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Hamburg Freezers : Im Stile eines Tausendfüßlers

  • -Aktualisiert am

Wieder ist der Puck im eigenen Tor: Freezers-Torwart Jean-Marc Pelletier Bild: picture-alliance/ dpa

Nach ihrem Fehlstart in der Deutschen Eishockey Liga kommen die Hamburg Freezers nur in kleinen Schritten voran. Das Team ist zerbrechlich, die Fans sind wütend - und die Saison scheint schon abgehakt. Wieder steht alles auf Anfang.

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          Der neue Chef hat ein ganz gutes Bild gefunden, um die Vergeblichkeit des Tuns bei den traurigen Hamburg Freezers zu illustrieren: „Die Mannschaft nimmt immer wieder neu Anlauf, scheitert dann aber schon am ersten Hügel.“ Seit Ende September führt Moritz Hillebrand die Geschäfte beim Hamburger Klub aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Viel Freude an den Freezers hat Hillebrand bisher nicht gehabt. Nach dem 5:3 gegen Straubing am Freitag gingen die Freezers am Sonntag 3:8 in Iserlohn unter.

          Dabei sollte der Sieg gegen die Bayern doch der Startschuss zur großen Aufholjagd sein. Stattdessen geht die Krise nun auf dem vorletzten Tabellenplatz weiter. „Wir sind ein sehr zerbrechliches Team“, sagt Trainer Paul Gardner. Für das nächste Heimspiel an diesem Donnerstag gegen Mannheim haben die treuen Fans Proteste angekündigt. Es ist der schlechteste Saisonstart seit 2002, als die Freezers ihre Mission Eishockey in Hamburg begannen. Schon wieder scheint es eine enttäuschende Saison zu geben.

          Allerdings gibt es in dieser Serie einen deutlichen Unterschied zu früher: Gardner hat so etwas wie eine Jobgarantie bekommen. Dafür musste Ende September derjenige gehen, den die meisten schon seit Jahren für den schleichenden Niedergang des Klubs verantwortlich gemacht hatten: der bei den Fans äußerst unbeliebte Manager Boris Capla. Er hatte noch immer die Spieler geholt, die ihm gefielen. Die Trainer mussten dann mit Profis arbeiten, die sie gar nicht wollten. Jahr für Jahr tauschte Capla im Sommer den halben Kader aus, und die Coaches, ob Dave King, Mike Schmidt oder Bill Stewart, sollten daraus eine Mannschaft machen. Am Ende flogen sie alle raus. Gardner ist der sechste Trainer in sieben Jahren.

          „Wir werden versuchen, die Verluste so gering wie möglich zu halten“

          Die Freezers gehören zum Firmenimperium der Anschutz Entertainment Group (AEG) wie auch die Eisbären Berlin. Erst Ende September reagierte AEG endlich. Seitdem kümmert sich Kommunikationsdirektor Hillebrand als Interims-Chef um die Freezers. Im Gespräch deutet er an, dass der Grund für die Entlassung Caplas nicht nur die sportliche Misere war, sondern auch die Flaute bei den Sponsoren. Man munkelt, dass die stets gut betuchten Freezers in diesem Jahr mit einer Million Euro weniger auskommen müssen.

          Die Zuschauerzahlen sind Jahr für Jahr zurückgegangen, was an den schlechten Leistungen in der Hauptrunde lag und auch daran, dass dem Klub die Identifikationsfiguren auf dem Eis fehlen. Dass man mit den Freezers kein Geld verdienen kann, hatte AEG-Europa-Chef Detlef Kornett schon im Sommer angedeutet: „Wir werden versuchen, die Verluste so gering wie möglich zu halten.“ Von einem Abzug der Freezers aus Hamburg könne aber keine Rede sein, sagt Hillebrand: AEG gehört auch die Hamburger Color Line Arena; die Eishockeymannschaft ist mit ihren vielen Heimspielen wichtigster Mieter.

          Zumindest die Person Gardner soll bis auf weiteres unantastbar sein. Hillebrand sagt: „Wir wollen den Profis kein Alibi verschaffen und den Trainer in Frage stellen. Gardner lebt das vor, was wir von den Profis erwarten: harte Arbeit, Teamgeist und Identifikation mit Klub und Stadt.“ Erwartungen, die zuletzt arg enttäuscht wurden – dreimal nacheinander schafften die Freezers so gerade den Einzug in die Play-off-Runde, um dann sofort auszuscheiden.

          „Wir haben uns zuletzt nur in Tausendfüßlerschritten vorwärtsbewegt“

          Die Hamburg Freezers sind ein Klub im permanenten Umbruch. Nun soll es ein Jahr des Übergangs ohne große Zielvereinbarungen geben. Im November beginnen die Planungen für die nächste Spielzeit, erst dann dürften die Pläne der neuen Führung auch greifen. So offen sagt das niemand bei den Freezers, wäre ja auch eine bittere Erkenntnis für die Fans. Eigentlich sollte ja schon in dieser Spielzeit alles besser werden, doch dann kamen der Fehlstart und die damit verbundene und längst überfällige Trennung von Capla. „Wir haben uns zuletzt nur in Tausendfüßlerschritten vorwärtsbewegt“, sagt Kornett.

          Vielleicht sorgt der jetzige Hannoveraner Manager Marco Stichnoth dafür, dass sich die Hamburg Freezers demnächst wieder schneller übers Eis bewegen. Er gilt als der Favorit von AEG auf den Posten des Sportlichen Leiters. Zu besetzen ist auch die neugeschaffene Stelle des Marketing-Chefs. Capla hatte zuletzt beiden Posten inne, eine Ämterhäufung, die es so nicht mehr geben wird. Wieder einmal steht alles auf Anfang bei den Freezers.

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