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Ärger um Handball-Spielplan : Eine Kröte, die zu schlucken ist

  • -Aktualisiert am

Hohe Belastung: Kiels Steffen Weinhold (links) muss gegen Aalborg einiges einstecken. Bild: dpa

Nach 14 Tagen Quarantäne müssen die Handballspieler des THW Kiel quasi von der Couch direkt aufs Spielfeld. Nun wird geschimpft über diesen Spielplan. Doch bei der Kritik kommt eine Tatsache zu kurz.

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          Es werde eine Saison voller Zumutungen und Ungerechtigkeiten. Viele Verantwortliche der Handball-Bundesliga hatten sich zum Start der Serie im vergangenen Oktober dergestalt geäußert. Und wahrscheinlich trotzdem insgeheim gehofft, dass sie von Zumutungen und Ungerechtigkeiten verschont bleiben würden.

          Es war eine Zumutung und gewiss auch ungerecht, dass der THW Kiel am Sonntag gegen den SC Magdeburg spielen musste – nach nur einem Tag des Trainings, weil die Mannschaft zuvor 14 Tage in Quarantäne war. Spielmacher Miha Zarabec hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Die strengen Regeln der Gesundheitsbehörden in Schleswig-Holstein sehen keine Ausnahmen für Berufssportler vor. Also Heimarbeit statt Teamtraining. Bis kurz vor dem Spiel. Die vom THW gewünschte Verlegung war der Handball-Bundesliga (HBL) wegen des dichten Terminkalenders bis Ende Juni unmöglich.

          Vor zwei Wochen hatte sich der Kieler Geschäftsführer Viktor Szilagyi bei der HBL-Videokonferenz mit den anderen 19 Klubs dafür ausgesprochen, am Spielsystem festzuhalten und die Saison mit 38 Spieltagen durchzuziehen. Der THW hat sich also den gemeinsamen Regularien unterworfen. Inklusive möglicher Zumutungen und Ungerechtigkeiten. Im Sinne des großen Ganzen. Um den Handball zu retten.

          Es gibt keine Termine mehr

          Dass zur Not ein Tag Vorbereitung auf ein Spiel reichen müsse, hatten die Klubs schon vor der Saison beschlossen. Als sich dann abzeichnete, dass die Partie nicht zu verlegen war, schäumten Szilagyi und Trainer Filip Jicha. „So behandelt man kein Mitglied der Handball-Familie“, schimpfte Jicha nach dem 24:24 und verwies auf die Verletzungsgefahr seiner Spieler, die „vom Sofa“ in dieses Spitzenspiel gestartet waren. In Kiel hatte man sich gewünscht, wie die MT Melsungen im Herbst behandelt zu werden. Die Hessen hatten nach einem ähnlichen Fall eine Spielverlegung von Donnerstag auf Sonntag bekommen.

          Damals gab es noch freie Termine. Jetzt nicht mehr: Der THW spielte am Sonntag und Dienstag, er spielt am Donnerstag und Sonntag. Bis zum 6. März erwartet den deutschen Champion ein gnadenloses Programm. Das liegt auch am europäischen Verband, der versucht, so viele Spiele wie möglich in der Champions League stattfinden zu lassen. Obwohl durch jüngst veränderte Regularien alle 16 Mannschaften ins Achtelfinale kommen und die Gruppenspiele jetzt enden könnten.

          Die Entscheidung, das Magdeburg-Spiel stattfinden zu lassen, hat die THW-Profis an ihr Äußerstes gebracht. Aber in der Liga hält sich das Verständnis für die laute Kieler Klage in Grenzen – weil fast alle das Gefühl haben, selbst schon von Zumutungen und Ungerechtigkeiten betroffen gewesen zu sein. So schluckt man Kröten und versucht, die Saison zu beenden, um Sponsoren und Fernsehpartner zufriedenzustellen. Es ist nachvollziehbar, dass Jicha seine Spieler schützt. Tatsächlich aber mussten die Kieler mit den Konsequenzen einer Regelung leben, der sie selbst zugestimmt haben. Das kommt in ihrer Kritik zu kurz.

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