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Sportstadt Hamburg : Jetzt auch noch Ironman

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Rund 2500 Sportler schwimmen beim Ironman in Hamburg 3,8 Kilometer durch die Alster. Bild: dpa

Marathon, Rad und nun Triathlon über kurz und lang: Hamburg ist trotz des bitteren Olympia-Aus Sportstadt geblieben und nennt sich selbstbewusst „Hauptstadt des Ausdauersports“.

          Sätze wie diese gehen den Sportpolitikern der Stadt runter wie Öl. „Die vier wichtigsten Ausdauerveranstaltungen hier auszutragen ist ein weltweites Alleinstellungsmerkmal“, sagt Björn Steinmetz, der Geschäftsführer von Ironman Germany. Seit Jahren messen sich in Hamburg Breiten- und Profisportler im Marathon, Triathlon und Radfahren (Cyclassics). In diesem Jahr ist der Ironman hinzugekommen, der Dreikampf über die Langdistanz – 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen.

          Bei der Hamburger Premiere, die auch als Qualifikation für die WM am 14. Oktober auf Hawaii dient, gewann am Sonntagnachmittag der Südafrikaner James Cunnama in 8:00:36 Stunden. Zwei deutsche Athleten kamen auf die verbleibenden Podiumsplätze: Horst Reichel wurde in 8:22:27 Stunden Zweiter, Markus Fachbach kam in 8:25:36 Stunden auf Rang drei. Bei den Frauen siegte die Darmstädterin Daniela Sämmler, die nach 9:07:49 Stunden den Zielstrich auf dem Rathausmarkt passierte.

          Der Ironman zieht. Alle 2600 Startplätze waren schnell ausverkauft – trotz des Preises von 500 Euro. Selbst die sieben Startplätze, die im Juli für das doppelte Startgeld im Rahmen einer Wohltätigkeitsaktion angeboten wurden, waren in 20 Minuten vergriffen. Im Profifeld fehlten die großen Namen, weil sich die Stars der Szene schon längst auf den Jahreshöhepunkt vorbereiten und die Erholungszeit zwischen Hamburg und Hawaii zu kurz ist.

          Deshalb musste das begeisterungsfähige Hamburger Publikum bei halbwegs sommerlichen Temperaturen auch auf den zweimaligen deutschen Hawaii-Sieger verzichten, Jan Frodeno. Am Freitag hatte zudem der grippegeschwächte Mitfavorit Michael Raelert aus Rostock abgesagt. 2018, wenn der Hamburger Ironman schon am 29. Juli stattfindet, soll ein stärkeres Feld auflaufen: „Wir wollen den Ironman hier etablieren und dann die nächsten Schritte planen“, sagt Manager Steinmetz, „dazu gehören zum Beispiel auch mehr Spitzenathleten.“

          Begeistert zeigten sich am Sonntag die Athleten und die Ausrichter von der Nähe zu den Fans auf dem citynahen Laufkurs um die Alster und in der Wechselzone am Rathausmarkt. Das ist Spitzensport zum Anfassen, wie man ihn aus den anderen Hamburger Sportveranstaltungen kennt, in denen Stars und Amateure gemeinsam antreten.

          Einmalig: Beim Ironman Hamburg wird über die Köhlbrandbrücke geradelt. Bilderstrecke

          Nach den G-20-Krawallen und dem Messerattentat von Barmbek gehen nun wieder die Bilder des schönen Hamburgs um die Welt. Natürlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Dem Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD) gefällt die derzeitige Ballung hochkarätigen Sports in der Hansestadt natürlich trotzdem: „Wir sind weltweit die einzige Metropole, in der in einem Jahr ein Marathon, ein Triathlon und ein Radrennen stattfinden“, sagt Grote, „der Ironman ist die Krönung.“

          Für diese „Krönung“ hat die Stadt Hamburg als selbsternannte „Hauptstadt des Ausdauersports“ 300 000 Euro Anschubfinanzierung spendiert. Es gibt derzeit eine solch rasante Abfolge und Gleichzeitigkeit der Ereignisse, dass die Sportfans schon genau überlegen müssen, wo sie hingehen: am 20. August macht die UCI World Tour mit den Cyclassics Stopp in Hamburg. Am selben Wochenende spielt die deutsche Basketball-Nationalmannschaft im Supercup in der Inselparkhalle Wilhelmsburg gegen Russland, Polen und Serbien, um sich auf die Ende August beginnende Europameisterschaft vorzubereiten.

          Eine Woche später kommt die Beachvolleyball-World-Tour zum zweiten Mal nach Hamburg und trägt am Tennisstadion am Rothenbaum ihr Masters aus. Die Olympiasiegerinnen Kira Walkenhorst und Laura Ludwig haben für das Tour-Finale eine Wildcard bekommen und dürfen starten, obwohl sie wegen einiger Verletzungen nicht genug Weltranglistenpunkte haben sammeln können. Wie gut sie trotzdem sind, haben die beiden Ausnahmeathletinnen beim überraschenden WM-Triumph in Wien Anfang August gezeigt.

          Und nur eine Woche nach Walkenhorsts und Ludwigs Besuch in Hamburg folgt das nächste sportliche Großereignis – die Weltmeisterschaft der Amateurboxer im Einzel und mit der Mannschaft mit den Finalkämpfen am 2. und 3. September. Im Zentrum des Interesses steht dann der Hamburger Halbweltergewichtler Artem Harutyunyan, der in Rio die olympische Bronzemedaille gewann.

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          Die vielen Veranstaltungen sollen ein Signal aussenden: Hamburg ist Sportstadt geblieben, trotz des bitteren Olympia-Aus vom November 2015. Die Pleite beim damaligen Volksentscheid schmerzt Hamburgs Sportpolitiker umso mehr, weil der Weg zu Olympischen Spielen inzwischen vergleichsweise kurz und bequem anmutet – werden auf der IOC-Session am 13. September in Lima doch die Spiele 2024 und 2028 für die verbleibenden Bewerber Paris und Los Angeles ohne Gegenkandidaten vergeben.

          Da hätte Hamburg sicher beste Chancen gehabt. Für Grote, der damals noch nicht im Amt war, ist es ein großes Anliegen, die Anregungen und Impulse der Olympiabewerbung aufzugreifen, zu nutzen und weiterzuentwickeln. Dazu wurde im November 2016 der Masterplan „Active City“ aufgelegt. Er fördert Sport und Bewegung für alle in der ganzen Stadt. Vom Sporthallenbau bis zu Großveranstaltungen reicht das Maßnahmenpaket. Soll keiner sagen, Hamburg habe den Sport vergessen.

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