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Handball : Maximal belastend

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Hart im Geben und Nehmen: Die Handballer der Rhein-Neckar-Löwen (in gelb) Bild: dpa

Die Rhein-Neckar Löwen sind im Stress. Sie müssen zwei Auswärtsspiele in zwei Wettbewerben an zwei Tagen absolvieren. Als Ausweg stand zur Debatte, die zweite Mannschaft zu schicken.

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          Selbst für Handball-Verhältnisse ist eine solche Belastung ungewöhnlich – oder sollte man sagen, irrsinnig? An diesem Samstagabend spielen die Rhein-Neckar Löwen um 18.10 Uhr (Live im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-Bundesliga) beim SC DHfK Leipzig. Sie werden sich nach der Bundesligapartie in den Bus setzen, nach Berlin fahren und in einem Hotel nahe des Flughafens übernachten. Dann geht es am Sonntag mit dem Linienflug nach Barcelona. Dort tritt der deutsche Meister am Sonntagabend um 19 Uhr in der Champions League an. Die Videoanalyse des Gegners wird es wohl oder übel auf der Straße geben.

          Zwei Auswärtsspiele an zwei Tagen – eine verfahrene Situation, die Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann zu einem ungewöhnlichen Plan bewog: „Wenn ich die Entscheidung allein getroffen hätte, wäre die zweite Mannschaft nach Barcelona gefahren. Das wäre zumindest mal ein klares Zeichen an alle Beteiligten gewesen.“ Mannschaft und Trainer Nikolaj Jacobsen waren dagegen, als Kettemann sie vor rund drei Wochen damit konfrontierte. „Für sie ist das Spiel in Barcelona etwas Besonderes, und es hat auch mit sportlichem Respekt vor dem Gegner zu tun. Deswegen verstehe ich unsere Spieler, sie wollten das unbedingt“, sagte die Geschäftsführerin.

          Der Hintergrund der Terminballung ist, dass in vielen ausländischen Ligen die Champions League sportlich und finanziell deutlich mehr bedeutet als die nationale Meisterschaft. Deshalb werden die Topspiele am Wochenende zu attraktiven Zeiten ausgetragen. Doch in Deutschland kollidiert das mit der florierenden Bundesliga, die ja ebenfalls gern am Wochenende spielt. Die Fußballregelung – unter der Woche europäisch, am Wochenende heimisch – greift im Handball wegen dieser unterschiedlichen Interessen der nationalen Verbände nicht.

          Die Bundesliga-Vertretung HBL will attraktive Spielzeiten für ihre Vereine, was ja verständlich ist, deshalb liegen die Champions-League-Spiele der deutschen Vertreter Löwen, Kiel und Flensburg oft in Randzeiten. Auch das Fernsehen mischt mit. Seit dieser Saison liegen die TV-Rechte in der Bundesliga und der Champions League vor allem beim Bezahlsender „Sky“. Das Champions-League-Heimspiel der Löwen gegen Zagreb etwa fand an einem Donnerstag um 21 Uhr statt, weil es vorher bei „Sky“ Live-Partien der Bundesliga gab.

          Der Streit zwischen Europäischem Handballverband (EHF) und der HBL eskaliert gerade; schon drohte der EHF, bald gebe es nur noch einen deutschen Starter in der Königsklasse, wenn sich die HBL in Sachen Termine nicht auf den EHF zubewege.

          Neun Auswärtsspiele im November

          Fürs Erste bleibt alles, wie es ist: maximal belastend. Vor allem für die Löwen. Kettemann sagt: „Wir sehen ein, dass andere Märkte andere Interessen haben. Es geht auch nicht darum, Schuldige, sondern gute Lösungen zu finden. Für den Moment aber sind wir als Rhein-Neckar Löwen eines der größten Opfer des Systems. Wir haben nicht nur zwei Spiele an zwei Tagen, sondern neun Auswärtsspiele im November. Das liegt auch daran, dass unsere SAP-Arena manchmal mit anderen Veranstaltungen belegt ist.“

          Noch sind die Mannheimer erfolgreich. Die Frage ist, wie lange sie die Strapazen überstehen?

          Der unangenehme Doppeltermin an diesem Wochenende beschäftigt sie schon länger. Kettemann sagt: „Wir haben in intensiven und kooperativen Gesprächen mit Barcelona verschiedene Konstellationen durchgespielt. Letztlich gab es aus ihrer Sicht keinen anderen Termin. Eine Verlegung des Spiels in Leipzig war keine Option, auch wegen der Live-Übertragung in der ARD.“ Klar. Auch der Verein hat Interessen. Bei allem Stress.

          Dabei beeindruckt, wie stabil und siegreich das Team durch die anstrengenden Tage marschiert: Die letzte Niederlage gab es Anfang September in Flensburg. Schlecht nur, dass es nach Barcelona kaum besser wird. Am nächsten Donnerstag spielen die Löwen in Melsungen. Dann, am Samstag, in Skopje. Vier Spiele in einer Woche, alle in der Fremde. „Meine größte Sorge ist, dass sich Spieler wegen der Belastung verletzen“, sagte Kettemann, „ich bin heilfroh, wenn die Tage herum sind.“

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