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Golfprofi Lee Westwood : „Ich kann nicht glauben, dass ich so alt bin“

  • -Aktualisiert am

Wenn die Sonne lange Schatten wirft, schmecken die Siege am süßesten. Bild: EPA

In seinem Alter haben viele Golfspieler schon die Tour für Best Agers im Blick. Lee Westwood aber will nicht aufs Altenteil und gewinnt ganz überraschend in Abu Dhabi. Nun setzt er sich neue Ziele.

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          Manchmal scheint es, als spiele im Golf das Alter keine Rolle. „Der Golfball weiß nicht, wie alt man ist“, ist eines der Lieblingszitate des deutschen Altmeisters Bernhard Langer. „Es wird immer schwerer“, behauptet dagegen Lee Westwood, „ich kann nicht glauben, dass ich so alt bin.“

          Der Engländer ist 46, ein Alter, in dem viele Kollegen schon die Ü50-Tour für Best Agers im Blick haben. Westwoods Perspektive hat sich am Sonntag grundlegend geändert. Nach seinem überraschenden Sieg bei der HSBC Championship in Abu Dhabi strebt der Routinier ganz andere Ziele an: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir noch einmal einen Ryder Cup zumuten will. Ich habe an zehn teilgenommen. Es war ganz angenehm, den Jungs in Paris zuzuschauen. Aber wenn sich die Chance ergibt, werde ich sie nutzen“, sagte der Veteran dieser Prestigeduelle gegen die Auswahl der Vereinigten Staaten, der seit 1997 zu den Eckpfeilern der „Euros“ zählte.

          In diesem Jahr steht Ende September das nächste Kräftemessen in Whistling Straits im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin an – und dass Westwood immer noch großartig Golf spielen kann, zeigte er in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Nach seinem Erfolg bei der Nedbank Challenge in Sun City im November 2018, dem ersten nach vier sieglosen Jahren, gelang Westwood schon der zweite Triumph bei einem Turnier der Rolex Series, die mit sieben Millionen Dollar das höchste Preisgeld dieser Veranstaltungsreihe ausloben.

          Er kann es immer noch – auf hohem Niveau: Lee Westwood, Spieler in reifem Golfer-Alter und Sieger nun in Abu Dhabi.

          In Abu Dhabi ließ Westwood nicht nur die versammelte europäische Elite hinter sich. Auch der amerikanische Weltranglistenerste Brooks Koepka, der am Persischen Golf sein Comeback nach einer dreimonatigen Verletzungspause gab und sein Landsmann Patrick Cantlay, der Siebte der Hackordnung, waren chancenlos. Auch wenn Westwood nicht so athletisch wirkt wie die Jungstars und den Ball nicht so weit schlägt, vom Abschlag sind es im Schnitt rund 270 Meter, demonstrierte er eindrucksvoll, dass man mit Präzision, Nervenstärke und Feingefühl auf den Grüns auch im reifen Golferalter noch mit der Weltelite mithalten kann.

          Westwood traf 71 Prozent der Fairways, 79 Prozent der Grüns – statische Spitzenwerte, die erklären, warum Westwood exakt 23 Jahre, fünf Monate und 16 Tagen nach seinem ersten Sieg auf der European Tour 1996 im Abu Dhabi Golf Club ein Jubiläum feierte. Der 25. Sieg auf der European Tour, der 44. weltweit – das brachte ihm 1,165 Millionen Dollar Preisgeld und ließ ihn in der Weltrangliste vom 63. auf den 29. Rang vorrücken. Damit gehörte er wieder zu den Top 50, die für alle Majors und die Turniere der World Golf Championship qualifiziert sind. Ganz nebenbei hat Westwood noch eine weitere Bestmarke aufgestellt: Er hat nunmehr in vier Dekaden Siege auf der europäischen Turnierserie errungen; noch ein Beleg, dass der Profi aus Worksop zu den ganz Großen des Golfs gehört. Immerhin hatte er im Jahre 2010 Tiger Woods als Weltranglistenersten abgelöst, eine Position, die er insgesamt 22 Wochen inne hatte, obwohl er bei den vier Großereignissen immer knapp scheiterte. Drei zweite Plätze waren seine beste Ausbeute.

          Aber dass man auch als Mitvierziger noch Majors gewinnen kann, hat Woods beim Masters bewiesen. Westwood hat sich in den letzten Monaten deutlich verbessert. Mit Hilfe seines Landsmannes Robert Rock, der das Turnier in Abu Dhabi 2012 gewonnen hatte und heute etliche Tourspieler trainiert, arbeitet er an seinem Schwung. Der englische Putting-Guru Phil Kenyon hat nicht nur Westwood auf den Grüns zum sogenannten Claw- oder Pencil-Griff umgestellt, sondern auch eine seiner Schwächen der Vergangenheit im „kurzen Spiel“ beseitigt. Westwood hatte sich auf dem Platz mit dem berühmten Falken-Klubhaus nach drei Tagen an die Spitze gesetzt – für Westwood, dessen Siegesquote bei Führung nur bei 45 Prozent lag, eine Herausforderung.

          Zumal sein Landsmann Tommy Fleetwood, der Weltranglistenzehnte, an seinem 29. Geburtstag noch einmal groß auftrumpfte. Der Abu-Dhabi-Sieger von 2017 und 2018 spielte wie der Franzose Viktor Perez mit 63 Schlägen die beste Tagesrunde. Aber das reichte gemeinsam mit dem Engländer Matthew Fitzpatrick nur für Position zwei, weil Westwood mit 67 Schlägen und einem souveränen Birdie am Schlussloch die Gegner mit zwei Schlägen auf Abstand hielt. Westwood bestand die Prüfung.

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