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Großer Preis in Iffezheim : Wiener Walzer linksherum

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Schauplatz des spektakulärsten Pferderennens in Deutschland: die Rennbahn in Iffezheim Bild: picture-alliance/ dpa

An diesem Sonntag findet in Iffezheim das wohl spektakulärste Pferderennen Deutschlands statt. Auch Wiener Walzer, Deutscher Derbysieger für das Gestüt Schlenderhan, soll am Start sein - aber nur, wenn das Wetter mitspielt.

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          Gemeinhin wird Wiener Walzer rechtsherum getanzt. Die Galopprennbahn in Iffezheim ist ein Linkskurs. Gemeinhin tanzt man Wiener Walzer auf trockenem Boden und nicht auf feuchten Wiesen. Und deswegen ist fraglich, ob Wiener Walzer, diesjähriger Deutscher Derbysieger für das Gestüt Schlenderhan, an diesem Sonntag das wohl spektakulärste Pferderennen hierzulande überhaupt bestreiten wird. Wiener Walzer mag nicht den feuchten und kraftraubenden tiefen Boden, er mag das Geläuf möglichst trocken und gut begehbar. Dass dem so sein wird, erscheint indes nach den vergangenen Tagen mit mächtigen Regenschauern eher fraglich.

          Und so wird Trainer Jens Hirschberger am Sonntagmorgen zum Himmel und aufs Geläuf schauen und dann entscheiden, ob er Wiener Walzer unter Jockey Filip Minarik in den mit 250.000 Euro dotierten 137. Großen Preis von Baden (Gruppe I) über 2400 Meter schicken wird. Fraglich ist auch, ob Hirschberger in diesem hochkarätigen Jahrgangsvergleich seinen dreijährigen Derbysieger und den nicht minder stark eingeschätzten sechs Jahre alten Stallgefährten Getaway (Jockey Adrie de Vries) wie zuletzt in Köln beim Rheinland-Pokal gegeneinander laufen lässt, als der Deutschland-Preis-Sieger Getaway hinter Wiener Walzer ins Ziel gekommen war. "Entschieden wird am Sonntagmorgen", sagt Hirschberger, Privattrainer des ältesten deutschen Privatgestüts.

          Mit großen Namen hat sich dieser Große Preis als badische Schaubühne der Stars schon immer rühmen können. Er ist dank seiner jeweils international großartigen Besetzung tatsächlich ein großer Preis in Europa, handelt es sich nun um Pferde oder Jockeys. So sitzt auf dem drittplazierten des Rheinland-Pokals Eastern Anthem aus dem Galopp-Imperium des Dubai-Herrschers Scheich Mohamed al Maktoum mit Frankie Dettori ein ausgemachter Meister seines Fachs, der im Badener Grand Prix schon des Öfteren erfolgreich war. Ebenfalls aus England kommt der in dieser Güteklasse mehrmals erfolgreiche Youmzain aus dem Besitz von Jaber Abdullah. Der sechs Jahre alte Hengst belegte in den vergangenen beiden Jahren jeweils Rang zwei im wichtigsten Galopprennen der Welt, dem Prix de L'Arc de Triomphe.

          Kein Gradmesser für die Befindlichkeit des Galopprennsports

          Damit nicht genug: Im Sattel wird Kieren Fallon sitzen, der sechsmalige englische Jockey-Champion. Es wird sein erster harter Ritt nach einer mehrmonatigen Sperre sein, die man ihm wegen manch einer Unregelmäßigkeit aufgebrummt hatte. Allerdings hat er Youmzain in der vergangenen Woche mehrmals im Training geritten. Der Crack, der schon so manche Rennbahn dieser Welt kennengelernt hat, wurde speziell auf die Badener Prüfung hin trainiert. Betreut wird Youmzain von Mick Channon, einem ehemaligen Fußballprofi, der in seinem neuen Metier längst zu den Besten auf der Insel gehört. Iffezheim soll zudem der letzte Härtetest für Youmzain sein, Anfang Oktober soll er wieder im "Arc" gegen die Besten der Welt starten.

          Auch die weitere Konkurrenz kann sich sehen lassen. Der deutsche Derbyzweite Sordino tritt unter Jockey Andreas Suborics, der diese Große Woche zu seiner ganz eigenen Erfolgsgeschichte gemacht hat, zur Derbyrevanche an. Der Derbysieger des Vorjahres und erfolgreich im Badener Großen Preis im vergangenen Jahr, Kamsin, wird dem deutschen Jockey-Star Andrasch Starke anvertraut. Dazu kommt Adelar, zuletzt in Deauville in einem Gruppe-III-Rennen Zweiter, unter dem Franzosen Dominique Boeuf.

          Die Große Woche galt selten als Gradmesser für die Befindlichkeit des deutschen Galopprennsports. Zu herausragend war regelmäßig die Stellung dieses Meetings mit seinen sechs Renntagen und seiner international bedeutenden Jährlingsauktion. Doch schon in den vergangenen Jahren war dies anders und in diesem Jahr ebenso. Bis zum letzten Tag galt es, einen kleinen Besucherschwund an den einzelnen Renntagen zu verschmerzen, der einherging mit nicht gerade berauschenden Zahlen im Geschäftsergebnis am Totalisator. Und seit der Internationale Club Baden-Baden als Ausrichter im April Insolvenz angemeldet hat, wird er bei der Suche nach einem möglichen Investor noch argwöhnischer beobachtet. Großer Galopprennsport und großes Geschäft sind hierzulande kaum noch miteinander in Einklang zu bringen.

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