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Handball : Die Kieler Schattenseite

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Früherer THW-Manager Schwenker (Foto: im März 2009): „Ich habe den Transfer von Vujin auf den Weg gebracht” Bild: dpa

Der THW gewinnt das Handball-Derby in Flensburg - doch die Spekulationen über eine mögliche Rückkehr von Uwe Schwenker reißen nicht ab. Der juristisch nicht aufgearbeitete Kieler Handballskandal bietet ihnen besten Nährboden.

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          Das Derby hatten sie am Ende sicher gewonnen, in der Zukunftsplanung war der THW Kiel ein gutes Stück vorangekommen – man hätte sich Uli Derad am Mittwochabend als glücklichen Menschen vorstellen können. Doch das Lächeln des Kieler Geschäftsführers wirkte gequält, und die Freude über das 37:31 seines THW beim Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt wollte sich nicht so recht einstellen. Derad erlebt gerade schwere Tage an der Kieler Förde.

          Er kämpft gegen die Schatten der Vergangenheit: Seit anderthalb Jahren in Diensten der Kieler, muss er sich gegen den Eindruck wehren, nicht er sei der neue Lenker des THW Kiel in den Zeiten nach dem Skandal um angeblich verschobene Spiele in der Champions League. Hartnäckig hält sich nämlich das Gerücht, dass sein Vorgänger Uwe Schwenker im Hintergrund munter weiterwerkelt. Jüngst soll das beim Transfer des ungarischen Rückraumspielers Marko Vujin so gewesen sein. Vujin wird zur übernächsten Saison nach Kiel wechseln. „Ich habe den Transfer auf den Weg gebracht“, sagte Schwenker freimütig.

          Schwenker ist im Handball bestens vernetzt und darf sich als freier Mann fühlen, weil immer noch unklar ist, ob die 5. Große Strafkammer des Kieler Landgerichts den Prozess gegen Schwenker und den ehemaligen Kieler Trainer Zvonimir Serdarusic wegen Betrugs und des Verdachts der Untreue eröffnet. Die Sache zieht sich in die Länge, und von Insidern ist zu hören, dass die Strafkammer den Untreueverdacht wohl fallen lassen werde. Was auch immer juristisch passiert – dass Schwenker wieder mitmischt, kann Derad natürlich gar nicht gefallen. Pikant ist dabei, dass Schwenker und der Kieler Trainer Alfred Gislason gut befreundet sind.

          Derad sagte dieser Zeitung, er sei amüsiert, was so alles spekuliert werde. Der Transfer Vujins sei von ihm abgewickelt worden. Derad sagte: „Ich kann versichern, dass Uwe Schwenker nach dem 30. Juni 2009 nicht für den THW Kiel tätig geworden ist.“ Doch gegen die Kieler Gerüchte kann sich der redliche und sachliche Derad kaum wehren. Im Umkreis des Vereins wird schon spekuliert, dass es für Schwenker eine Rückkehr auf Honorarbasis geben könnte, sobald das Gericht die Anklage fallen lasse. Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Heinrich Vater dementierte umgehend.

          Wiedersehen mit Serdarusic

          Vater gilt als Aufräumer im Kieler Skandal und als Vertrauter Derads. Beide wissen, dass es bei allen Verdiensten Schwenkers ein verheerendes Signal für die Glaubwürdigkeit des THW wäre, sollte er zurückkehren – in welcher Form auch immer. Dass Schwenker den Kontakt zu einigen Spielern per SMS hält und seinen Stammplatz in der Ostseehalle hat, macht die Sache für Derad nicht leichter.

          Die Spekulationen fallen in eine Woche, in der es auch an anderer Stelle ein Wiedersehen mit der Vergangenheit geben wird. Denn am Sonntag spielt der THW in der Champions League bei RK Celje, dem neuen Verein Serdarusics. Seit neun Monaten trainiert er die Slowenen, inzwischen nur noch den Top-Klub des Landes, nicht mehr die nationale Auswahl – diesen Job kündigte er am Mittwoch aus gesundheitlichen Gründen, und weil er mit der Verbandsspitze aneinander geriet. Es wird ein Wiedersehen in Freundschaft, denn viele Kieler Profis verehren den ehemaligen Coach weiterhin.

          Weiterhin bester Nährboden für Spekulationen

          Dass sich Serdarusic allerdings weigert, vor der Strafkammer auszusagen, hat ihn viel von seiner Glaubwürdigkeit gekostet. Das schert nicht jeden: Immer noch ist er als Nachfolger Martin Schwalbs beim HSV Hamburg im Gespräch. Man merkt also, dass der vor mehr als anderthalb Jahren aufgeflogene (vermeintliche) Betrug beim THW Kiel weiterhin besten Nährboden für Spekulationen bietet.

          Die Mannschaft des THW scheint das alles gar nicht zu kümmern. Am Mittwoch war es Christian Zeitz, der die Kieler mit seinen Toren und seiner Cleverness in der zweiten Halbzeit zum Sieg führte. Die SG hatte in einem der besseren Derbys ja lange geführt und in Carlén und Boesen die Spieler des Abends gehabt. Am Ende aber ging dem schmalen Kader der Flensburger die Puste aus und der THW Kiel zog davon. Zeitz berichtete später, in der Kabine sei es zur Pause ganz ruhig gewesen: „Wir wissen doch, wie gut wir sind.“ Er selbst wartet noch auf seine Vertragsverlängerung, will aber bleiben; Derad will ihn auch halten. Ob es ihn nicht störe, dass in Vujin ein weiterer Spieler für seine Position gekauft worden sei? Zeitz sagte: „Warum? Dann werden wir noch stärker.“

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