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VfL Gummersbach : Der große Kampf des letzten Handball-Dinos

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Betrachtet sie Entwicklung seines VfL Gummersbach mit Sorge: Trainer-Legende Heiner Brand Bild: Picture-Alliance

Seit Jahren befindet sich der VfL Gummersbach in der Handball-Bundesliga im Sinkflug. Nun droht wieder der erstmalige Sturz in die zweite Liga. Parallelen zum Fußball-Dino Hamburger SV sind erkennbar.

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          Die Angst vor dem Tag X ist in Gummersbach allgegenwärtig. „Der Abstieg wäre ein Schock für den Klub, die Stadt und die ganze Region“, sagt Heiner Brand. Selbst der ehemalige Bundestrainer, in unzähligen Handball-Schlachten als Spieler und Trainer erprobte Klub-Legende, kann die Anspannung vor dem Bundesliga-Finale nicht verbergen. „Ich bin nervös“, sagte er im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) mit Blick auf das Endspiel „seines“ VfL um den Klassenverbleib bei der SG BBM Bietigheim, „mehr als ich es vor Spielen als Trainer war“.

          Am Pfingstsonntag (15.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-Bundesliga und bei Sky) droht dem Bundesliga-Gründungsmitglied, dem Brand seit jeher eng verbunden ist, der bittere Gang in die Zweitklassigkeit. Die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag ist klar: Trotz der besseren Tordifferenz gegenüber den  punktgleichen Bietigheimern sichert Gummersbach (beide 13 Punkte) nur ein Sieg den Klassenbverbleib. Denn bei einem Remis könnte der aktuelle Tabellenletzte Eulen Ludwigshafen (12 Punkte) mit einem eigenen Erfolg gegen GWD Minden noch vorbeiziehen. Eine Gummersbacher Niederlage würde den ersten Abstieg des letzten verbliebenen „Liga-Dinos“ nach 53 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit besiegeln.

          Auf den ersten Blick erinnert das Schicksal des tief gefallenen Traditionsklubs, der den deutschen Handball über Jahrzehnte im In- und Ausland geprägt hat, stark an das der Fußballer des Hamburger SV. Mehrfacher deutscher Meister, Europokalsieger, feste Größe in der Eliteliga über ein halbes Jahrhundert: Auch die Hanseaten galten in der Republik als letzte Dinos, bevor sie - um im Bild zu bleiben - am 12. Mai 2018 nach 55 Jahren und am Ende qualvollem Kampf ausstarben.

          Die Arena in Gummersbach: bald nur noch zweite Liga?

          Die Parallelen sind frappierend, doch Brand mag den Vergleich mit dem skandalumwitterten Nordklub nicht recht gelten lassen. „Das ist eine andere Situation“, sagte der frühere Weltklasse-Kreisläufer und Abwehrchef. Der HSV habe schließlich stets „die besten Möglichkeiten“ gehabt. „Die Spieler bei uns verdienen keine zig Millionen. Wir müssen mit begrenzten Mitteln auskommen“, sagte Brand. Einen Investor wie Klaus-Michael Kühne, der jederzeit mit seinen Millionen aushilft, wenn der Schuh mal drückt, habe Gummersbach nie gehabt.

          Der VfL befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Der bislang letzte der insgesamt elf Europacupsiege datiert aus dem Jahr 2011, der letzte von zwölf Meistertiteln liegt weitere 20 Jahre zurück. In den beiden vergangenen Spielzeiten wurde der Ligaverbleib als Tabellen-15. nur mit Ach und Krach gesichert, 2017 waren es gerade mal 19 Törchen, die den Altmeister vor dem Absturz in die zweite Liga bewahrten.

          Und doch warnt Brand davor, einen möglichen Abstieg von vornherein als Chance für einen Neuanfang zu bezeichnen. „Natürlich ging es in manchen Fällen ganz gut, wie das Beispiel Minden gezeigt hat“, sagte der 66-Jährige: „Es kann aber auch in die andere Richtung gehen. Da muss man nur nach Großwallstadt gucken.“ Der TV Großwallstadt, einst ebenfalls ein Garant für deutschen Handball, stieg 2013 erstmals aus der Bundesliga ab und erhielt zwei Jahre später keine Lizenz mehr für die zweite Liga.

          Um seine wirtschaftliche Existenz muss der VfL selbst im Falle eines Abstiegs erst mal nicht bangen. Die Lizenz für die zweite Liga in der Saison 2019/2020 sind erfüllt worden. „In unserer aktuellen sportlichen Situation ist das mit Sicherheit eine positive und wichtige Meldung“, sagte VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler.

          Abgeschrieben hat Brand seine Gummersbacher auch sportlich vor dem Endspiel in Bietigheim jedenfalls noch nicht. „Die Chancen stehen 50:50“, sagte der Weltmeister-Trainer von 2007, der die Partie wegen seiner Verpflichtungen als Sky-Experte nur „auf einem Auge“ verfolgen kann. Was ein Abstieg für die Sportart bedeuten würde? „Der deutsche Handball würde es überleben“, sagte Brand, „aber ein großer Name würde fehlen“.

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