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Handball : Ein bißchen Abenteuer mit Überstunden

  • -Aktualisiert am

Handarbeit: Der Kieler Linders spielt sich frei. Bild: dpa/dpaweb

Es ist auch immer ein bißchen Abenteuer, wenn deutsche Vereine die Champions League im Handball spielen. Geld verdienen kann man erst ab dem Viertelfinale - und glücklicherweise scheint der Weg dorthin nicht so schwer zu sein in diesem Jahr.

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          Champions League im Handball, das bedeutet immer auch Überraschung und ein bißchen Abenteuer für die deutschen Vertreter. Als der THW Kiel im Sommer erfuhr, daß einer der Gruppengegner der HC Brest sein würde, freute man sich auf eine entspannte Dienstreise ins nordwestliche Frankreich zu einem vergleichsweise schwachen Gegner. Brest ist zudem Partnerstadt Kiels. Ein Glückslos! Doch Europa ist groß geworden, und Brest gibt es zweimal auf dem Kontinent: neben Frankreich noch in Weißrußland, knapp 1200 Kilometer entfernt von Kiel an der weißrussisch-polnischen Grenze liegend. Die Freude des Kieler Managers Uwe Schwenker über eine günstige Anfahrt war dahin.

          Die Kieler nehmen ja zum neunten Mal Anlauf, endlich die Champions League zu gewinnen, und es gab schon Vorrunden, da waren die Kosten für die teuren Charterflüge in den europäischen Osten höher als die Einnahmen aus den drei Heimspielen. "Geld verdienen kann man erst ab dem Viertelfinale", sagt Schwenker, und das gilt auch für dieses Jahr.

          Qualität verwässert

          Der Weg dorthin scheint nicht so schwer zu sein für den deutschen Meister: Vor nur 5.000 Zuschauern in der Ostseehalle gewann der THW problemlos 35:28 gegen Brest HC Meshkov. Trainer Zvonimir Serdarusic sagte: "Dieses Mal sollten alle spielen. Ich habe auch alternative Abwehrformationen und Abwehrpositionen einzelner Spieler testen können." Die Kieler haben fünf neue Profis.

          Doch wäre es denkbar, daß ein deutscher Fußballverein in der kontinentalen Königsklasse testete? Die Vergrößerung der Handball-Champions-League vor vier Jahren auf 32 Vereine hat ihre Qualität in den Gruppenspielen verwässert, denn etwa die Hälfte der Klubs hat, vor allem was die Organisation angeht, nicht das Niveau der Vereine aus Deutschland, Spanien und Slowenien. Das merkte auch der Meisterschafts-Zweite aus Flensburg beim tschechischen Meister Banik Karvina. Spieltermin: vormittags, 10.30 Uhr. Die Stadthalle von Karvina war mit 800 Zuschauern nur halb gefüllt, die Stimmung verschlafen, wie Manager Thorsten Storm berichtete.

          Was es alles so gibt in Europas Handball

          Die SG Flensburg-Handewitt fand schwer ins Spiel, bis zur 45. Minute hielten die Tschechen gut mit, am Ende aber siegte die SG ungefährdet 28:22. Wie überzeugt die Flensburger von ihrem Erfolg waren, zeigte die Tatsache, daß der zweite Torwart Dan Beutler sechzig Minuten durchspielen durfte. Er bedankte sich mit 23 Paraden für das Vertrauen. Alles richtig gemacht, fand der Flensburger Trainer Kent-Harry Andersson: "Wir haben mit sechs Toren gewonnen, mehr kann man in der Champions League auswärts nicht erwarten."

          Die größte Hürde hatte der dritte deutsche Klub vor sich, der SC Magdeburg. Die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason spielte beim russischen Meister Medwedi Tschechow, 100 Kilometer von Moskau entfernt. Dort gewannen die Magdeburger 30:25. Gislason sagte: "Das war eine geschlossene Mannschaftsleistung. Ich bin sehr zufrieden." Der Gegner spielt übrigens in einer merkwürdigen Liga: Mangels Klasse im russischen Handball-Oberhaus wird die zweite Mannschaft von Medwedi Tschechow fast jedes Jahr Dritter in der Meisterschaft.

          Was es so alles gibt im europäischen Vereinshandball, erlebte der THW Kiel schon vor dem Brester Gastspiel: Um den Gast entsprechend zu empfangen und zu wissen, wann man die Dolmetscherin brauchte, erfragte der THW die Brester Reisedaten - ein schwieriges Unterfangen. "Wir kommen mit dem Bus von Hamburg, vorher Flugzeug von Minsk", hieß es zunächst. Das erwies sich als zu teuer. Nächste Information: Donnerstag, 10.45 Uhr, Hauptbahnhof Kiel. Doch zu dieser Zeit gab es keinen Zug. Die Kieler Geschäftsstelle recherchierte selbst: Freitag, 15.36 Uhr, hieß die neue Ankunftszeit des weißrussischen Meisters. Und tatsächlich, es stiegen Handballspieler aus. Die avisierte Brester Rückfahrt am Samstag, 18.02 Uhr, erwies sich dann wieder als falsch: Kein Zug um diese Uhrzeit. Überstunden für die Dolmetscherin.

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