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Handball: Champions League : Die Schiedsrichter pfiffen übrigens gut

  • -Aktualisiert am

Gute Leistung: Gregorio Muro (l.) und Alfonso Rodriguez Bild: dpa

Champions League im Handball: derzeit vergeht keine Partie ohne neue Gerüchte - auch nicht das Viertelfinalhinspiel zwischen der SG Flensburg-Handewitt und dem HSV (25:28). Doch es gab auch Positives: die Geheimhaltung der Schiedsrichteransetzung und die Leistung der Referees.

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          Fünf Minuten nach dem Anpfiff wurden frisch kopierte Spielberichtsbögen verteilt; das Feld mit den Namen der Schiedsrichter war nun ausgefüllt. Die Herren in Orange hießen also Gregorio Muro und Alfonso Rodriguez und kamen aus Spanien. Die Geheimhaltung des Europäischen Handballverbandes (EHF) war erfolgreich: in der Flensburger Campushalle wusste am Mittwochabend tatsächlich kein Vereinsvertreter, wer das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen der SG Flensburg-Handewitt und dem HSV Hamburg leiten würde.

          Der Plan der EHF in Zeiten der schwersten Handball-Krise ist schlicht, aber aussichtsreich: wenn die Unparteiischen erst kurz vor Beginn in der Halle auftauchen, haben die Klubs kaum eine Möglichkeit, sie zu bestechen (siehe: Die nächste Handball-Affäre: Verraten und verkauft). Diese Regeländerung könnte eine sinnvolle Reaktion des viel zu lange zögerlichen Verbandes auf die Manipulationsaffäre um vermeintlich gekaufte Champions-League-Spiele des THW Kiel sein. Das empfanden Spieler und Verantwortliche so. Nationaltorwart Johannes Bitter vom HSV sagte: „Egal, ob es stimmt, was wir alles hören - es kann nur richtig sein, dass die Schiedsrichter so spät wie möglich angesetzt werden.“

          Mehr Geld sollte es geben

          Es gehe jetzt darum, möglichst viele Schlupflöcher zu schließen, sagte Peter Krebs: „Fortan wird es so sein: die Tür wird sich zwei Stunden vor dem Spiel öffnen, und wir werden sagen: hallo, da sind die Schiedsrichter. Da kann man als gastgebender Klub in der Dosis der Betreuung nicht mehr daneben liegen.“ Der Manager des HSV war in den vergangenen Wochen schon mit deutlichen Worten und intelligenten Lösungsvorschlägen positiv aufgefallen - womöglich fällt ihm das leichter, weil er den HSV im Sommer verlässt. „Es sieht so aus, dass wir einen Fehler im System hatten“, meinte er am Mittwoch, „nun könnte das ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.“

          Torschütze: Pascal Hens traf gegen Flensburg - ein Mal

          Ab Mai wird der Deutsche Handball-Bund (DHB) in Sachen Schiedsrichter-Ansetzung dem Beispiel der EHF folgen. Mehr Geld als die lausigen 400 Euro bei einem Bundesliga- und 500 Euro bei einem Europapokalspiel müsste zudem bezahlt werden, findet Krebs. Er empfahl auch, dass sich DHB und EHF in der Überwachung der Spiele das Unternehmen „betradar“ als Frühwarnsystem zur Hilfe nähmen. „Es ist ein Fehler, das nicht längst getan zu haben. Man sollte betradar schnellstens beitreten.“ Mit „betradar“ können verdächtig hohe Wetteinsätze auf merkwürdige Spielergebnisse sichtbar gemacht werden.

          Die Schiedsrichter pfiffen übrigens gut

          Keine Partie ohne neue Gerüchte - das war auch beim 28:25 des HSV in Flensburg so. Nach Informationen des NDR soll es beim letzten Saisonspiel 2008/2009 der Flensburger gegen GWD Minden nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Als Außenseiter gewann Minden damals und blieb in der Liga. Nettelstedt stieg ab. Hummel, Ausrüster von SG und GWD, soll seine Finger im Spiel gehabt haben, auf Flensburger Spieler zugegangen sein und etwas weniger Einsatz verlangt haben, so der NDR. Damit konfrontiert, sagte der Flensburger Lars Christiansen, Inhaber eines Hummel-Geschäfts in Hamburg: „Ich kann versprechen, dass keiner bei der SG Flensburg mit Absicht verliert. Ich arbeite seit vielen Jahren mit Hummel zusammen. Die würden so etwas nie verlangen.“

          Auch in dieser Sache war Hamburgs Peter Krebs informiert. Er sagte: „Man sollte jetzt nicht jedes Spiel mit der Lupe anschauen. Ich habe das Spiel auf Video zuhause. Für Flensburg ging es um nichts mehr, eine enttäuschende Saison endete für sie. Das war der Grund für die Niederlage.“ Die spanischen Schiedsrichter pfiffen beim deutschen Viertelfinal-Duell übrigens gut. Sagen wollten sie später nichts. Geschmunzelt wurde darüber, dass die beiden vor der Fahrt nach Flensburg in einem Hamburger Flughafen-Hotel übernachtet hatten. Vielleicht wusste der HSV ja doch, in welchem?

          Kiel erhält Akteneinsicht

          So wird in einem Raum voller Verdächtigungen derzeit über den Handball gesprochen. Die Profis hoffen auf ein reinigendes Gewitter: „Ab sofort wird jedes Spiel in der Champions League ordentlich gepfiffen“, sagte der Hamburger Marcin Lijewski, „das ist ein großer Fortschritt.“ Derweil werden die beiden Anwälte des THW in den nächsten Tagen die Ermittlungsakten der Kieler Staatsanwaltschaft einsehen dürfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen THW-Manager Uwe Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen den ehemaligen Trainer Zvonimir Serdarusic wegen des Verdachts der Beilhilfe zur Untreue. Vielleicht werden aus Spekulationen bald Fakten, und der Verein reagiert in welcher Form auch immer. Bislang hat Kiel alle Anschuldigungen bestritten (siehe: Handball-Affäre: Die Kieler Ursünde und Kieler Handball-Affäre: Der Geschäftsmann in Zagreb).

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