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Martin Kaymer im Gespräch : „Ich stehe gerne barfuß im Bunker“

Martin Kaymer legt Wert auf sein Äußeres, auch wenn er weiß: „Die Beach Muscles bringen nicht so viel fürs Golf.“ Bild: AFP

Martin Kaymer ist der wohl unbekannteste deutsche Weltstar. Der Golfprofi spricht über verrückte Ideen, einen Sixpack und wie es wohl wäre, wenn 50.000 Zuschauer seinen Namen rufen würden.

          Nach den Enttäuschungen beim Masters und den US Open wollen Sie diese Woche beim dritten Major-Turnier des Jahres, den British Open, angreifen. Sie sind ein großer Fan von St. Andrews, einem mythischen Ort des Golfs. Hilft das, dort gut zu spielen?

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Auf einen Platz, den man mag, geht man mit einer positiven Einstellung. Ich habe dort 2010 schon mal gewonnen, bei der Dunhill Links Championship. Jetzt möchte ich noch einen drauflegen, um dort auch bei einem Major erfolgreich zu sein.

          Gibt es eine bestimmte Schwingung, eine gewisse Emotionalität oder gar positive Erregung durch die Bedeutung und Historie eines Platzes, auf dem man spielt? Oder ist es besser, das auszublenden und zu tun, als wär’s irgendein Platz?

          Gerade St. Andrews hat etwas ganz Besonderes. Weil das der Ort ist, wo das Golfspiel herkommt, und wenn man mal da war, kennt man die unvergleichliche Atmosphäre. Allein wenn man durch die Stadt geht, alles dreht sich um Golf, alle Leute reden über Golf. Dieses Gefühl, das ich dort habe, gibt es sonst in der Form nirgendwo.

          Also nicht: professioneller Tunnelblick. Sondern: die Sinne ganz weit öffnen?

          Wenn ich am ersten Abschlag stehe, runterschaue und die 18. Bahn sehe, die mir entgegenkommt, und ich mich dann umdrehe und aufs Clubhaus blicke, dann wird mir bewusst: Dort ist schon viel Geschichte geschrieben worden.

          Gibt es etwas Sinnliches am Golfspiel, das Sie besonders mögen? Einen Geruch, ein Geräusch, ein Gefühl?

          Klar! Ich stehe gerne barfuß im Bunker. Nur im Training natürlich. Mit dem Golfplatz, mit den ganzen Elementen eins zu sein – das ist eine Besonderheit, die Golfspielen ausmacht. Golf ist eine Art Kunst. Da muss man auch mal kreativ sein. Und dann kommen mir eben verrückte Ideen, wie einfach mal die Schuhe und Socken auszuziehen und mich barfuß in den Sand zu stellen.

          Jeder Platz ist jeden Tag anders, das Wetter auch – auch der Golfer?

          Man fängt jeden Tag neu an. Muss in sich hineinhören und den Weg finden, das Beste herauszuholen aus sich und den wechselnden Bedingungen.

          Zu Ihrem 30. Geburtstag gratulierte Ihr schwedischer Kollege Henrik Stenson mit der SMS: „Jetzt bist du alt.“ Ist man das heute, als Golfer mit 30?

          Ich bin, glaube ich, jetzt genau im richtigen Alter. Laut Statistik liegen die besten Jahre für einen Golfer zwischen 30 und 35. Deshalb habe ich die SMS als Kompliment gesehen. Als Hinweis eines Älteren, dass ich jetzt auch zu den erfahreneren Spielern gehöre.

          Immerhin sind, beginnend mit Ihrem US-Open-Sieg 2014, die letzten fünf Majors von Spielern unter 30 gewonnen worden. Wird Golf immer jünger?

          Man sah schon in den letzten drei, vier Jahren, dass viele junge Spieler auf die US PGA Tour oder die European Tour kommen. Es starten dort teilweise Spieler, die erst 15 oder 16 Jahre alt sind. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren vermutlich fortsetzen, es können auch die Jüngeren die großen Turniere gewinnen. Auch dass man mit über dreißig oder gar mit Anfang vierzig körperlich fit bleiben muss, um dagegen zu bestehen. Der Trend geht auf jeden Fall Richtung Anfang bis Mitte zwanzig.

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