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Handball : Aus der zweiten Reihe zum Erfolg

  • -Aktualisiert am

Mann des Abends: Stefan Schröder Bild: picture-alliance/ dpa

Stefan Schröder ist selten erste Wahl, Zeit seiner Karriere gab es immer einen Besseren auf seiner Position – beim 34:23-Erfolg des HSV Hamburg gegen San Antonio in der Zwischenrunde der Champions League ist er trotzdem der Beste.

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          Die beiden letzten Szenen erinnerten stark an die Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien: zuerst verwarf Stefan Schröder einen Siebenmeter, dann traf er mit der Schluss-Sirene ins Tor, doch die ungarischen Schiedsrichter gaben den Treffer nicht. Zum Glück interessierte das niemanden mehr, denn Schröder hatte seinen Verein durch eine blitzsaubere Leistung längst zum Sieg geführt: überraschend hoch mit 34:23 besiegte der HSV das spanische Spitzenteam von Portland San Antonio am Mittwochabend. Der HSV ist perfekt in die Zwischenrunde der Champions League gestartet; schon ein einziger Punkt aus den beiden kommenden Auswärtsspielen würde genügen, um das Viertelfinale zu erreichen.

          Dass Stefan Schröder mit acht Toren aus neun Versuchen zum Mann des Abends werden würde, hatte niemand erwartet. Warum nicht? Das brachte der Hamburger Anführer Pascal Hens auf den Punkt: „Stefan hat bei der WM ja hauptsächlich im Bett gelegen, weil er krank war. Deswegen freut mich seine Leistung heute besonders.“ Tatsächlich hatte die kroatische Grippe den norddeutschen Außenspieler derart geschwächt, dass Bundestrainer Heiner Brand zunächst Christian Schöne hatte nachnominieren müssen.

          Zeit seiner Karriere gab es immer einen Besseren

          Schröder selbst war beim Großturnier erst zur Nummer eins auf Rechtsaußen geworden, weil sich Christian Sprenger verletzt hatte. Als sich das Fieber gelegt hatte, musste Schröder gleich im „Endspiel“ um den Einzug ins Halbfinale gegen Dänemark ran – und erwischte einen gebrauchten Tag. Da tat die Gala gegen Portland zwei Wochen später richtig gut. Schröder sagte: „Die WM war nicht verkorkst, aber doch ziemlich unglücklich für mich. Deswegen bin ich froh, dass es jetzt gleich so läuft.“

          Einer war immer besser: in der Nationalmannschaft war es Florian Kehrmann

          Mit ihm lief es zwar gegen die ersatzgeschwächten Spanier – doch zunächst hatte Schröder wieder von der Bank zugeschaut. Das ist nichts Ungewohntes für den blonden Schweriner. Zeit seiner Karriere gab es immer einen Besseren auf seiner Position: bei der SG Flensburg-Handewitt war das in den großen Jahren mit Meisterschaft und Pokalsieg Sören Stryger, in der Nationalmannschaft Florian Kehrmann. Kehrmann spielte beim deutschen Triumph 2007 quasi durch, und Stefan Schröder wurde damals zum Weltmeister ohne eine einzige Spielminute. Nun beim HSV steht der oft geniale Däne Hans Lindberg vor ihm. Doch Lindberg hat es nicht so mit der Disziplin, während Schröder ein grundsolider Außen in Abwehr und Angriff ist. So bleiben ihm beim HSV genug Spielanteile.

          Die Meisterschaft ist längst verspielt

          Gegen die Spanier aus Pamplona war Schröder sofort hellwach. Tore aus dem Spiel, Treffer nach Gegenstößen, zwei „geklaute“ Bälle in der Abwehr. Dass der HSV nach schwacher erster Halbzeit von 14:13 auf 20:14 davonzog, lag fast allein an Schröder. „Es freut einen einfach, wenn alles reingeht“, sagte er. Weil alles reingegangen war, konnte man am Ende des Spiels einen entspannten Blick auf die Hamburger Qualitäten werfen. Trainer Martin Schwalb schonte die deutschen Nationalspieler Jansen, Bitter und Hens, auch Weltmeister Gille durfte sich ausruhen. Die zweite Garde der Hamburger brachte den Sieg locker nach Hause. Der HSV hat den stärksten Kader der Bundesliga. Der wird ihm auf der Jagd durch die drei Wettbewerbe noch helfen.

          So gelang der Neustart nach der WM mühelos. Die Tage von Kroatien blieben aber die Bezugsgröße für Stefan Schröder. „Wir haben jetzt eine gute Ausgangsposition, aber die kann man schnell leichtfertig verspielen“, sagte er. So war es den Deutschen ergangen, als sie dem einen noch benötigten Punkt in der Hauptrunde erfolglos hinterherjagten und das Semifinale verpassten. Schröder forderte volle Konzentration für den HSV: „Wir dürfen jetzt nicht in alte Lethargie verfallen.“ Mit neun Minuspunkten ist die Meisterschaft längst verspielt. Doch nach diesem Auftritt haben Schröder und der HSV richtig Gefallen gefunden an der Champions League.

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