https://www.faz.net/-gtl-9zh52

Handball in der Corona-Krise : Die Ermutiger von der Bank

  • -Aktualisiert am

Auch Flensburgs Trainer Maik Machulla hofft, dass es im Handball weitergehen kann. Bild: dpa

Die besten deutschen Handballvereine hoffen, dass sie im September wieder spielen können in der Corona-Krise. Um auf dem Weg dahin auch die sportlichen Aspekte zu beachten, gibt es nun eine Trainer-Taskforce.

          3 Min.

          Es sagt sich so leicht: zusammenrücken in der Krise. Tatsächlich hat sich im professionellen Handball etwas gebildet, was es zuvor nicht gab – und allen Beteiligten Mut spendet, dass die Bundesliga in Zeiten von Corona bestehen kann. Die 20 Trainer der Erstliga-Klubs sprachen vor ein paar Tagen auf einer Videokonferenz miteinander. Initiiert hatte das Michael Roth, bislang Trainer der Füchse Berlin.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Aus diesem zweistündigen Austausch ist eine Trainer-Taskforce entstanden. Sie wird von Maik Machulla (SG Flensburg-Handewitt), Kai Wandschneider (HSG Wetzlar), Frank Carstens (GWD Minden) und Sebastian Hinze (Bergischer HC) gebildet. Machulla, mit der SG Flensburg zweimal deutscher Meister, ist der Sprecher der Gruppe. Die Trainer fanden, in der Diskussion um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs hätten finanzielle und organisatorische Dinge den Vorrang vor den sportlichen – für die sie stehen.

          „Wir wollen mit an die Tische, rein in die Gesprächsrunden und Arbeitsgemeinschaften. Dort wollen wir die sportlichen Aspekte des Wiederbeginns einbringen. Es zählen nicht nur wirtschaftliche Interessen. Wir haben auch eine Verantwortung unseren Spielern gegenüber. So können wir alle gemeinsam an einer ganzheitlichen Lösung arbeiten“, sagt Machulla. Die Reaktionen der Handball-Bundesliga (HBL) und des Deutschen Handballbundes (DHB) seien sehr positiv gewesen, berichtet er: „Für alle steht ein offener Austausch im Vordergrund.“

          Vom DHB kam über den Vorstand Sport, Axel Kromer, das Signal, dass auch Alfred Gislason gern zur Taskforce stoßen wolle. Zur nächsten Videositzung ist der Bundestrainer eingeladen. Machulla sagt: „Wir wollen wieder spielen und gemeinsam das Produkt Handball zurück auf den Markt bringen. Dazu gehört, Dinge aus Trainersicht kritisch zu hinterfragen und an Lösungsansätzen mitzuarbeiten. Wir vier sind nun in der Verantwortung und müssen sehen, dass sich etwas bewegt.“ Machulla und Wandschneider verdeutlichen im Gespräch, dass sie ihre Mitarbeit nur anbieten können, keine Forderungen stellen. Im nächsten Schritt sollen Spielervertreter hinzukommen.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Der professionelle Vereinshandball hofft, mit dem Supercup-Spiel THW Kiel gegen SG Flensburg-Handewitt am 2. September die Saison 2020/21 beginnen zu können. Bis dahin stellen sich viele Fragen, natürlich auch den Sport betreffend: Wann darf wieder im Mannschaftsrahmen mit vollem Kontakt trainiert werden? In welcher Halle? Wann ist ein guter Start für die Vorbereitung der nächsten Saison? Machulla ist nach den bundesweiten Öffnungen der vergangenen Tage zuversichtlich, mit der SG Flensburg am 2. Juli beginnen zu können. Einen zumindest ähnlich datierten Trainingsauftakt wünschen sich die Trainer aller Klubs, um einen Wettbewerbsnachteil wie bei Werder Bremen im Fußball zu verhindern.

          „Es soll nicht so sein, dass einer schon drei Wochen trainiert, der andere noch gar nicht“, sagt Machulla, „wir wollen Solidarität zeigen und leben. Dazu gehört Chancengleichheit im Sinne eines sportlich fairen Wettbewerbs.“ Beim ersten Telefonat hatte Wandschneider als erfahrener und respektierter Trainer das Thema umrissen, aus persönlicher Sicht. Er sagt: „Wir waren psychisch in einem Loch, einer Schockstarre. Wir sind auch nur Menschen. Die Situation hat jedem Angst gemacht. Solche Gespräche, wie wir sie geführt haben, sind gegenseitige Ermutigung. Gerade atmet die Gesellschaft etwas auf, und die Wirtschaft atmet auf. Und also auch wir im Handball. Ich nehme die Situation viel positiver wahr als vor zwei Wochen.“

          In den Gesprächen ging es um ganz unterschiedliche Fragen. Wie belastet man die Wurfschultern der Spieler im Teamtraining nach langer Pause? Welche Folgen hat Training auf die Zahlung von Kurzarbeitergeld? Wie verfahren die Klubs mit Spielern, die derzeit bei ihren Familien im Ausland sind und dann zurück nach Deutschland kommen? Was machen die Vereine mit den steigenden Beiträgen für die Berufsgenossenschaft? Wertvolle Blaupausen könnten die Hygienekonzepte von DFL und BBL sein.

          Keiner der Trainer will ein Szenario mit Geisterspielen. Maximal drei, vier Spiele lang könnten die Klubs das überleben, „länger hält die Bundesliga Geisterspiele nicht durch“, sagt Wandschneider. Nur zwei bis vier Prozent der Klubetats kommen aus Fernsehgeldern. Deswegen schweben den Handballlehrern zunächst Spiele mit reduzierter Zuschauerzahl vor; die Hallen wären dann nur zu einem Drittel oder zur Hälfte besetzt. „Das heißt natürlich für Balingen etwas anderes als für uns in Wetzlar oder Magdeburg“, sagt Wandschneider, „bei der Belegung der Hallen darf es keine Denkverbote geben, aber es gilt gleichzeitig, alle Bedenken zu erörtern.“

          Neben solchen Detailfragen ist es der neuen Taskforce wichtig, fortan mit einer Stimme zu sprechen – und auch Gehör bei den Entscheidern zu finden. Wandschneider sagt, dass die Coaches ohnehin gewohnt seien, auch in Krisenzeiten schnell zu entscheiden: „Wir müssen alle führen, wir kennen die Abfolge von aushalten, aufstehen und nach vorn blicken aus jedem Spiel. Wir haben immer die Aufgabe, emotional nicht zu übersteuern.“ Die in der täglichen Arbeit gesammelten Erfahrungen mache die Stimme der Trainerschaft in dieser Zeit so bedeutend, sagt Wandschneider: „Wir sind es gewohnt, nach vorn zu schauen. In der Sandwichposition zwischen Mannschaft und Management sind wir die ewigen Ermutigungs-Beauftragten.“ Aufmuntern, ermutigen: Allein dafür wird das gesammelte Trainerwissen gerade benötigt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sparen fürs Alter? Das ist besonders für Menschen mit niedrigem Einkommen gar nicht so einfach.

          Betriebsrenten : Geringverdiener ignorieren Zuschüsse fürs Alter

          Mit einer neuen Förderung wollten die Minister Nahles und Schäuble die Verbreitung der Betriebsrenten verbessern. Nun liegen erstmals Zahlen vor, das Ergebnis ist durchwachsen. Entsprechend unterschiedlich bewerten Fachleute das.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.