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HSV Hamburg : Ohne viel Brimborium in die Bundesliga

  • -Aktualisiert am

Torsten Jansen gibt beim HSV Hamburg die Richtung vor. Bild: Imago

Der HSV Hamburg möchte in der Handball-Bundesliga als sympathischer Konkurrent wahrgenommen werden. Nicht als großkotziger Klub aus der Metropole. Das gelingt – auch dank Trainer Torsten Jansen.

          3 Min.

          Die 30 Meter von der Geschäftsstelle rüber zur Halle geht Torsten Jansen allein, scheinbar gedankenversunken. Doch als ein langjähriger Wegbegleiter seinen Weg kreuzt, hellt sich Jansens Gesicht auf. In 25 Minuten beginnt an diesem Sonntagnachmittag das Spiel seines HSV Hamburg gegen die SG Flensburg-Handewitt. Aber keine Spur von Anspannung bei Jansen. Er nimmt sich Zeit für ein Gespräch und beendet den Schnack mit dem Hinweis, sich bald mal mehr Zeit nehmen zu wollen.

          Starallüren sind im Handball weitgehend unbekannt. Jansen hat das auf die Spitze getrieben. Er ist in seinen Jahren als Profi und Trainer er selbst geblieben, geerdet durch seine Familie mit vier Kindern. Das ist mitunter kompliziert für die Medien. Nach dem ersten Spiel als Trainer einer Bundesligamannschaft ließ er die Erwartungen Ende September ins Leere laufen.

          Ein Spiel als Chefcoach in der ersten Liga gegen FA Göppingen, sicher etwas Besonderes? „Es ist Handball. Wie es in der zweiten Liga auch nur Handball war“, antwortete Jansen regungslos, eher achselzuckend, weil er wirklich keinen Unterschied erkennt zwischen seiner Arbeit hier und dort.

          Der 44 Jahre alte Weltmeister von 2007 trainiert den HSV seit 2016. Da hatte er seine Spielerkarriere wegen anhaltender Wadenprobleme beim THW Kiel beendet. Nach einem knappen Jahr im Nachwuchs des Handballsportvereins Hamburg übernahm Jansen die „Erste“. Den Aufstieg packte er nicht mehr. Dritter wurde der HSV.

          Rückkehr ohne Raute auf der Brust

          Ein Jahr später ging es hoch in die zweite Liga. Dort verweilten die Hamburger drei Jahre. Jansen baute seine Mannschaft auf. Ruhig, analytisch. Ohne viel Brimborium. Der Aufstieg gelang.

          Fünfeinhalb Jahre nach der Insolvenz kehrte der HSV im Juni zurück in die Bundesliga. Mit einer Mannschaft der Namenlosen. Ohne die Raute auf der Brust. Als viel kleinere Version des Schwergewichts, das einst Kiel und Flensburg jagte. Der HSV möchte als sympathischer Konkurrent wahrgenommen werden. Nicht als großkotziger Klub aus der Metropole.

          Auch dafür steht Jansen. In dieser bislang überraschend gut verlaufenden Saison mit Siegen über die Löwen, das Team aus Wetzlar und in Stuttgart setzt Jansen auf die Aufstiegsmannschaft. Spielmacher Leif Tissier, Kreisläufer Niklas Weller, Jan Forstbauer im Rückraum: Kaum jemand hätte den Novizen zugetraut, so unbeeindruckt in der Bundesliga weiterzumachen.

          Rückhalt im Tor: Johannes Bitter
          Rückhalt im Tor: Johannes Bitter : Bild: Reuters

          Der Zusammenhalt der Truppe gilt als phänomenal – der Kern steckte schon 2016 in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein im HSV-Trikot. Sechs Spieler des Aufstiegskaders wurden in der eigenen Jugend entwickelt.

          Unbedingt sollen zu große Schritte vermieden werden, um den abermaligen Kollaps zu verhindern. Zweimal schrammte das Projekt nämlich schon an der Pleite vorbei. Nach der Insolvenz der Profi-GmbH stand 2016 auch der Trägerverein HSV vor dem Aus. Private Spender sicherten das Überleben. Unter ihnen der heutige Vizepräsident Martin Schwalb sowie Präsident Marc Evermann und Geschäftsführer Sebastian Frecke.

          Ohne das Geld des Hamburger Mäzens Alexander Otto wäre dem Klub damals allerdings sofort das Licht abgedreht worden. Ein zweites Mal eng wurde es 2018 in der zweiten Liga. Als Zweitliga-Vertreter stieg das Gehaltsvolumen, ohne dass der Etat mitwuchs. Evermann half mit eigenem Geld.

          Es wächst etwas zusammen

          Inzwischen frei von Altlasten, weckt der HSV in Hamburg Begehrlichkeiten. Mehr als 6000 Fans kamen am Sonntag gegen die SG Flensburg, an diesem Sonntag (16.00 Uhr bei Sky) kommt GWD Minden. 400.000 Euro soll das Sponsoring der Reederei Hapag-Lloyd bringen. Bei vier Millionen Euro steht das Budget – eine stolze Summe für einen Aufsteiger. Im Hintergrund wird gut gearbeitet.

          Im Sommer holten Jansen und Schwalb Akteure, die sofort weiterhalfen. Torwart Johannes Bitter, mit dem Jansen noch beim HSV spielte. Casper Mortensen aus Barcelona für Linksaußen. Manuel Späth als Abwehr-Kante. Azat Valiullin für den Rückraum.

          Alle sind über 30 Jahre alt, kennen die Liga, sind dafür da, den Jungen den Rücken freizuhalten, ihnen Sicherheit zu geben. Linkshänder Nicolai Theilinger, aus Göppingen verpflichtet, konnte wegen einer Knieverletzung noch gar nicht spielen.

          Es wächst etwas zusammen. Das Pu­blikum ist treu, kam schon in der dritten, dann in der zweiten Liga. Aber ein Selbstläufer ist der Handball in Hamburg nun auch wieder nicht: Gegen die Füchse Berlin im Pokal zahlten nur 1600 Fans Eintritt. Wohl auch wegen der Pandemie und damit verbundener Unsicherheiten. Es muss sich alles erst wieder einspielen.

          Achtmal läuft der HSV in der großen Arena im Volkspark auf. Das erinnert tatsächlich an früher, als die Hamburger hier Champions League spielten. Die anderen neun Heimspiele finden in der alten Alsterdorfer Sporthalle statt – kein Glamour. Torsten Jansen wird das wenig ausmachen: Für ihn ist es nur Handball. Da wie dort.

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