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Handball-Bundesliga : Welche Tabelle darf es denn sein?

  • -Aktualisiert am

Handball ohne Zuschauer ist für die Bundesliga-Vereine keine wünschenswerte Option. Bild: dpa

In der Handball-Bundesliga soll es einen Meister geben. Die Annullierung der aktuell ruhenden Spielzeit ist vom Tisch. Die Frage ist nur, ob noch gespielt wird, denn die Vereine wollen keine Geisterspiele.

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          Einen deutschen Handball-Meister wird es auch am Ende der Saison 2019/20 geben. Eine Annullierung der aktuell ruhenden Spielzeit ist vom Tisch. Das ergab eine Videokonferenz der 36 Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga am Freitag. Ob die Saison zu Ende gespielt oder auf der Basis der gespielten Partien gewertet wird, entscheidet die Handball-Bundesliga-Vereinigung (HBL) allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt.

          Unverändert sei es der Wunsch fast aller Klubs, die Saison zu Ende zu spielen, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Freitag: „Der späteste Wiederbeginn ist der 16. Mai. Dann könnten wir die Saison bis zum 30. Juni 2020 beenden.“ Die Saison über den 30. Juni hinaus laufen zu lassen, schloss die HBL nach rechtlicher Prüfung aus. Klar ist, dass alle Spiele im Falle der Fortführung der Spielzeit ohne Zuschauer stattfinden würden. Das ist für alle Klubs äußerst misslich, denn die Zuschauereinnahmen machen den größten Teil der Etats aus. Auch deswegen sind viele Vereinsvertreter gegen Geisterspiele, also für einen Abbruch.

          Anders als beim Fußball spielen die Einnahmen aus dem Fernsehvertrag im Handball keine große Rolle. Deswegen ist eine Saison-Beendigung ohne Zuschauer für die meisten Klubs keine gute Option, auch wenn sich gegenüber den Sponsoren argumentieren ließe, ihre Banden seien durch Fernseh-Übertragungen sichtbar gewesen.

          Wird bald geworfen? Die deutsche Handball-Bundesliga will den Spielbetrieb im Mai wieder aufnehmen.

          Aber auch andere Eventualitäten lassen einen Wiederbeginn schwierig erscheinen. Der Flensburger Trainer Maik Machulla hatte vergangene Woche die Frage gestellt, wie zu verfahren sei, sollte die Saison wieder beginnen und ein Spieler werde positiv auf das Corona-Virus getestet. Dann müsse ja das ganze Team in Quarantäne – und auch der Gegner aus dem vergangenen Spiel. Auch bei Bohmann ist herauszuhören, dass er den Abbruch der Saison für relativ wahrscheinlich hält. Die HBL wolle sehr bald entscheiden, wie sie verfahren werde, sagte er. Sollte es eine von der Politik beschlossene Lockerung des Umgangs im Alltag ab dem 20. April geben, werde das in die Entscheidung der HBL natürlich einfließen, sagte Bohmann.

          Bei dem wahrscheinlichen Szenario eines Abbruchs könnte es sein, dass die Tabelle nach der Hinrunde zählt. Die aktuelle Tabelle ist schwierig als Grundlage, da nicht alle Vereine dieselbe Anzahl an Spielen haben. Es gibt im Übrigen keine Statuten in der Spielordnung der HBL, die den Fall einer abgebrochenen Saison beinhalten. Klar ist, dass es keinen Absteiger geben würde und die Saison 2020/21 voraussichtlich mit 20 Vereinen gespielt würde, da es zwei Aufsteiger aus der zweiten Liga gibt. Profiteur dieses Entschlusses wäre die HSG Nordhorn-Lingen als abgeschlagener Tabellenletzter. Meister wäre der THW Kiel, der das Tableau derzeit anführt und es auch nach Ende der Hinrunde tat. Aufsteiger wären Coburg und Essen. Diskutiert wird noch, welche Vereine im Europapokal teilnehmen.

          Wie im Falle eines Abbruchs gewertet wird, will die HBL am Dienstag entscheiden. Bohmann sagte: „Die Frage ist, wie wir genau verfahren, sollten wir abbrechen.“ Wie zu hören ist, sei es vor allem in der zweiten Liga durchaus ein strittiges Thema, ob die eingefrorene Tabelle oder die nach dem 17. Spieltag relevant für den Saisonabschluss sei. Es gebe – je nach Interessenlage – Befürworter und Gegner beider Modelle.

          Schon am Donnerstag war die HBL allen 36 Vereinen bei der Lizensierung der neuen Spielzeit sehr weit entgegengekommen. Alle Klubs außer der HSG Krefeld (zweite Liga) hatten die Lizenz bekommen – die Krefelder hatten ihre Unterlagen nicht fristgerecht eingereicht. Zudem erhielten einige Vereine die Lizenz mit der Auflage, den Personalaufwand zu begrenzen. Mit dieser Entscheidung wolle die Lizenzierungskommission „ein positives, motivierendes und absolut notwendiges Zeichen“ an die Klubs senden, hieß es von der HBL. Alle Klubs sind darüber hinaus bis Ende August 2020 zu einer außerordentlichen Nachlizenzierung verpflichtet worden. In den vergangenen Tagen hatten beinahe alle Vereine der ersten Liga Gehaltsreduzierungen ihrer Spieler und Geschäftsstellen-Mitarbeiter verkündet, darunter Kiel, Flensburg, Berlin und Wetzlar. Viele Vereine nehmen Kurzarbeitergeld in Anspruch.

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