https://www.faz.net/-gtl-8uk

Handball : Aus dem Trainer wird der Manager

Klare Worte zum Abschied: Heiner Brand Bild: dapd

Heiner Brand tritt im Juni dieses Jahres als Bundestrainer der Deutschen Handball-Nationalmannschaft zurück und beginnt ab 1. Juli ein neues Engagement als Team-Manager des Deutschen Handballbundes (DHB).

          3 Min.

          Heiner Brand trug am Mittwoch Schwarz, was man natürlich als passende Kleidung für die Ankündigung eines Abschieds betrachten konnte. Allerdings ging es in der Sportschule Kamen-Kaiserau auch um Aufbruch, um eine neue Aufgabe für Brand im deutschen Handball. „Ich bin noch nicht verbraucht“, sagte der Gummersbacher, und er betonte: „Mein Herz hängt am Handball.“ Er wird deshalb weiter für den Deutschen Handball-Bund (DHB) tätig sein. Zwar nicht mehr als Bundestrainer, dieses Kapitel wird wie erwartet am 30. Juni endgültig beendet sein, nach mehr als 14 Jahren.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Danach wird Brand die Rolle eines Managers im DHB übernehmen, zuständig für die Nachwuchsförderung und für die Betreuung von Sponsoren. Der DHB und Brand glauben, damit eine Lösung mit großer Signalkraft gefunden zu haben - und dazu dem Mann, der als das Gesicht des deutschen Handballs gilt, vollauf gerecht zu werden. „Wir sind sehr froh“, sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach, „dass uns Brand erhalten bleibt“. Einen Nachfolger für Brand präsentierte er jedoch noch nicht. Das soll spätestens im Juni geschehen. Strombach wies auf Gespräche mit mehreren Kandidaten hin, er sagte auch, dass ihr Kreis inzwischen kleiner geworden sei. Gute Aussichten werden vor allem Brands bisherigem Assistenten Martin Heuberger eingeräumt. Aber auch der Isländer Dagur Sigurdsson von den Berliner Füchsen war zuletzt noch im Spiel.

          Strombach mochte am Mittwoch nicht von einem Rücktritt Brands sprechen, für ihn ist es die Modifizierung des bestehenden Vertrags mit Brand. Ursprünglich hätte der 58 Jahre alte Handball-Lehrer bis 2013 auf seinem Posten bleiben sollen - in seiner neuen Funktion ist er nun sogar bis 2015 an den Verband gebunden. Mit oberbergischem Humor beschrieb Brand seine Gefühle über das nahende Revirement so: „Ich könnte mir vorstellen, dass ich jetzt sogar ein bisschen erleichtert bin.“

          Endgültige Auszeit angemeldet: Heiner Brand
          Endgültige Auszeit angemeldet: Heiner Brand : Bild: dpa

          Erfolgreiche Ära

          Deutschland war mit Brand Europameister und Weltmeister geworden, in seiner Ära hatte der deutsche Handball deutlich an Ansehen gewonnen. Zuletzt aber hatte es manche Turbulenzen gegeben, und mit einer großen Enttäuschung endete die WM in Schweden: Die Deutschen lagen mit Platz elf weit hinter ihrem Anspruch. Brand hatte sich jedoch zuvor schon in einem Reizklima bewegt, das ihm schwer zusetzte. „Das hat mir etwas die Freude an meinem Job genommen.“ Das ließ in ihm den Entschluss reifen, seinen Posten vorzeitig niederzulegen.

          Im Speziellen ging es dabei um mangelnde Unterstützung aus der Bundesliga. „Das hat Narben hinterlassen.“ Es war ein ewiger Kampf für ihn, immer wieder hatte Brand vermeintliche Missstände angeprangert und mehr Hilfe der Liga für die Nationalmannschaft verlangt - vor allem kritisierte er, dass in der Liga das deutsche Element zu kurz komme. Dazu hatte ihn während der WM gestört, dass er von Teilen der Öffentlichkeit plötzlich in Frage gestellt wurde. Das sei mangelnder Respekt gegenüber seiner Person und seinen Verdiensten, sagte Brand am Mittwoch, und an den Handball generell gerichtet monierte der Gummersbacher: „Einige Verhaltensweisen in der Branche decken sich nicht mit meinen Vorstellungen von Werten.“

          Brand nutzte den Auftritt in Kamen-Kaiserau zu einer Art Abrechnung, sie zielte in erster Linie auf deutsche Spitzenklubs wie den Meister HSV Hamburg, den THW Kiel oder die Rhein-Neckar Löwen. Ihnen hält Brand vor, deutschen Spielern zu wenige Chancen zu geben. Sie sollten sich überlegen, sagte der Noch-Bundestrainer, „ob sie nur Unternehmen mit Sitz in Deutschland sind oder tatsächlich etwas für den deutschen Handball tun wollen.“ Brand forderte eine Quote für deutsche Spieler in der Bundesliga. Dabei handele es sich zwar um ein Notinstrument, aber so etwas gebe es doch sogar im Basketball in Russland.

          Brands Wort hat weiter Gewicht

          Brand wirkte an der Schnittstelle zwischen dem Heute und Morgen sehr angriffslustig - und trotz seiner harschen Äußerungen gab er sich zuversichtlich, die Fronten im deutschen Handball nicht weiter verhärtet zu haben. Immerhin will er erkannt haben, dass in der Liga seit Schweden immer mehr die Notwendigkeit gesehen werde, die Belange des Nationalteams stärker zu berücksichtigen. Er hoffe, sagte Brand, dass dies seinem Nachfolger zugute kommen werde. Schließlich soll Deutschland im Handball schnellstmöglich wieder vorankommen. „Wir gehören ganz, ganz oben hin“, sagte Brand.

          Sein Wort, das deutete sich am Mittwoch an, wird auch von Juli an noch großes Gewicht im deutschen Handball haben. Der neue Mann an der Spitze des Nationalteams soll in seinem Wirken aber keinesfalls durch die Handball-Ikone aus Gummersbach beeinträchtigt werden. „Es ist nicht mein Wille, in die Arbeit des Neuen hineinzureden“, sagte Brand. „Ich werde mich mit Sicherheit davon fernhalten.“ Er dürfte trotzdem genug Gelegenheiten bekommen, sich und seine Ideen darzustellen. Im Fall des Falles auch weiter als „Abteilung Attacke“ im deutschen Handball.

          Weitere Themen

          Endlich wieder spielen

          Eishockey in Deutschland : Endlich wieder spielen

          Corona sorgt für Stillstand in der ersten deutschen Eishockeyliga. Viele Topspieler halten sich nun fit, indem sie freiwillig eine Klasse absteigen.

          Topmeldungen

          Kein Lockdown: In Delmenhorst bleiben trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 die Geschäfte und Restaurants geöffnet.

          Neue Corona-Grenzwerte? : Bayern prescht vor, Hessen und Niedersachsen warten

          Während Bayern einen neuen Corona-Grenzwert einführt, geben sich andere Bundesländer reserviert. Von einem Lockdown wie in Berchtesgaden wollen die Verantwortlichen in den Hotspots Delmenhorst, Frankfurt und Offenbach vorerst nichts wissen.
          Das Kulturerbe mit Öl bespritzt: Friederike Seyfried, die Direktorin des Ägyptischen Museums, vor einer beschädigten Stele aus dem nordsyrischen Fundort Tell Halaf.

          Anschlag auf Berliner Museen : Die Entweihung des Kulturerbes

          Am Tag der deutschen Einheit wurden vier Sammlungen auf der Berliner Museumsinsel Opfer eines hinterhältigen Anschlags. Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen während der Öffnungszeiten machten es dem Täter leicht, sein Zerstörungswerk zu verrichten.
          Der Pianist Igor Levit engagiert sich auch politisch: hier am 9. November 2018 auf der 43. Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen in Leipzig.

          SZ und Igor Levit : Der Druck der Masse

          Erst veröffentlicht die „Süddeutsche Zeitung“ eine Polemik gegen den Pianisten Igor Levit, dann entschuldigt sie sich dafür. Was geht da eigentlich vor?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.