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Handball-Torhüter Wolff : Der entzauberte Hexer

  • -Aktualisiert am

Diesmal ohne Glanzparaden: Torhüter Andreas Wolff Bild: Imago

Die große EM-Sause ist vorbei: Handball-Torwart Andreas Wolff kehrt in der Bundesliga auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit Wetzlar verliert er in letzter Sekunde das Spiel.

          2 Min.

          Es war nicht der Tag für spektakuläre Paraden, für große Reflexe. Dafür wirkte Andreas Wolff doch ein bisschen zu müde auf dem Parkett. Allein in der ersten Viertelstunde griff er zehn Mal ins Netz hinter sich. Es war Wolffs erstes Bundesligaspiel mit der HSG Wetzlar nach dem grandiosen Titelgewinn bei der Handball-Europameisterschaft. 26:27 hieß es am Ende gegen HBW Balingen-Weilstetten - ein Rückschlag für den Favoriten, gegen ein Team, das gegen den Abstieg aus der Bundesliga kämpft.

          Die HSG Wetzlar hatte in der ersten Hälfte kaum Zugriff auf das Geschehen. Auch Torhüter Wolff hielt nur 18 Prozent der Bälle. Weit weniger, als man zuletzt von ihm gewohnt war. Der entscheidende Gegentreffer fiel sieben Sekunden vor Schluss - erzielt von Martin Strobel, ebenfalls Nationalspieler.

          Wolff auf allen Kanälen

          Es waren anstrengende Tage für Wolff, eine Woche voller Auftritte abseits des Handballs. Das eigene Bett hatte er kaum gesehen. Vergangene Woche war er im Sakko beim Ball des Sports zusammen mit dem Bundespräsidenten zu sehen, kürzlich spielte er Glücksfee und loste die Halbfinals im Fußball-DFB-Pokal aus. Ein Termin nach dem anderen, eine wahre Hatz, Wolff sozusagen auf allen Kanälen, unter anderem bei Talkshows wie beim „Hessischen Rundfunk“. Da erzählte Wolff wieder einiges über das Wesen des Torwarts: „Es ist ein riesiger Adrenalinschub. Man ist ein bisschen wie ein Gladiator im alten Rom, wenn man gegen sein Gegenüber triumphiert.“

          Tolle Tage, buchstäblich, in denen ihm sogar ein Motivwagen beim Heuchelheimer Faschingsumzug gewidmet worden war. Der Wetzlarer wurde dabei als vielarmige Krake dargestellt. Wegen seiner besonderen Qualitäten wurde er zudem zum „Handballer des Jahres“ gewählt. „Der Traum geht weiter. Ich kann’s nicht glauben“, kommentierte er den Bonustitel auf Facebook.

          Eine der vielen Feierstunden: Andreas Wolff mit Steffen Fäth (l.) und Jannik Kohlbacher (r.) in Wetzlar Bilderstrecke
          Eine der vielen Feierstunden: Andreas Wolff mit Steffen Fäth (l.) und Jannik Kohlbacher (r.) in Wetzlar :

          Es mag ihm tatsächlich noch immer unglaublich vorkommen, was seit dem EM-Erfolg in Polen passiert ist. Wolff, 24 Jahre alt, ist in diesen Tagen als Botschafter des Handballs unterwegs. Unaufgeregt bis scheinbar schüchtern in der Analyse, im nächsten Moment mit einem flapsigem Spruch auf den Lippen. Man sah ihn auch in München, an der Seite des Fußball-Kollegen Manuel Neuer. Danach erzählte der Handball-Aufsteiger im „HR“ über den Fußball: „Ich könnte mir nicht vorstellen, im Fußballtor zu stehen und beispielsweise wie ein Manuel Neuer 70 Minuten lang nichts zu tun zu haben und dann in den letzten 20 Minuten auf einmal überragende Paraden auszupacken. Das wäre mir persönlich zu langweilig. Und ich weiß auch nicht, ob ich meine Konzentration dementsprechend aufrechterhalten könnte.“

          Jetzt also die Rückkehr in den Alltag: Am Samstagabend in Balingen war Wolff kurz sogar von Nikolai Weber im Wetzlarer Tor ersetzt worden. Da auch die beiden anderen Wetzlarer Champions Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth Mühe mit der starken Abwehr der Balinger hatten, fehlte es der HSG Wetzlar lange Zeit an Konstruktivität. Und letztlich war die Niederlage nicht zu verhindern. Gegen Spieler, die „Gallier von der Alb“ genannt werden. Und erstmals von Frank Bergemann als neuem Trainer betreut wurden. Und die Wolff spüren ließen, dass nun wieder ein rauherer Wind weht.

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