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Handball : Die nächste Generation ist gefragt

  • -Aktualisiert am

Bester Torschütze gegen Slowenien: Stefan Schröder Bild: dpa

Sie heißen nicht mehr Baur, Schwarzer oder Klimovets, sondern Schröder, Müller oder Späth. Junge deutsche Handballer haben das Parkett erobert und frühzeitig die EM-Endrunde erreicht. Diesen Mittwoch spielen sie gegen Weißrussland.

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          Es gibt Tage, da gelingt einer Mannschaft fast alles. Am Samstag waren 47 Minuten gespielt zwischen dem deutschen Handball-Nationalteam und dem slowenischen, als zwei deutsche Akteure zugleich eine Zeitstrafe absaßen. Zunächst entschärfte Torwart Johannes Bitter den slowenischen Angriff. Dann warf Stefan Schröder im Gegenzug für vier Deutsche gegen sechs Slowenen das nächste Tor.

          Die deutsche Nationalmannschaft überrannte Slowenien an diesem Tag mit 38:30 und qualifizierte sich dadurch vorzeitig für die Europameisterschaft 2010 in Österreich. Bei diesem sechsten Sieg im sechsten Qualifikationsspiel zeigte sie laut Bundestrainer Heiner Brand „so viel Leidenschaft, so viel Kampfgeist und so viel Zusammenhalt“, dass sie wohl auch unter umgekehrten Voraussetzungen ständig getroffen hätte: mit Johannes Bitter auf Rechtsaußen und Stefan Schröder im Tor. Im vorletzten EM-Qualifikationsspiel an diesem Mittwoch in Stuttgart gegen Weißrussland (19:30 Uhr) rückt allerdings Nordhorns Torhüter Nicolas Katsigiannis für Bitter in den Kader.

          Die neuen Namen sind Müller, Schröder, Strobel, Späth

          Die beiden wurden von den 9000 Zuschauern aber auch so am lautesten gefeiert. Das Spiel fand in der Hamburger Color Line Arena statt, der Halle ihres Vereins HSV Hamburg. Schröder war dazu noch mit elf Treffern der erfolgreichste Torschütze. „So ein Spiel in seinem eigenen Wohnzimmer zu machen ist schon etwas Besonderes“, sagte er. Jahrelang stand Schröder auf seiner Position im Schatten von Florian Kehrmann. Nun wird er dank des Umbruchs im deutschen Team immer wichtiger.

          Michael Müller warf die zweitmeisten Tore
          Michael Müller warf die zweitmeisten Tore : Bild: dpa

          Es war ja nicht nur Kehrmann, der am Samstag im Vergleich zum WM-Finale 2007 fehlte. Baur, Schwarzer oder Klimovets sind gar nicht mehr dabei, Jansen, Hens und Glandorf verletzt. Für sie rücken nun andere, jüngere Spieler nach: Michael Müller (24) warf nach Schröder die zweitmeisten Tore (8). Martin Strobel (23), Uwe Gensheimer (22) oder Manuel Späth (23) kamen ebenfalls zum Einsatz. Das Zusammenspiel in der neuen Mannschaft klappt gut, besser, als es angesichts dieses Umbruchs zu erwarten war. „Ich bin überrascht, wie geschlossen wir schon auftreten. Wir verbessern uns stetig“, sagte Schröder. Der Abend von Hamburg sendet neben der geglückten EM-Qualifikation somit eine zweite Botschaft aus: Man muss sich im deutschen Handball nicht nur an neue Gesichter gewöhnen. Sie spielen auch noch eine immer prägendere Rolle.

          Das große Ziel ist aber Olympia 2012

          Bei der Nationalmannschaft der Frauen ist das ähnlich. Sie hatte sich unmittelbar vor dem Spiel der Männer für die WM im Dezember in China qualifiziert. Nach dem Hinspiel gewann sie auch das Rückspiel der Play-off-Runde gegen Serbien 22:19. Es war ein kluger Zug des Deutschen Handball-Bundes, beide Teams an einem Tag in einer großen Arena spielen zu lassen. Die Männer konnten so am Ende einer Saison, die im Zeichen massiver Bestechungsvorwürfe im Handball stand, noch einmal Werbung für ihren Sport betreiben. Und die Frauen profitierten von der Zugkraft der Männer. „Wir hatten schon gemunkelt, dass bei uns nur Eltern und Freunde in der Halle sitzen“, sagte die neue Rekordnationalspielerin Grit Jurack. Aber ihr 287. Länderspiel sahen 8500 Besucher.

          Etwas abseits des Jubels über die geschaffte WM-Qualifikation stand der neue Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann. Er hatte die Mannschaft erst im April von Armin Emrich übernommen. „Ich muss den Spielerinnen ein Kompliment machen. Die Vorbereitungszeit war kurz, aber sie haben sehr konzentriert gearbeitet“, sagte er. Osmann hatte im Spiel gegen Serbien gesehen, dass sein Team weiterhin stark von Grit Jurack und der überragenden Torfrau Clara Woltering abhängig ist. Aber auch er möchte seine Mannschaft verjüngen. Am Samstag stellte er die noch wenig erfahrene Christine Beier (25) in die Abwehr. Franziska Mietzner (20) und Susann Müller (21) erhielten ihre Chancen im Rückraum. „Es ist gut, dass die Mannschaft bei der WM mitspielen kann, um sich zu festigen. Das große Ziel ist aber Olympia 2012, darauf ist unsere Arbeit ausgerichtet“, sagte Osmann.

          Nüchtern-kritische Distanz auch im Erfolgsfall

          2001 wäre er beinahe Assistent von Heiner Brand geworden. Er entschied sich aber zunächst, das Nationalteam Österreichs zu übernehmen. Dabei könnten die beiden gut mit- statt nur nebeneinander arbeiten. Sie bewahren sich selbst im Erfolgsfall eine nüchtern-kritische Distanz. Osmann sprach am Samstag unverblümt an, dass er erwartet hatte, „dass einige junge Spielerinnen weiter sind. Vor allem im linken Rückraum muss etwas passieren.“ Auch Heiner Brand war erkennbar bemüht, den Enthusiasmus nach dem Sieg gegen Slowenien zu bremsen. „Wir haben zwar in diesem Jahr einen Grundstein gelegt und seit der WM in Kroatien auch spielerisch einen Schritt nach vorne gemacht. Aber um bei einem großen Turnier um die Medaillen mitspielen zu können, müssen wir uns noch steigern.“

          Die beiden noch ausstehenden Qualifikationsspiele gegen Weißrussland und Israel (Sonntag, 18:30), kommen da gerade recht. Sie sind zwar jetzt auf dem Papier bedeutungslos, aber Brand möchte sie nutzen, „um uns weiter einzuspielen“. Als einer der wenigen Spieler wird sich auch Stefan Schröder darauf freuen. Während die meisten anderen nach einer langen Saison urlaubsreif sind, dreht er noch einmal richtig auf. Am letzten Bundesliga-Spieltag warf er 21 Tore für den HSV. Am Samstag folgten elf in der Nationalmannschaft. Als er danach von Journalisten umringt wurde, kam der verletzte Pascal Hens vorbei. „Du weißt wohl noch nicht, dass die Saison vorbei ist“, rief er Schröder zu. „Du spielst ja so, als hätte sie gerade erst angefangen.“

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