https://www.faz.net/-gtl-8qr

Handball : Brands vergnügliche letzte Stunde

  • -Aktualisiert am

Auch zum Abschied, wie man ihn kennt: Der scheidende Bundestrainer Heiner Brand Bild: dapd

Die Qualifikation für die Handball-Europameisterschaft ist geschafft - jetzt kann Bundestrainer Heiner Brand seinen Abschied von der Nationalmannschaft genießen. Am Sonntag steht das letzte, sportlich bedeutungslose Spiel seiner Ära an.

          Am Sonntag gegen Lettland wird es genügend Zeit zum Verabschieden und Feiern geben. Eine Partie, in der es nur noch darum geht, Heiner Brand einen schönen Nachmittag zu machen – das ist doch der ideale Rahmen, um dem 58 Jahre alten Gummersbacher Lebewohl zu sagen. Dass Brand vermutlich eine vergnügliche Stunde auf der Bank erleben wird in seinem letzten Spiel als Chefcoach des Deutschen Handball-Bundes (DHB) liegt an einer guten Leistung seiner Mannschaft am Ende einer langen Saison. Mit dem 28:20 in Innsbruck gegen Österreich qualifizierte sich die DHB-Auswahl am Mittwochabend vorzeitig für die Europameisterschaft Anfang 2012 in Serbien und wahrte auch die Chance, an den Olympischen Spielen in London teilzunehmen.

          Als Tabellenführer der Gruppe 5 ist das letzte Spiel am Sonntag in Trier gegen die sieglosen Letten bedeutungslos geworden, weil Deutschland die direkten Duelle gegen die Staffelrivalen Österreich und Island gewonnen hat. Kurz nach Spielende erfuhr Brand von der glücklichen Wendung zum Ausklang dieser Berechtigungsrunde, die ausgesprochen unharmonisch mit dem Remis gegen Österreich begonnen hatte. „Ich bin sehr froh, dass wir nun qualifiziert sind. Das gibt mir die Möglichkeit, beruhigt abzutreten“, sagte er. Brand hat die Nationalmannschaft seit 1997 trainiert und sie zu den Titeln bei der EM 2004 und der Heim-WM 2007 geführt.

          Besser als ihr Ruf

          Auch für seinen potentiellen Nachfolger sieht die Zukunft nun rosiger aus. Brands Assistent Martin Heuberger soll der neue erste Mann auf der Bank sein; daran ließ DHB-Präsident Ulrich Strombach in Innsbruck keine Zweifel: „Ich denke, in der Woche nach dem Spiel in Trier werden wir das mit dem Vertrag schaffen“, sagte Strombach. Brand scheidet auf eigenen Wunsch zum 30. Juni als Bundestrainer aus und übernimmt dann den neugeschaffenen Posten als Verbands-Manager beim DHB. Heuberger war der stets loyale zweite Mann, der seine Qualitäten als Cheftrainer bei diversen Welt- und Europameisterschaften mit deutschen Nachwuchsteams nachgewiesen hat.

          EM-Qualifikation geschafft: Silvio HEinevetter und Adrian Pfahl

          Dass die deutschen Handballer besser sind als ihr derzeitiger Ruf, zeigten sie am Mittwochabend. Vor allem der Beginn mit einem starken Kapitän Pascal Hens war überzeugend. Beim 15:8 zur Pause schien die Partie schon entschieden, doch Mitte der zweiten Halbzeit kamen die Österreicher auf zwei Tore heran. Ein überragender Torwart Heinevetter und die eingewechselten Rückraumspieler Kaufmann und Christophersen führten die deutsche Auswahl zu einem am Ende ungefährdeten Sieg.

          WM-Enttäuschung vergessen

          So endete das letzte Diensthalbjahr Brands erfreulich. Begonnen hatte es mit dem enttäuschenden elften Platz bei der Weltmeisterschaft in Schweden. Danach war die Kritik an Brand lauter geworden, er selbst verbiss sich in seine Liga-Schelte, gerichtet vor allem gegen die großen Klubs aus Kiel und Hamburg, die seiner Meinung nach zu wenig für den Nachwuchs tun. Getroffen von persönlicher und unsachlicher Kritik, erklärte Brand dann im Mai seinen Rücktritt. Inzwischen sind Verband und Liga aufeinander zugegangen. Vor allem der von Brand scharf attackierte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL, sieht die Notwendigkeit einer besseren Zusammenarbeit. „Da müssen wir besser werden. Wir brauchen auf Dauer eine Nationalmannschaft, die in der Weltspitze mitspielt. Liga und Verband müssen stärker als bisher an einem Strang ziehen“, sagte Bohmann. „Wir kommen nicht weiter, wenn wir uns gegenseitig Vorwürfe machen. Wir müssen mehr miteinander reden.“

          Große Erwartungen richten sich dabei nun ausgerechnet an Brand. So richtig definiert ist seine neue Rolle beim DHB nicht. Doch klar scheint, dass Brand als Verbands-Manager auf die Liga zugehen und enger mit ihr zusammenarbeiten wird. Seine Worte klingen inzwischen auch viel sanfter als bei seiner Brandrede am 18. Mai in Kamen. In Innsbruck sagte der scheidende Bundestrainer: „Wir haben auch erkannt, dass wir Dinge ändern müssen. Das geht nur in Verbindung mit der Liga. Wir müssen kooperieren, um Erfolg zu haben.“ Finanziell steht der DHB schlecht da; er kann es sich schlichtweg nicht leisten, bei zukünftigen Großveranstaltungen zu fehlen. Auch deswegen ist der ungewohnte Schulterschluss zwischen Liga und Verband sinnvoll.

          Ohne Forderungen wird Brand seinen neuen Posten nicht beziehen. Er will, dass Spielansetzungen in der Bundesliga mit dem neuen Bundestrainer abgesprochen werden, damit er Auswahl-Lehrgänge nicht verkürzen oder gar absagen muss. „Es wäre schön, wenn die Liga bereit wäre, mit ihrem Terminkalender auf die Belange der Nationalmannschaft Rücksicht zu nehmen“, sagte Brand. Ein erster Schritt zur Besserung besteht schon darin, dass es in DHB-Manager Brand bald jemanden gibt, der sich um die Zusammenarbeit zwischen Bundesliga und DHB kümmern kann, aber nicht auch noch das operative Geschäft verantwortet. Als Ein-Mann-Team und Einzelkämpfer in Sachen Nationalmannschaft wirkte Brand zuletzt arg überfordert. Sein Nachfolger soll es besser haben.

          Weitere Themen

          Spanien zaubert sich ins Halbfinale

          U-21-EM : Spanien zaubert sich ins Halbfinale

          Die U-21-Auswahl Spaniens ist ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und ins Halbfinale der EM eingezogen. Überzeugen konnten vor allem zwei Spielgestalter. Gastgeber Italien dagegen bangt ums Weiterkommen.

          Topmeldungen

          Wieder Lust auf die SPD machen: Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer am Montag im Willy-Brandt-Haus.

          Wie es bei der SPD weitergeht : Noch nichts gewonnen

          Die SPD beschreitet neue Wege. Das ist mutig. Denn die Basis, die nun über die Parteiführung entscheiden soll, ist unberechenbar. Wieviel Revolution wagen die Parteimitglieder?

          AKK : Merkels Tritt in die Kniekehlen

          Für Annegret Kramp-Karrenbauer läuft es derzeit nicht gut. Selbst die Kanzlerin lässt sie aussehen, als wollte sie sagen: Sie kann es (noch) nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.