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Masters-Sieger Tiger Woods : Einer, der Schwächen hat

Nicht immer gelingt ihm alles: Auch Tiger Woods hat Schwächen. Bild: AP

Der Stern von Tiger Woods sank vor mehr als neun Jahren: Erst der Autounfall, dann Sexsucht und Schmerzmittel. Nun verneigt sich die Welt vor dem Mann, den sie schon abgeschrieben hatte. Ist das gerechtfertigt?

          Tiger Woods ist zurück. Nach elf Jahren hat der gefallene Held beim Masters gesiegt. Tigers Stern sank, als vor mehr als neun Jahren sein ausschweifendes Privatleben bekannt wurde. Der Typ, der mit seinem Auto gegen einen Hydranten prallte, dessen Ehe zerbrach und der unter einer Sexsucht litt, taugte nicht mehr zum Idol. Operationen an Knien und Rücken folgten. Dann der Tiefpunkt vor zwei Jahren: Die Polizei greift den orientierungslosen Mann, der von einem Cocktail aus Schmerz- und Schlafmitteln berauscht ist, in seinem Auto auf. Hat ihm da eigentlich jemand per Twitter seine besten Genesungswünsche übermittelt? Man müsste Jan Ullrich fragen, wie viele Freunde den Gescheiterten zur Seite stehen.

          Nun verneigt sich die Welt vor dem Mann, den sie schon abgeschrieben hatte. Der Topstar der Amerikanischen Basketball-Profiliga NBA, Stephen Curry, spricht sogar von der größten Comeback-Geschichte im Sport. Das ist übertrieben. Wer oder was wäre schon der Maßstab für das Optimum? Auch Michael Jordan und Muhammad Ali sind nach harten Zeiten wieder auf die Weltbühne des Sports zurückgekehrt. Aber das tut nichts zur Sache.

          Entscheidend ist, dass wir endlich wieder einen Menschen feiern können, der genauso mittelmäßig erscheint wie wir und der es trotzdem wieder geschafft hat. Wie sich Rückenprobleme, Affären und Suchtkrankheiten anfühlen, können viele Menschen nachempfinden. Wie es ist, als Champion an der einsamen Spitze zu stehen, wissen die wenigsten. Jetzt steht dort oben einer, der Schwächen hat.

          Tiger Woods ist wieder wer, ist wieder jemand in einer Welt, in der Perfektion und Erfolg die Existenz eines Individuums legitimieren. Keine Frage: Den Leistungsgedanken zu verkennen, hieße den Spitzensport zu verkennen. Nur hat alles seine Grenzen. Der Champion von Augusta muss sich davor hüten, in den kommenden Jahren in die nächste Sucht zu verfallen, die Sportlern droht. Sie lässt sich auf diese Formel bringen: Ich habe Erfolg, also bin ich. Muhammad Ali hat ein großes Comeback gefeiert und den Absprung nicht geschafft. Wie sagte noch die Bundeskanzlerin, als sie ihren Rücktritt als CDU-Parteivorsitzende ankündigte? „Wir alle stehen in der Zeit.“

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