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Günter Bosch wird 70 : Einen zweiten Boris wird es nicht geben

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Bosch und sein Muster-Schützling - kurz nach dem ersten Wimbledon-Sieg 1985 Bild: dpa

Günter Bosch setzte auf Boris Becker - schon als dieser nur Sparringspartner für die Mädchen sein durfte. Es begann eine einmalige Tennis-Erfolgsgeschichte. Noch heute steht Bosch täglich mit Nachwuchsspielern auf dem Platz. „Tennis ist die beste Medizin.“

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          Günter Bosch steht immer noch jeden Tag bei Rot-Weiß Berlin auf dem Tennisplatz. Nur an seinem 70. Geburtstag an diesem Donnerstag macht der Mann, der Boris Becker 1985 und 1986 zu seinen ersten beiden Wimbledon-Siegen führte, eine Pause von seinem geliebten Sport: „Tennis ist die beste Medizin. Da vergesse ich alle Wehwehchen.“ Der Tennislehrer trainiert ein Nachwuchsteam von sechs bis acht Jugendlichen, eine Gruppe, die mangels eines Sponsors vorläufig „Bosch-Team“ heißt.

          Ein neuer Boris Becker ist nicht darunter: „Einen zweiten Boris zu finden ist eine Utopie. Das ist ein Wahn, den ich auch lange hegte. Boris ist einmalig, dieser unglaubliche Willen, diese Leidensfähigkeit und diese grenzenlose Liebe zum Spiel“, sagte der immer noch jugendlich wirkende Deutsch-Rumäne.

          Becker entdeckte er 1976 in Biberach

          Nicht das „Bum-Bum-Tennis“ seines einstigen Musterschülers ist für den Siebenbürger, der 1974 von seiner Heimatstadt Brasov (Kronstadt) nach Deutschland übersiedelte, das neue Leitbild im Tennis, sondern Roger Federer. Wie fast alle Tennis-Experten schwärmt auch Bosch von dem Schweizer: „Ich will Spieler, die über ein sehr umfangreiches Schlagrepertoire wie Federer verfügen, die selbst den Punkt machen und nicht auf den Fehler des Gegners warten. Und ich will keine seelenlosen Tennismaschinen, Spieler mit Charisma, die Emotionen zeigen.“

          Becker als Tennis-Zaungast beim Davis-Cup-Match in Krefeld

          So ein Spieler war Becker, ein Mann, der mit seinen spektakulären Schlägen und seinen Gefühlsausbrüchen die Tennisfans elektrisierte. Bosch entdeckte Becker 1976 bei einer Sichtung in Biberach. Damals war Bosch, der als Aktiver zum rumänischen Davis-Cup-Team gehörte, aber hinter Ilie Nastase und Ion Tiriac immer nur die Nummer drei war, Bundestrainer des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Becker war auf Bundesebene für nicht förderungsfähig erachtet worden und durfte meist nur im Landesleistungszentrum des badischen Verbandes in Leimen als Sparringspartner für die Mädchen, darunter Steffi Graf, dienen.

          „Günzi, ich habe dir sehr viel zu verdanken“

          Doch Bosch erkannte das Talent des damals noch mit reichlich Babyspeck gesegneten Jungen. Für ihn gab er seinen sicheren Job beim DTB auf und brachte ihn mit Tiriac, der das Geschäftliche regelte, zusammen. Es war der Beginn einer einmaligen Erfolgsgeschichte. Heute erinnert sich Bosch nur an die schönen Zeiten mit Becker, vergessen die hässliche Trennung 1987, als Becker nach dem Ausscheiden bei den Australian Open verkündete, er brauche keinen Trainer, der Tag und Nacht auf ihn aufpasse.

          „Es war immer ein Kampf mit Boris. Ich musste ihm immer alles erklären“, sagt Bosch. Auch Becker, der jahrelang Distanz zu seinem einstigen Ziehvater hielt, hat zum runden Geburtstag eine nette Grußbotschaft über die Deutsche Presse-Agentur verbreiten lassen: „Ich kann es kaum glauben, Günzi wird 70. Einen herzlichen Glückwunsch von Deinem ehemaligen Schüler. Günzi, ich habe Dir sehr viel zu verdanken.“

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