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Handball-EM : Große Kunst von links

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Der fliegende Linksaußen: Uwe Gensheimer ist ein Spieler von Weltklasseformat Bild: dpa

Deutschland trifft in der Zwischenrunde der Handball-EM an diesem Samstag auf Gastgeber Serbien. Die Hoffnungen ruhen wieder auf Linksaußen Uwe Gensheimer.

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          Der Wurfwinkel war sehr ungünstig, Uwe Gensheimer wurde heftig bedrängt von einem schwedischen Abwehrspieler, und eigentlich war die Torchance fast schon dahin. Im letzten Moment aber, kurz bevor er aus dem Feld bugsiert wurde, nahm Gensheimer Maß und wuchtete den Ball doch ins Tor. Durch eine winzige Lücke zwischen Pfosten und Torwart. Solch ein Kunststück gelingt dem Mannheimer immer wieder mal, bei der Handball-Europameisterschaft in Serbien war es von besonderem Wert.

          Es demonstrierte die ganze Entschlossenheit der Deutschen, die sich nun - nicht zuletzt durch das couragierte Auftreten Gensheimers - neuen Aufgaben zuwenden können. Dem Duell mit Serbien am Samstag (20.15 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) in Belgrad und dem Kräftemessen danach mit Dänemark und Polen. Das sind die Gegner in der Hauptrunde, für die sich Deutschland mit dem 29:24 über Schweden qualifizierte. Als Gruppenerster sogar, mit einem Guthaben von vier Punkten, da sich Tschechien, gegen das die Deutschen verloren hatten, unerwartet von der EM verabschieden musste.

          „Der Traum lebt weiter“, sagte Abwehrrecke Oliver Roggisch, Teamkollege von Gensheimer bei den Rhein-Neckar Löwen. Es geht um frische Reputation für den deutschen Handball, um die Olympischen Spiele in London, die nun ein Stück näher gerückt sind. Weil Heubergers Team, das fast schon abgeschrieben war, peu a peu an Stabilität gewann in Nis.

          Im Telegrammstil beschrieb Roggisch, der gegen Schweden einen Nasenbeinbruch erlitt, die Entwicklung so: „Deutschland, Turniermannschaft. Erstes Spiel Katastrophe, zweites Spiel besser, drittes Spiel schon richtig gut.“ Sein Team habe ihn überrascht, sagte Heuberger am Donnerstag, im Positiven natürlich. Große Töne jedoch schlug er nicht an; er hatte oft genug erlebt, auch als Assistent von Heiner Brand, wie unbeständig die deutschen Handballspieler sein können.

          Der Spieler der Saison

          Immerhin gibt es immer wieder herausragende Kräfte. Wie Torhüter Silvio Heinevetter, der am Donnerstag unter Magenkrämpfen litt und trotzdem erstklassig parierte. Oder wie Gensheimer, neunfacher Torschütze gegen Schweden. Und ein Mann, dem generell Weltklasseformat zugeschrieben wird, als einem der wenigen Deutschen. Zuletzt war der Linksaußen in der Bundesliga auch zum „Spieler der Saison“ gewählt worden. Bei seinem Klub, der bei seiner Jagd nach Titeln noch erfolglos blieb, gilt der 25 Jahre alte Mannheimer längst als eine Galionsfigur. Ein Mann wie Gensheimer, hochbegabt und in der Region verwurzelt, ist von großer Bedeutung für die Außendarstellung, für den Brückenschlag zum Publikum.

          Er ist so etwas wie das „deutsche Gesicht“ seines Vereins, der eine ganze Reihe von Ausländern beschäftigt. Die Löwen haben Gensheimer deswegen langfristig an sich gebunden; sein angeblich sehr gut dotierter Vertrag bei den Nordbadenern läuft bis 2014. Geschäftsführer Thorsten Storm bezeichnete den Linksaußen als einen „Handballer aus Leidenschaft“ und bei anderer Gelegenheit als „Naturhandballer“. Das soll auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass Gensheimer stets danach trachtet, seine technischen Fähigkeiten zu verbessern, zum Beispiel dem Ball bei den Würfen vom Rande des Platzes einen ganz speziellen Dreh zu geben. Gensheimer findet selbst, dass er da schon sehr weit gekommen sei.

          Oliver Roggisch fasst zusammen: „Deutschland, Turniermannschaft. Erstes Spiel Katastrophe, zweites Spiel besser, drittes Spiel schon richtig gut“

          Er zähle zu den Besten, sagt er. „Ich glaube, das kann ich sagen, ohne überheblich zu sein.“ Für ihn ist das auch das Ergebnis seines Eifers bereits als Handball-Schüler. Er sei immer kreativ gewesen, betont Gensheimer: „Ich habe Dinge ausprobiert, das war schon in der Jugend so.“ Und er kann als Beispiel dafür angesehen werden, dass die Bundesliga auch deutschen Spielern Möglichkeiten bietet, sich zu etablieren.

          Gensheimer spricht meist mit leiser Stimme, er tritt freundlich und verbindlich auf. Er ist sich zwar seiner Qualitäten bewusst, neigt allerdings nicht dazu, sie allzu sehr hervorzuheben. Vor der Reise von Nis nach Belgrad zum Beispiel sagte der trickreiche Linksaußen, dass er durchaus noch mehr aus sich herausholen könne: „Ich habe noch Luft nach oben.“ Dem deutschen Handball erwies er jetzt schon einen exzellenten Dienst.

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