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Handball-Champions-League : Vom unsichtbaren Gegner ausgeknockt

  • -Aktualisiert am

Das Mienenspiel sagt alles: Flensburgs Spieler nach dem Abpfiff auf dem Spielfeld Bild: dpa

Spielen bis zum Umfallen: Kiel und Flensburg scheitern entkräftet im Champions-League-Viertelfinale. Damit findet das Finalturnier in Köln ohne deutsche Beteiligung statt.

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          Wer große Spiele verloren hat, fahndet nach Ursachen. Einer macht das selbstkritisch, andere fangen bei den Schiedsrichtern an. Dritte hadern mit Verletzungen. Meist führen Mischformen zum Ziel.

          Was den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt nach zwei packenden, im Ergebnis aus deutscher Sicht bitteren Handballspielen eint, war die Erkenntnis, dass die Belastungen des allzu straffen Programms der vergangenen Monate am Mittwochabend nicht mehr auszugleichen waren. Kiel gegen Paris, Flensburg gegen Aalborg – die Vorzeigeklubs scheiterten im Viertelfinale der Champions League. Sie gingen jedoch auch gegen einen unsichtbaren Gegner in die Knie: die Belastung.

          Körperlich „total am Limit“ sei die Mannschaft, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek den „Kieler Nachrichten“. Der Nationalspieler konnte am Mittwochabend schon nicht mehr mithelfen, den Kieler 31:29-Hinspielvorsprung zu verteidigen: Er hatte sich gegen Paris eine Woche zuvor das Wadenbein gebrochen. Ohne den Abwehrbrocken unterlag der THW 28:34 und wird seinen Titel vom Dezember 2020 nicht verteidigen können, wenn am 12. und 13. Juni der neue Sieger gesucht wird.

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          Der THW besitzt einen breiten Kader. Trainer Filip Jicha hatte in den vergangenen Bundesligaspielen Bankdrückern Einsatzminuten spendiert. Er verteilte die Kräfte, so gut es ging, und die Kieler ließen mit ihrer beeindruckenden Arbeitsmoral keine Punkte liegen. Aber das zieht natürlich Energie. Glückte der Sieg gegen Paris noch nach einem faszinierenden Kraftakt, waren am Ende des Spiels in Frankreich die Akkus leer – zumal Sander Sagosen nach einer unnötigen Zeitstrafe sechs Minuten vor Schluss die Rote Karte sah. Es war nicht die einzige Entscheidung der spanischen Schiedsrichter, die für Kopfschütteln und Proteste auf der Kieler Bank sorgte.

          Jicha hat das brutale Programm dieser Saison mehrfach kritisiert. Dass K.-o.-Spiele der Champions-League zwischen wichtigen Spielen der Liga stecken, ist ein alter Befund – seit 2014 hatte kein deutscher Klub mehr in der Meisterklasse gesiegt, und das hing stets auch mit den Strapazen im Alltag zusammen. Als die Kieler im vergangenen Dezember so begeisternd in Köln triumphierten, hatten sie zuvor eine Zufallspause zur Regeneration bekommen: Corona-Quarantäne. Diesmal trafen sie direkt aus der Handball-Mühle kommend auf Paris. Die französische Liga ist nicht schlecht, aber kleiner und unausgeglichener als die Bundesliga.

          Das gilt erst recht für das dänische Oberhaus – trotzdem entsendet es nun zum ersten Mal einen Teilnehmer nach Köln. Mit einem Treffer in den Schlusssekunden sicherte sich Aalborg das Ticket. Schon nach dem überraschenden 26:21 im Hinspiel hatten die Dänen eine Hand an der Fahrkarte. Die SG Flensburg gewann am Mittwochabend zwar 33:29, führte in der 46. Minute beim 27:21 auch mit den nötigen sechs Toren, schaffte die erste Qualifikation für die Endrunde seit 2014 aber dann doch nicht.

          Den Preis zahlen die Profis

          Auch wenn die Gründe des Ausscheidens in der schläfrig und unkonzentriert geführten Partie in Nordjütland lagen, wirkte dieses Ausscheiden im Resultat doch niederschmetternd: „Für mich persönlich ist das die bitterste Niederlage meiner Trainerlaufbahn“, sagte Trainer Maik Machulla. Wie Kiel zahlt sein Team die Zeche der gnadenlosen Belastung dieser Corona-Spielzeiten. Drei Langzeitverletzte fehlen der SG seit Monaten. Im Rückraum sind die Flensburger so dünn besetzt, dass Regisseur Jim Gottfridsson durchspielt, obwohl er kaum laufen kann.

          War die SG als deutscher Meister der Jahre 2018 und 2019 ungeschoren davongekommen, dezimieren Verletzungen den Kader jetzt stets aufs Neue: Gegen Aalborg sackte Torwart Benjamin Buric zusammen und musste in die Kabine.

          Kiel fehlte die Kraft für mehr, Flensburg mangelte es an Alternativen – ein formstarker Ergänzungsspieler hätte am Mittwoch genügt, um nach Köln reisen zu dürfen und schon mal mehr als 300.000 Euro Prämie sicher zu haben. Den Kader noch breiter zu machen, dürfte den Spitzenteams eine Lehre dieser Spielzeit sein.

          Es ist eine eigenartige Saison; alle Klubs sind drauf eingeschworen, Opfer zu bringen, um den Profihandball sichtbar und am Laufen zu halten. Deshalb ist die öffentliche Kritik der meisten Verantwortlichen an der Belastung zaghaft. Den Preis zahlen die Profis – sichtbar gerade in Kiel und Flensburg, wo weiterhin gilt: Stolpern verboten. Ab sofort spielen die in der Tabelle gleichauf liegenden Nordrivalen nur noch um die deutsche Meisterschaft.

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