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Nations League im Volleyball : Auf und Ab der Schmetterlinge

Blickt auf eine gute Zeit in Rimini zurück: die deutsche Spielmacherin Denise Imoudu Bild: Sebastian Wells/OSTKREUZ

Erfolgreich fürs Teambuilding, auch wenn die Resultate in der Nations League mäßig ausfallen: Die deutsche Zuspielerin Denise Imoudu über die lange Zeit in der Corona-Blase.

          3 Min.

          Meeresbrandung im Abendlicht, die Silhouetten zweier tanzender Frauen am Strand, im Hintergrund leuchtet ein Riesenrad, dazu die sphärischen Klänge von Billie Eilishs „Ocean Eyes“. Spielpause bei der Volleyball Nations League in Rimini. Zuspielerin Denise Imoudu und Diagonalangreiferin Kimberly Drewniok nutzen die Möglichkeiten des Durchatmens für 51 Sekunden Kunst im Alltag und lassen die Welt an ihrer Auszeit teilhaben. „Glück lebt in den kleinsten Momenten“, schreibt Imoudu dazu auf ihrem Instagram-Account. „Du machst das Leben so viel einfacher“, kommentiert Drewniok.

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          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Seit fast vier Wochen leben die beiden Sportlerinnen wie die gesamte deutsche Volleyball-Nationalmannschaft und 15 weitere internationale Teams in einer Corona-Blase an der italienischen Adria. Ein paar Tage müssen sie noch durchhalten. Nachdem vier von fünf Spielblöcken bei dem Dauerturnier absolviert sind, fällt die sportliche Zwischenbilanz aus deutscher Sicht mittelprächtig aus.

          Von zwölf Spielen gegen die versammelte Weltelite konnte das deutsche Team gerade mal vier gewinnen. Vor den abschließenden drei Partien von Freitag bis Sonntag rangieren „die Schmetterlinge“ auf Rang zwölf von 16 Nationen. Ein Resultat gemäß ihres Weltranglistenplatzes, aber sie wollten sich eigentlich hocharbeiten. „Wir hatten Höhen und Tiefen“, räumt Zuspielerin Imoudu im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein.

          Eigene Leistung „ganz okay“

          Nach einem ordentlichen Start mit zwei Siegen gegen Belgien und Holland in der ersten Woche kassierte das Team von Bundestrainer Felix Koslowski fünf Niederlagen nacheinander. Gegen den Weltranglistenersten China vergaben die Deutschen vier Matchbälle, gegen die schwächer eingeschätzten Teams aus Kanada und Thailand unterlagen sie glatt. Zudem verletzten sich Kapitänin Jennifer Geerties und die zweite Zuspielerin Magdalena Gryka, sie mussten nach dem zweiten Turnierblock abreisen. Erst in der vierten Phase griffen die Abläufe im Zusammenspiel wieder besser, dem Spitzenteam aus Brasilien wurde beim 1:3 Paroli geboten, Polen 3:0 geschlagen.

          Auch ihre eigene Leistung ordnet Imoudu als „ganz okay“ ein. Es ist das erste Jahr, in dem die 25-Jährige als erste Zuspielerin agiert, nachdem die langjährige Spielmacherin Denise Hanke ihre Karriere beendet hat. „Ich denke, dass wir alle mit unser persönliches Tief hatten“, rekapituliert sie die vergangenen Wochen, bei dem sich stets Blöcke mit drei Spielen und drei Trainingstagen abwechselten. Ihr Fazit als Ganzes fällt dennoch positiv aus: „So ein langes Turnier schweißt zusammen. Für das Teamgefühl war die Nations League positiv.“

          Maßgebliche Spielerin auch im Verein: Denise Imoudu bleibt weiter in Schwerin
          Maßgebliche Spielerin auch im Verein: Denise Imoudu bleibt weiter in Schwerin : Bild: Picture-Alliance

          Auch wenn man sich zwischendurch mal „auf die Nerven geht“, wie Imoudu einräumt, habe die Gruppendynamik funktioniert: „Es ist ein schönes Gefühl, es zusammen durchgezogen zu haben.“ Ihr selbst wurde trotz der langen Dauer des Turniers die Zeit nicht lang: „Ich habe damit keine großen Probleme“, sagt sie: „Ich widme mich auch anderen Projekten, lese viel, der Tag ist ausgefüllt.“

          Die freien Zeiten nutzte sie auch, um ihr Wissen für die Ausbildung als Coach zu erweitern. Auch Imoudus nähere sportliche Zukunft ist geklärt: In der Bundesliga spielt die in der Uckermark Geborene weiter für Pokalsieger Schweriner SC, der ebenfalls von Koslowski trainiert wird. Und mit der Nationalmannschaft stehen für sie schon vom 18. August an die Europameisterschaften an.

          Auch Imoudus nähere sportliche Zukunft ist geklärt: In der Bundesliga spielt die in der Uckermark Geborene weiter für Pokalsieger Schweriner SC, der ebenfalls von Koslowski trainiert wird. Und mit der Nationalmannschaft stehen für sie schon vom 18. August an die Europameisterschaften an. Deutschland wird dort auf die Teams von Gastgeber Bulgarien, Polen, Spanien, Tschechien sowie Griechenland treffen. Und im Gegensatz zur Nations League befinden sich die Schmetterlinge dann sogar in der Favoritenrolle, denn vier ihrer fünf EM-Gruppengegner haben es gar nicht erst in den illustren Kreis der 16 Topteams der Weltliga geschafft.

          Somit diente die Teilnahme an der Nations League auch dem kollektiven Selbstvertrauen. Und weil die Corona-Blase in Rimini gut gehalten hatte, konnten dort die Maßnahmen mit der Zeit sogar gelockert werden. Nicht nur eine Stunde am Tag, wie zunächst geplant, durften die Spielerinnen an den hoteleigenen Strand, sondern immer wenn Zeit dafür war. Und auch wenn Denise Imoudu, die privat lieber mit Campingmobil, Freund und Hunden in der freien Natur unterwegs ist, nicht als ausgewiesener Hoteltyp gilt, machte das die Turnieratmosphäre natürlich erträglicher: „Fast ein bisschen Urlaubsfeeling“.

          Sieg gegen Serbien

          Die deutschen Volleyballerinnen haben in der Nations League gegen Serbien mit 3:0 (25:23, 25:16, 25:21) gewonnen. Für die deutsche Auswahl war es der fünfte Sieg im 13. Spiel, sie hat nun 15 Punkte auf dem Konto und hält sich im Tabellenmittelfeld. Die Finalrunde der besten Vier kann das Team allerdings nicht mehr erreichen. Zum Abschluss geht es am Samstag (13 Uhr) gegen Japan und am Sonntag (10 Uhr) gegen die Dominikanische Republik (sid)

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