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Früherer Hammerwerferin : Kathrin Klaas als Fachfrau mit Freude

  • -Aktualisiert am

Kathrin Klaas bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften 2014 in Ulm. Bild: dpa

Früher hat sie zwei deutsche Meisterschaften gewonnen und wurde Vierte bei den Olympischen Spielen in London. Nun trainiert Kathrin Klaas eine Klubkollegin – denn Fachleute im Hammerwurf sind rar.

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          Der Wettkampfhammer liegt im Keller. Aber: „Es würde mich sehr freuen, ihn noch mal fliegen zu sehen“, sagt Kathrin Klaas. Selbst will die zweimalige deutsche Meisterin und Olympiavierte der Spiele von London zwar nicht mehr in den Ring gehen. 2018 hatte die Leichtathletin von Eintracht Frankfurt ihre Karriere beendet, war bei den Heimeuropameisterschaften in Berlin ein letztes Mal gegen die internationale Konkurrenz angetreten und hatte, nach längerer Leidenszeit wegen Leisten- und Hüftproblemen, mit 71,50 Metern den siebten Platz belegt. Seitdem treibt die 37-Jährige Sport nur noch als Freizeitvergnügen; vor allem lange Radtouren haben es der Laufunwilligen angetan.

          Seit einigen Wochen ist Klaas jedoch wieder öfter dort anzutreffen, wo sie sich einst in zäher Fleißarbeit die Basis für die großen Auftritte aneignete: im Werferhaus des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) an der Niederräder Hahnstraße. Hier betreut sie ihre Frankfurter Klubkollegin Lucie Holzapfel. Die 21-Jährige hatte im Sommer den Schritt in den Bundeskader nur knapp verpasst. Klaas will dem Talent, dessen Bestweite aus diesem Jahr bei 61,61 Metern steht, dabei helfen, diese schnell hinter sich zu lassen. „Von den physischen Voraussetzungen her“ sehe das viel versprechend aus.

          Mehr Spaß als erwartet bereitet es Klaas, ihre reichhaltige Erfahrung weiterzugeben und ihrer Leidenschaft für die im Kreis der Leichtathletik noch immer stiefmütterlich behandelte Disziplin nun aus anderer Perspektive zu frönen. „Ich hätte nicht gedacht, dass einem das so viel zurückgibt“, sagt die lizenzierte B-Trainerin. Direkt nach ihrem Abschied vom Leistungssport hatte sie sich eine solche Tätigkeit nicht vorstellen können.

          Fernstudium der Kriminologie

          Einer jungen Kollegin aus Südafrika schrieb sie zwar die Trainingspläne. Den geplanten Aufenthalt im Ausland und eine längere Kooperation verhinderte jedoch der Beginn der Corona-Pandemie. Zudem hatte die Polizistin erst mal Abstand zur Szene gesucht. Um sich weitere berufliche Chancen zu eröffnen, begann Klaas mit einem Fernstudium der Kriminologie, das sie im Juni abgeschlossen hat. Gleichzeitig wechselte sie ihren Arbeitsplatz: Im Vorbereitungsstab für die Fußball-Europameisterschaft 2024 ist sie in Frankfurt mit zuständig für Fragen der Sicherheit. Das verhelfe ihr zu regelmäßigeren Arbeitszeiten als vorher im Social-Media-Team des Polizeipräsidiums. Nur so ist es Klaas möglich, bis zu viermal in der Woche mit ihrer Athletin zu üben.

          „Zufällig“ sei die Zusammenarbeit zustande gekommen. Der Abgang des hauptamtlichen Wurftrainers Steffen Reumann hatte bei der Eintracht und beim HLV im Sommer für einen Engpass gesorgt. Für die Diskus-, Kugel- oder Speerspezialisten sei die Lücke einfacher zu schließen gewesen; „fürs Hammerwerfen gibt es nicht so viele Fachleute“, sagt Klaas. Eine erste Anfrage seitens des Verbandes lehnte sie ab, „ich hätte meine eigenen Ansprüche nicht erfüllen können“. Zu einem späteren Zeitpunkt erklärte sie sich bereit, die Wettkampfbetreuung Holzapfels zu übernehmen und diese näher kennen zu lernen. Als der HLV in Bastian Otto einen neuen Athletiktrainer anheuerte, der sich abseits des Rings um die Sportlerin kümmert, ließ Klaas sich auf die neue Aufgabe ein.

          Bundestrainer Helge Zöllkau hatte Klaas schon früher für eine solche Aufgabe vorgeschlagen. Unter dem Leverkusener hatte sich die Weltmeisterschaftsvierte von 2009, die immer wieder öffentlich mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung für das Hammerwerfen der Frauen einforderte, auf ihre dritten Olympischen Spiele 2016 in Rio vorbereitet. Sie selbst hat sich jetzt vorgenommen, sich allein auf die Fortschritte der eigenen Athletin zu konzentrieren und dafür gegebenenfalls auch das eigene Wurfgerät einzusetzen. Jenes von Holzapfel sei abgenutzt. Der Hammer aus dem Keller könnte also noch mal durch die Luft wirbeln.

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