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Handball-Bundesliga : Kiel will wieder lernen, etwas zu gewinnen

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Rückkehr an die Spitze: Der THW Kiel will wieder um wertvollere Pokale als „nur“ den EHF-Pokal spielen. Bild: dpa

Der neue Kieler Trainer Jicha bleibt zurückhaltend vor Beginn der Saison in der Handball-Bundesliga. Die Favoritenrolle gibt er dem Rivalen. Aber langfristig will der THW wieder an alte Erfolgszeiten anknüpfen.

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          Erstaunlich leise Töne waren es, die Filip Jicha am Dienstagvormittag anschlug. „Wir sind die vergangenen vier Jahre nicht Meister geworden“, sagte der neue Trainer des THW Kiel bei einer Auftaktpressekonferenz zur neuen Saison, „wir müssen als Team erst wieder lernen, dahin zu kommen, dass wir am Ende etwas gewinnen können.“ Dieses „Etwas“ ist natürlich die deutsche Handball-Meisterschaft. Danach sehnt man sich an der Kieler Förde besonders, und dass der große Rivale aus Flensburg zuletzt gleich zweimal nacheinander die Nase vorn hatte, bekümmert die Verantwortlichen des THW. Jicha hatte zuletzt in den „Kieler Nachrichten“ kritisiert, dass seine Spieler in Interviews sehr leicht von „Titeln“ als Saisonziel sprächen, zuletzt aber nicht die Leistungen dafür gezeigt hätten, tatsächlich einen der beiden großen Titel auch zu holen – die Meisterschaft oder die Champions League.

          Der 37 Jahre alte Coach sagte: „Wir müssen unseren Hunger auf dem Feld umsetzen.“ Bescheiden schob der frühere THW-Profi die Favoritenbürde weiter nordwärts: „Wenn man zuletzt zweimal nacheinander die Meisterschaft holt, kann kein anderer als die SG Flensburg mein Favorit sein.“

          Gewichtige Veränderungen

          Es soll mit dem Bundesligaauftakt am 25. August (16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-Bundesliga und bei Sky) gegen Frisch Auf Göppingen nicht weniger als eine neue Ära beginnen beim deutschen Handball-Krösus, der wieder mehr als zehn Millionen Euro für seine Profis ausgeben wird. Auf allen relevanten Positionen abseits des Feldes hat sich der Rekordmeister entscheidend verändert. Alfred Gislason hat nach vielen Jahren als Trainer aufgehört, Manager Thorsten Storms Vertrag wurde nicht verlängert, und auch im Aufsichtsrat gab es gewichtige Veränderungen.

          Bescheiden auftreten: Kiels Trainer Filip Jicha sieht viel Arbeit vor sich.

          Nun sitzen Jicha als Cheftrainer und Viktor Szilágyi als Geschäftsführer am Ruder. Die beiden arbeiten sehr eng zusammen und sollen dem THW den dringend benötigten Modernisierungsschub verleihen, damit die Kieler auch auf europäischer Ebene wieder eine ernstzunehmende Rolle spielen – in der Vorsaison war der THW nicht mal für die europäische Meisterrunde startberechtigt. „Unser Kader ist stark genug, um uns für die Endrunde der Champions League in Köln zu qualifizieren“, sagte Szilágyi.

          In der Vorbereitung bat der neue Chef seine Spieler dreimal am Tag zum Training. Diese Intensität war auch deswegen vonnöten, um dem Kieler Spiel wieder mehr Tempo zu verleihen. Zuletzt waren die Auftritte des THW oft statisch, auf den Fähigkeiten Einzelner basierend. Unter Jicha soll es mehr Geschwindigkeit geben, mehr Pfiff, mehr Überraschungen. „Ich lasse viel in Kleingruppen trainieren und will individuelle Fähigkeiten herausholen“, sagte Jicha, „davon halte ich sehr viel.“

          Der Kader der Kieler ist weitgehend unangetastet. Torwart Andreas Wolff hat den THW Richtung Kielce verlassen; ihn ersetzt der frühere Magdeburger Dario Quenstedt. Für die Abwehr kam der erfahrene Tscheche Pavel Horak. Erst im nächsten Sommer wird durch Handballstar Sander Sagosen der erhoffte große Qualitätsschub folgen. Bis dahin muss nicht nur Jicha beweisen, dass er auf seiner ersten Cheftrainer-Position erfolgreich arbeiten kann. Auch Szilágyi hat anspruchsvolle Aufgaben; so muss er entscheiden, ob der THW mit dem verdienten Anführer Domagoj Duvnjak weitermacht. Sein Vertrag läuft ebenso aus wie der Rune Dahmkes. Jicha hat schon angedeutet, dass beim THW niemand aus Dankbarkeit neue Arbeitspapiere erhalte. Offenbar stellt er sich einen kleineren, ausgeglicheneren Kader vor als Gislason, der lieber viele Spieler in seiner Gruppe hatte – aber dann meist die gleichen einsetzte.

          Profitieren soll der neue THW Kiel auf jeden Fall vom jüngst eingeweihten Trainingszentrum in Altenholz. Vorbei die Zeiten, als in besseren Schulturnhallen trainiert wurde. „Durch das neue Zentrum hat sich vom ersten Tag an vieles für uns vereinfacht“, sagt Szilágyi, „wir sind auf einem sehr guten Weg, den Spielern allerbeste Bedingungen zu liefern.“ Und zumindest einige von ihnen waren am Dienstag wesentlich mutiger als ihr neuer Trainer. „Wir waren letztes Jahr so knapp am Ziel, das wollen wir nicht noch einmal erleben“, sagte Torwart Niklas Landin, „wenn man für den THW spielt, hoffe ich, dass alle das gleiche Ziel haben – die Meisterschaft zu gewinnen.“ Natürlich hätte auch Jicha nichts dagegen. Doch ein wenig Zurückhaltung ist für ihn bei der Fülle der Erwartungen in Kiel eine Art Selbstschutz.

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