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Grand Prix d’Amérique : Katerstimmung bei den Trabern

  • -Aktualisiert am

Läuft Bold Eagle wieder allen Konkurrenten davon? Bild: AFP

Bold Eagle ist der Liebling aller Trabrennfans. Das wichtigste Rennen der Welt hat der Hengst bereits zweimal gewonnen. Nun ist er wieder Favorit. Doch die Stimmung in der Szene ist nicht gerade die beste.

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          Unmittelbar vor dem Start gehen ihm regelmäßig die Nerven durch. Dann ist Bold Eagle, der beste Traber der Welt, einfach nicht mehr zu bändigen und tut genau das, was ein Rennpferd in dieser Disziplin auf gar keinen Fall tun darf: Er galoppiert. Statt die nach dem Regelwerk streng vorgegebene Gangart einzuhalten, springt der Hengst wie wild durch die Gegend. Und während er ungestüm seine Mähne schüttelt, muss sein Fahrer, der Franzose Franck Nivard, höllisch aufpassen, um nicht aus dem Sulky geschleudert zu werden. Doch sobald die kritische Startphase überstanden ist, macht Bold Eagle keinen einzigen falschen Schritt. Seine Bilanz ist imposant: Von 58 Rennen gewann der Hengst 43 und kassierte für seine Besitzer rund 4,4 Millionen Euro Prämie ein. Den Grand Prix d’Amérique, das wichtigste Trabrennen der Welt, hat Bold Eagle bereits zweimal (2016 und 2017) gewonnen.

          An diesem Sonntag ist es wieder so weit: Dann wird der mit 900.000 Euro Preisgeld dotierte Klassiker auf dem am östlichen Pariser Stadtrand gelegenen Hippodrom Vincennes ausgetragen. Fast 40.000 Zuschauer werden Bold Eagle anfeuern, denn der Hengst ist der Liebling aller Trabrennfans. Weltweit schauen sogar etliche Millionen Menschen zu. Der Prix d’Amérique wird von den Fernsehanstalten live in 36 Länder übertragen. Doch die beeindruckenden Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Mutterland des Trabrennsports ungute Veränderungen stattfinden. Der Umsatz, den die 222 französischen Bahnen erwirtschaften, stagniert seit geraumer Zeit, während die Betriebskosten und der Personalaufwand ebenso wie die Summe der ausgeschütteten Rennpreise immer kräftiger gestiegen sind.

          Sicherlich: Mit mehr als neun Milliarden Wettumsatz pro Jahr befindet sich der französische Pferderennsport im Vergleich zur Tristesse in Deutschland in geradezu paradiesischen Verhältnissen. Aber die Geldspirale wurde überdreht. Die immensen Summen, die bislang an die Sieger und Platzierten ausbezahlt wurden, sind nicht länger finanzierbar. In der Vergangenheit wurden jährlich mehr als 250 Millionen Euro an Prämien ausgeschüttet.

          Nun werden pro Rennen durchschnittlich zehn Prozent des Preisgeldes gestrichen. Das betrifft sogar den seit 1920 existierenden Prix d’Amérique, der bislang stets mit einer Million Euro dotiert war; nun sind es noch 900.000 Euro. Die Sparmaßnahmen wirken zudem über die nationalen Grenzen hinweg. Auch die deutschen Rennbahnen sind von den Kürzungen betroffen. Der Hintergrund: Der deutsche Traber-Dachverband hat in den vergangenen Jahren eng mit seinem französischen Pendant kooperiert. Viele hierzulande veranstalteten Termine wurden in das Wettangebot des Nachbarlandes integriert. Im Gegenzug floss ein Anteil des erzielten Umsatzes an die deutschen Veranstalter zurück. Doch die Geschäftsidee warf aus Sicht der französischen Initiatoren viel zu wenig Gewinn ab. Deshalb wird die Zahl der live aus Deutschland übertragenen Rennen 2019 nahezu halbiert. Katerstimmung im Trabrennsport. Das könnte auch die Atmosphäre beim Prix d’Amérique trüben. Es sei denn, Bold Eagle gewinnt.

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