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Verletzungen in der Bundesliga : Risse und Brüche lähmen den Handball

  • -Aktualisiert am

Besorgter und schmerzerfüllter Blick: Sander Sagosen wird am verletzten Knie untersucht. Bild: dpa

Gebrochener Mittelfuß, Muskelfaserriss, Verletzung am Meniskus: In der Handball-Bundesliga häufen sich die Ausfälle. Ist die Corona-Pause schuld?

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          Am Montag fiel auch noch Mikael Appelgren aus. Monatelang werden die Rhein-Neckar Löwen auf ihren Torwart verzichten müssen. Eine im Training zugezogene Sehnenverletzung in der linken Schulter erforderte eine Operation. Erst Mitte September hatten die Löwen vermeldet, dass Nationalspieler Jannik Kohlbacher wochenlang fehlen werde. Eine Bänderverletzung im rechten Ellenbogen zwingt den Kreisläufer zu einer Zwangspause.

          Die Mannheimer müssen also auf zwei Stammspieler verzichten – und da sind sie in guter Gesellschaft, denn auch beim THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt fehlen zum Saisonstart der Handball-Bundesliga etliche Spitzenprofis: Beim THW reichte Torwart Niklas Landin eine unglückliche Bewegung beim Aufwärmen in Zagreb, um ihn außer Gefecht zu setzen. Er verpasst nicht nur diese Champions-League-Partie, denn es wurde ein Eingriff am Meniskus nötig. In Flensburg fällt aktuell der gesamte Mittelblock aus, weil Johannes Golla den Mittelfuß gebrochen hat und bei Jacob Heinl das Innenband im Knie riss. Beides passierte in der Vorbereitung.

          Am Sonntag fiel beim ersten Heimspiel des THW gegen den HC Erlangen auch noch Sander Sagosen aus. Am Montag wurde bei ihm ein Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel diagnostiziert. Er wird wohl für drei Wochen ausfallen. Da stellt sich die Frage: Sind das Folgen der langen Pause durch die Corona-Pandemie? Auch in Wetzlar, Melsungen, Erlangen und bei den Füchsen Berlin fielen Stammspieler zum Saisonstart verletzt aus oder kamen aus frischen Verletzungen zurück, wobei die Verletzungen und ihre Gründe sehr unterschiedlich waren.

          Erklärungsversuche

          „Eine richtige Aussage dazu kann man erst nach Abschluss der Hinrunde Ende Dezember treffen“, sagt Maik Machulla, Coach der SG Flensburg und Sprecher der Trainer-Task-Force. „Schon jetzt etwas zu sagen, was einen Wert hat, ist fast unmöglich.“ Bezogen auf seine derzeit in der Reha befindlichen Flensburger Spieler sagt er: „Unsere Verletzungen sind nicht auf Corona, eine lange Pause oder Überbelastung zurückzuführen.“ Natürlich gibt es Risse und Brüche, die aus Unfällen resultieren. Im Trainingslager in Graz riss dem Kieler Rückraumspieler Nikola Bilyk das linke Kreuzband. Anfang August brach Rechtsaußen Niclas Ekberg ebenfalls im Training der rechte Ringfinger. Der Rekordmeister ist also ganz schön gebeutelt, auch wenn Ekberg wieder da ist: An diesem Dienstag geht es schon weiter mit dem Spiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf.

          Der Erklärungsversuch, dass eine gewisse Unachtsamkeit hinzukommt, weil die Pause bis zum ersten Wettkampf sieben Monate dauerte und die handballspezifischen Bewegungen erst wieder eingeübt werden müssen, ist nicht aus der Luft gegriffen. Genau hinschauen werden die Trainer und Vereinsärzte sicher in den nächsten Wochen, wenn das Pensum ansteigt. Wird es dann mehr Muskelverletzungen geben als in den Vorjahren? Wie sieht es mit Schulterverletzungen aus? Die Trainer waren sich einig, dass die Wurfschulter ein besonders „gefährdetes“ Gelenk ist nach der langen Pause. Der Flensburger Geschäftsführer Dierk Schmäschke sagt: „Wir spüren schon jetzt ein erhöhtes Verletzungsrisiko durch die angespannte Terminsituation und die entsprechende Belastung.“

          Nationalspieler besonders betroffen

          Die früheren Nationalspieler Dominik Klein und Christian Schwarzer haben in Kolumnen zum Ausdruck gebracht, dass sie Verletzungswellen in der langen und extrem eng gestrickten Saison erwarten. Das betrifft besonders die Nationalspieler der Spitzenklubs. Und bringt die Manager ins Rotieren: Sowohl die Löwen als auch Kiel und Flensburg haben Spieler nachverpflichtet – wobei der THW praktischerweise Teilzeit-Torwarttrainer Mattias Andersson mit einem Spielerpass ausstattete. Nur selten rutschen Akteure aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader, auf den wichtigen Rückraumpositionen so gut wie nie. In Kiel darf immerhin Rechtsaußen Sven Ehrig weitere Einsatzminuten in der Bundesliga sammeln.

          Die Verletzten waren das eine Thema, die (ausbleibenden) Fans das andere. Viele Klubs hatten am ersten Spieltag Mühe, die Hallen zu füllen – also so voll zu besetzen, wie es die Gesundheitsämter erlauben. In Kiel blieben Plätze trotz des ausgeklügelten Hygienekonzeptes samt ausgeteilten Masken leer. So war es in Flensburg schon am Mittwoch in der Champions League gegen Porto gewesen.

          Es sei eine „spürbare Zurückhaltung“ zu bemerken, meinte Dierk Schmäschke: „Man muss aber Verständnis haben, wenn die Menschen nicht in die Halle kommen wollen.“ Dass es überhaupt diesen Start mit allen geplanten Partien und außer in Mannheim auch vor Fans gab, wertete Frank Bohmann als Erfolg: „Organisatorisch war alles in Ordnung“, sagte der Bundesliga-Geschäftsführer. „Darauf können wir aufbauen.“

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