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Drohbrief an Bundestrainer : Gislason lässt sich keine Angst einjagen

  • Aktualisiert am

„Das ist eine große Enttäuschung für mich“: Alfred Gislason bekommt einen Drohbrief Bild: Reuters

Handball-Bundestrainer Alfred Gislason ist Opfer von rassistischen Beleidigungen und massiven Drohungen geworden. Der Isländer reagiert enttäuscht, der Verband kündigt rechtliche Schritte an.

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          Der Schock saß Alfred Gislason noch in den Gliedern. „Das ist eine große Enttäuschung für mich. So etwas habe ich in 30 Jahren, die ich inzwischen in Deutschland lebe, noch nie erlebt“, sagte der Handball-Bundestrainer dem Sport Informations Dienst (sid), nachdem er am Dienstagmorgen einen an ihn adressierten anonymen Drohbrief aus dem heimischen Postkasten gefischt hatte: „Dieser Vorfall schafft es aber nicht, mir Angst einzujagen.“

          Der Deutsche Handballbund (DHB) verurteilte die rassistischen Beleidigungen und massiven Drohungen, die der Isländer Gislason in den Sozialen Medien veröffentlicht hatte, „aufs Schärfste. Wer ihn angreift, greift den gesamten deutschen Handball an“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning dem SID und kündigte an, mit aller Vehemenz gegen den oder die Täter vorzugehen: „Wir werden auf jeden Fall rechtliche Schritte einleiten.“

          Sollte Gislason, so steht es in dem Brief mit vielen Rechtschreibfehlern, sein Amt nicht niederlegen, werde man ihn auf seinem Grundstück aufsuchen. „Mal sehen was aus ihren Anwesen dann wird. Wir warten ab“, heißt es. Man wünsche sich „einen deutschen Trainer für die Handballmannschaft“. DHB-Präsident Andreas Michelmann reagierte in einer Verbandsmitteilung „entsetzt. Er ist sportlich unser Fels in der Brandung, jetzt sind wir menschlich sein Fels in der Brandung.“

          Gislason, der die deutsche Männer-Nationalmannschaft am vergangenen Wochenende in der Qualifikation zu den Olympischen Spielen nach Tokio geführt hatte, war um Deeskalation bemüht. „Für mich ist klar, dass es ein Einzelfall ist“, sagte der 61-Jährige, der mit seiner Frau auf einem Hof bei Magdeburg wohnt. Es sei „sehr eigenartig“, so Gislason, „dass jemand dieses Bedürfnis hat, dem Handball und auch mir persönlich zu schaden. Ich habe nie jemandem etwas getan.“

          Unterstützung erhielt Gislason aus der Handballwelt, unter anderem von seinem früheren Klub THW Kiel. „Leider nehmen diese Subjekte immer mehr Raum ein – lass Dich nicht unterkriegen, Alfred!“, schrieb der THW. Der DHB nannte Gislason das „Herz unseres Teams, mit Leidenschaft & absoluter Identifikation für unsere deutsche Nationalmannschaft. Wir stehen hinter dir, Alfred!“

          Gislason, langjähriger Bundesliga-Spieler und -Trainer betonte, er habe sich „immer gut gefühlt in Deutschland, und das wird sich nicht ändern. Man kann es ganz offensichtlich nicht allen Leuten recht machen.“ Alle weiteren Schritte werde er mit dem Verband besprechen. Im Laufe des Tages veröffentlichte Gislason noch ein Foto vom Briefumschlag. „Vielleicht erkennt jemand die Handschrift meines „Fans“ ...?“, schrieb der DHB-Coach dazu.

          Auch Sachsen-Anhalts Innen- und Sportminister Michael Richter (CDU) verurteilte die Anfeindung. „In unserer Gesellschaft ist kein Platz für Rassismus, Bedrohungen, Hass und Hetze“, sagte der Minister laut eines Tweets seines Ministeriums. „Wir sind ein weltoffenes Land und tolerieren das nicht.“

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