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Griechischer NBA-Profi Adetokunbo : Geburt ist nicht genug

  • -Aktualisiert am

Politikum in Griechenland: Der Neu-NBA-Profi Jannis Adetokunbo Bild: dpa

Für den 18 Jahre alten Jannis Adetokunbo geht mit der NBA-Draft ein Traum in Erfüllung - in seiner Heimat Griechenland gerät er wegen seiner afrikanischen Wurzeln zwischen die politischen Fronten.

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          David Stern kennt jeder, jedenfalls jeder, der sich rund um den Globus für Basketball interessiert. Seit knapp drei Jahrzehnten führt der studierte Jurist die National Basketball Association (NBA) an. Unter seiner Führung expandierte die NBA zu einer der größten und weltweit populärsten Profiligen - ein Traumziel für alle Basketballspieler dieser Welt. Auch für Jannis Adetokunbo. Ihn kennt keiner, jedenfalls keiner, der bis zu jenem Abend Ende Juni nicht sehr genau den Werdegang des schlaksigen Basketballers verfolgt hat: Der 70 Jahre alte Stern steht im proppenvollen Barclays Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn vor dem Publikum, um beim alljährlichen NBA-Draft die Namen der 60 Nachwuchsspieler aus der College-Liga und dem Ausland bekanntzugeben, deren Rechte sich die 30 NBA-Teams diesmal gesichert haben.

          „Die Nummer 15 haben die Milwaukee Bucks ausgewählt. Es ist Jannis Adetokunbo aus Athen in Griechenland“, sagt Stern ins Mikrofon. Applaus brandet auf. Der Grieche steht von seinem Platz auf, dann hält der junge Mann in dem für alle sichtbar schönsten Moment seines Lebens eine blau-weiße Fahne in die Luft: Es ist die griechische.

          Auch ein paar Tausend Kilometer entfernt ist der 18 Jahre alte Adetokunbo damit urplötzlich ins Rampenlicht gerückt. Dabei bietet seine noch junge Vita bereits reichlich Stoff für Geschichtenerzähler. In Athen als Kind von mittellosen Einwanderern aus Nigeria geboren, musste der kleine Jannis schon früh Geld verdienen, um das Einkommen der siebenköpfigen Familie aufzubessern. Mit seinen Brüdern verdingte er sich als fliegender Händler. Ob Uhren, Taschen oder Sonnenbrillen: Jannis und Co. versuchten an den Mann zu bringen, was eben so ging. In der verheerenden Krise, die Griechenland heimsucht, war das nicht immer genug. „Unser Kühlschrank war manchmal leer. Wir hatten nichts zum Essen“, erinnert sich Adetokunbo heute.

          Der erste Millionenvertrag

          Mit zwölf Jahren beginnt Jannis Adetokunbo damit, Basketball zu spielen. Sein Team: der Zweitligaklub Filathlitikos. In der abgelaufenen Saison gaben sich immer öfter Talentsucher aus Übersee in der 500 Zuschauer fassenden Heimstätte von Filathlitikos im Vorort Zografou im Osten Athens ein Stelldichein. Die Atlanta Hawks, die Houston Rockets, die Toronto Raptors und die Denver Nuggets: Alle schickten ihre Scouts ins ferne Zografou, um das vielversprechende Talent Adetokunbo live unter die Lupe zu nehmen. Zurück in Amerika, schwärmen sie unisono von seiner Ballbehandlung, seiner Spielübersicht, seiner Sprungkraft. Die Milwaukee Bucks schlugen zu. Der Grieche vom Athener Zweitligateam mit dem unaussprechlichen afrikanischen Nachnamen ist nun ein NBA-Profi.

          Dem Mini-Lohn von ein paar Hundert Euro im Monat im Filathlitikos-Dress folgt nun der erste Millionenvertrag in der NBA. Aschenputtel auf Griechisch. Wie groß er sei, wollen plötzlich Griechenlands Star-Journalisten, die sonst nur die Athener Polit-Elite interviewen, von Adetokunbo wissen. „2,06 Meter, ohne Schuhe. Ich wachse aber weiter“, sagt er. Und wirkt dabei noch schüchtern. Dem Medienrummel zum Trotz: Ist Adetokunbos Karrieresprung nicht nur ein weiterer Erfolg für die Basketball-Nation Griechenland? Schließlich hat Olympiakos Piräus im Mai abermals die Euroleague gewonnen, davor war Panathinaikos Athen Serienmeister in Europas führendem Klubwettbewerb. Zudem zählt Griechenlands Nationalmannschaft zu Europas Besten. Schon zweimal wurde sie Europameister. Adetokunbo in der NBA, na und? Möchte man jedenfalls denken.

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