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Handball-Bundesliga : Zvonimir Serdarusic: Patient statt Trainer

  • -Aktualisiert am

Serdarusic: „Ich habe wieder große Schmerzen” Bild: REUTERS

Der geplante Wechsel von Trainer Serdarusic zu den aufstrebenden Rhein-Neckar Löwen kommt nicht zustande. Fraglich ist nun auch, ob der weltbeste Handballer Karabatic einen Wechsel zu den Löwen weiterhin forcieren wird.

          Vielleicht ist dieses spannende Projekt nun gescheitert, bevor es richtig begonnen hat. Zvonimir Serdarusic wird nicht Trainer der Rhein-Neckar Löwen - für den Handball eine Nachricht wie ein Donnerhall. Denn mit Serdarusic an der Spitze und Nikola Karabatic als wichtigstem Spieler wollte der Klub aus Mannheim die Vorherrschaft des THW Kiel brechen und schon 2010 deutscher Meister werden.

          Doch der 58 Jahre alte Serdarusic wird nicht wieder Handball-Trainer, sondern bleibt Patient: „Ich habe wieder große Schmerzen. Sowohl im Rücken als auch im Knie ist der Heilungsprozess nicht optimal, es hat neue Komplikationen gegeben“, sagte Serdarusic dem „Sportinformationsdienst“ (sid) am Mittwoch. „Ich werde bis zum Sommer nicht in der Verfassung sein, einen Job als Bundesligatrainer anzunehmen.“

          Serdarusic denkt über kompletten Rückzug nach

          Sogar sein Ende als Coach erwägt Serdarusic. „Mir geht es zur Stunde so dreckig, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt noch mal als Trainer arbeite oder ob ich mich gezwungenermaßen zurückziehen werde.“ Serdarusic war in den vergangenen sechs Monaten zuerst an der Bandscheibe operiert, dann war ihm eine Knieprothese eingesetzt worden. Nach seiner Beurlaubung beim THW Kiel im Juni 2008 wollte er nach der Unterschrift bei den Löwen im Januar fit sein für den großen Angriff zur nächsten Saison.

          Wechselt er oder wechselt er nicht? Nikola Karabatic

          Nun sagt Serdarusic: „Ich habe die Schwere der Eingriffe entweder unterschätzt oder aber mich und meinen Körper überschätzt.“ Am Mittwoch lösten die Rhein-Neckar Löwen und Zvonimir Serdarusic den Drei-Jahres-Vertrag auf. „Die Rhein-Neckar Löwen haben nichts von einem Trainer, der sich nicht sicher sein kann, dass er innerhalb der nächsten zwölf Monate in der Trainingshalle stehen, ein Spiel coachen oder auch nur im Mannschaftsbus fahren kann“, sagte Serdarusic.

          „Ein herber Rückschlag für unsere Planungen“

          Löwen-Manager Thorsten Storm steht nun ohne Trainer für die neue Saison da. Als Favorit gilt Staffan Olsson. Der Schwede trainiert derzeit Hammarby IF in Stockholm. Olsson hatte eigentlich der Mann an Serdarusics Seite werden sollen - als Assistent. Der nun beträchtlich unter Druck stehende Storm sagte am Mittwoch: „Das haben wir uns anders vorgestellt. Das ist ein herber Rückschlag für unsere sportlichen Planungen.“ Er zeigte Verständnis für Serdarusic: „Das ist höhere Gewalt, das muss man akzeptieren. Das Risiko mit seiner Gesundheit war uns bewusst.“ Doch sowohl Storm als auch Serdarusic hatten gedacht, dass ein halbes Jahr als Zeit der Genesung ausreichte, um dann im Sommer gemeinsam anzugreifen.

          Ohne Serdarusic dürfte auch die Verpflichtung von Karabatic scheitern. Der französische Weltmeister möchte Kiel trotz eines Vertrages bis 2012 unbedingt verlassen und wollte im Sommer zu seinem Ziehvater und Lieblingstrainer nach Mannheim wechseln. Um ihn herum wollte Serdarusic eine Mannschaft aufbauen, die dem THW sofort das Wasser hätte reichen können. Allein aus Gründen der Glaubwürdigkeit wird Karabatic nun kaum zu den Rhein-Neckar Löwen ohne Serdarusic gehen können. Und auch andere Interessenten könnten ins Grübeln kommen: Zuletzt hatte der schon verpflichtete Isländer Olafur Stefansson gesagt, dass es ihn ungemein reize, noch einmal mit einem Trainer wie Serdarusic zusammenzuarbeiten. Neben dem guten Geld, das die vermögenden Löwen ihren Profis anbieten können, war der Name Serdarusic immer der zweite Pfeil im Köcher beim Werben um internationale Stars.

          Ein ruhiger Platz für neue Pläne

          Der Trainer selbst scheint über die unerwartete Entwicklung selbst am meisten enttäuscht zu sein. Nach all den Jahren und Triumphen in Kiel im Unfrieden mit Manager Uwe Schwenker geschieden, hätte er dem THW zu gern mit seinem neuen Klub sofort Paroli geboten. Er sei auch seelisch angeschlagen, sagte Serdarusic; die erzwungene Trennung vom THW und zwei Operationen obendrauf, das sei einfach zu viel gewesen.

          Serdarusic selbst will sich jetzt erst einmal eine Auszeit gönnen und Abstand gewinnen. Der Alltag des Patienten ist auch ohne Handball ausgefüllt: „Ich habe Reha-Maßnahmen, weitere Untersuchungen und Beratungen, wie es weitergehen soll, wenngleich ich inständig hoffe, nicht noch einmal unters Messer zu müssen. Ich habe den Wert von Gesundheit erst jetzt wirklich verstanden“, sagte er. Zvonimir Serdarusic hat sich einmal „ein kleines Haus an der Adria mit Fischerboot“ als Altersruhesitz gewünscht. Vielleicht wäre das genau der richtige Ort, um gesund zu werden und neue Pläne zu schmieden. Auch wenn ihm nach Letzterem derzeit nicht zumute sein mag.

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