nun ist vieles anders. Es sei ein „riesengroßes Problem“, ohne Groener starten zu müssen, hat Kim Naidzinavicius gesagt. Auf die deutsche Kapitänin und Abwehrchefin aus Bietigheim, eine stille Vertreterin, kommt mehr Führungsarbeit zu. „Sie muss nur so sein, wie sie ist“, setzt Chef-Vertreter Koke entgegen, „sie muss da keine andere Rolle besetzen.“ Also: die Defensive stützen, vorn die Angriffe anleiten und auch selbst torgefährlich bleiben – das sind ja auch genug Aufgaben.

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